Die DHKP-C wurde 1994 gegründet und verfolgt das Ziel, die türkische Staats- und Gesellschaftsordnung zu stürzen, um eine sozialistische Gesellschaft nach marxistisch-leninistischen Prinzipien zu errichten. Gewalt sieht sie dafür nicht nur als legitim an, sondern sogar als einzig mögliches Mittel zur Umsetzung ihrer Ziele. Dies resultiert aus ihrer Ablehnung von jeglicher Partizipation an den bestehenden staatlichen Strukturen, die sie als Teil eines „faschistischen“ Systems versteht. Vor diesem Hintergrund wird beispielsweise die Teilnahme an demokratischen Wahlen abgelehnt. Entsprechend verüben Anhänger der DHKP-C immer wieder terroristische Anschläge in der Türkei. In Deutschland unterliegt die Organisation seit 1998 einem Betätigungsverbot und steht seit 2002 auf der EU-Terrorliste. Dennoch hat die DHKP-C auch in Deutschland weiterhin Anhänger, die sich in DHKP-C-nahen Gruppierungen unter Tarnbezeichnungen organisieren. Derartige legale Strukturen werden genutzt, um in der Öffentlichkeit aufzutreten, neue Anhänger zu gewinnen und Finanzmittel zur Unterstützung des bewaffneten Kampfes in der Türkei zu generieren.
Personenpotenzial und Strukturen: Die DHKP-C in Baden-Württemberg
Im Bundesvergleich war das DHKP-C-nahe Spektrum in Baden-Württemberg traditionell besonders aktiv, vor allem in Stuttgart und Mannheim, wo etablierte Vereinsstrukturen bestehen. Allerdings ist das Aktivitätsniveau in beiden Städten, innerhalb der letzten Jahre merklich zurückgegangen. Gleiches gilt für das Personenpotenzial: Aktuell werden etwa 100 Personen in Baden-Württemberg dem DHKP-C-nahen Spektrum zugeordnet, im Jahr 2023 waren es noch etwa 110.
Strategien der DHKP-C zwischen Musik- und Filmpropaganda
Propagandainhalte konzentrieren sich auf Themen wie Gefangenenhilfe, Palästinasolidarität und die Bekämpfung von
Rassismus. Ein zentrales Propagandamittel der DHKP-C ist zudem die Musikgruppe „Grup Yorum“, die mit ihren
Veröffentlichungen und Konzerten eine Fangemeinde weit über die Anhängerschaft der DHKP-C hinaus erreicht. Die Gruppe greift
regelmäßig szenetypische Themen auf und leistet damit ideologische Unterstützungsarbeit. Mit ihren Auftritten ist die
„Grup Yorum“ in fast ganz Westeuropa aktiv, auch in Baden-Württemberg. Bei einem Vergleich der Besucherzahlen von
Konzerten in Baden-Württemberg fällt jedoch auf, dass diese in der Vergangenheit teils deutlich höher waren als in der
jüngeren Vergangenheit. Ein Konzert in der Rüya Dügün Salonu-Mehrzweckhalle in Mannheim am 4. Februar 2018 wurde noch
von schätzungsweise 1.000 Personen besucht. Im Gegensatz dazu hatte das „Grup Yorum“-Konzert am 19. März 2023 in den
gleichen Räumlichkeiten nur etwa 250 Besucher. Der zunehmende Rückgang der Aktivitäten des DHKP-C-nahen Spektrums korreliert
demnach auch mit geringeren Besucherzahlen bei „Grup Yorum“-Veranstaltungen.
Anfang des Jahres 2026 gründete sich, möglicherweise auch als Reaktion auf die rückläufige Popularität von
„Grup Yorum“, zusätzlich die neue Musikgruppe „KAVGA“ [1] und debütierte mit einem Konzert in den
Räumlichkeiten des DHKP-C-nahen Vereins „Volkskino“ am 25. Januar 2026 in Mannheim.
Daneben bemüht sich die DHKP-C, ihre Anhängerschaft auch mit Propagandafilmen anzusprechen. Das Mannheimer „Volkskino“ wirkte beispielsweise an der Produktion des Dokumentationsfilmes „DONBASS’TA 8 GÜN“ (8 Tage im Donbass) mit, welcher eine Reise von insgesamt sieben Personen der „Grup Yorum“ und aus dem weiteren DHKP-C-nahen Spektrum im April 2024 nach Moskau und in den Donbass zeigt. Der Film lässt eine starke Solidarität mit Russland und eine Verinnerlichung russischer Propagandamotive in Bezug auf die Ukraine erkennen. Genau wie die Musik von „Grup Yorum“ und „KAVGA“ entfalten diese Filmbeiträge eine internationale Reichweite. Sie wurden in London und Paris gezeigt.
Aktuelle Entwicklungen und Strafverfahren
Das rückläufige Aktivitätsniveau ist auch auf wiederholte Strafverfahren zurückzuführen. So verurteilte das
Oberlandesgericht Stuttgart am 20. Juni 2024 einen Angeklagten zu drei Jahren Haft wegen der Mitgliedschaft in der DHKP-C. Nach
Einschätzung des Gerichts war er als örtlicher Funktionär und später als Verantwortlicher des „Volkskino“
tätig. Er organisierte unter anderem Propagandaveranstaltungen und leistete Rekrutierungsarbeit.
Am 25. November 2024 verurteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf eine Person zu vier Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe
ebenfalls wegen Mitgliedschaft in der DHKP-C. Der Verurteilte war als Regionalverantwortlicher für Aktivitäten in
Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und dem Saarland zuständig und beschaffte außerdem Finanzmittel und gefälschte
Ausweisdokumente für die Organisation. Der Prozess wurde von Kundgebungen und Solidaritätsaktionen begleitet, unter anderem von
DHKP-C-nahen Akteuren aus Mannheim und Stuttgart.
Sollten in der Zukunft weitere Strafverfahren gegen Funktionäre der DHKP-C oder ihr nahestehende Vereine erfolgreich sein, erscheint ein weiterer Rückgang der Aktivitäten in Baden-Württemberg als wahrscheinlich. Entscheidend für die Zukunft sind nicht zuletzt internationale politische Entwicklungen, etwa im Nahostkonflikt oder in der Türkei selbst. Diese können maßgeblich die Anschlussfähigkeit der DHKP-C-Propaganda und damit auch die Rekrutierungs- und Mobilisierungsbemühungen der Organisation beeinflussen.
[1] „KAVGA“ (dt.=Kampf) wurde laut eigener Aussage unter der Leitung von „Grup Yorum“ gegründet. Die Mitglieder von „KAVGA“ sind teilweise gleichzeitig Mitglieder von „Grup Yorum“. [zurück]