Türkischer Rechtsextremismus

Die türkisch-rechtsextremistische „Ülkücü-Bewegung“ („Bewegung der Idealisten“) idealisiert die türkische Nation und betont islamische Werte. Bundesweit umfasst die Szene etwa 11.000 Personen. Die meisten ihrer etwa 2.400 Anhänger in Baden-Württemberg sind in zahlreichen Vereinigungen und Zusammenschlüssen aktiv. Zum Milieu gehören auch nichtorganisierte Jugendliche, die sich vor allem im Internet durch aggressive und radikale Äußerungen bemerkbar machen und überdies gewalt- sowie waffenaffin sind. 

Zum „Ülkücü“-Spektrum in Baden-Württemberg gehören im Wesentlichen Mitglieder der „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e. V.“ (ADÜTDF). Diese inoffizielle Vertretung der türkischen nationalistischen Partei MHP in Deutschland wurde 1978 gegründet und ist auch unter den Bezeichnungen „Türk Federasyon“ oder „Graue Wölfe“ bekannt. 

Gemäß der Doktrin des MHP-Gründers Alparslan Türkes propagiert die ADÜTDF unter anderem einen übersteigerten Nationalismus, Idealismus sowie Moralismus. Ziel ist eine ethnisch homogene türkische Volksgemeinschaft in den Grenzen des früheren osmanischen Reichs. Die angestrebte nationale Identität und Einheit sieht sie durch politische Gegner bedroht, insbesondere durch Kurden; gegen diese Gruppen pflegt sie rassistische Feindbilder und eine entsprechend aggressive Rhetorik. Ihre Haltung widerspricht dem Gedanken der Völkerverständigung und richtet sich gegen das friedliche Zusammenleben der Völker. Auch zieht eine starke soziale Kontrolle Einschränkungen der individuellen Freiheit nach sich. 

Bundesweit hat die ADÜTDF etwa 7.000 Mitglieder, gut 2.200 davon in ihren drei Gebieten („Bölge“) in Baden-Württemberg. Die wesentlichen Aktivitäten ihrer Ortsvereine sind Treffen zu nationalen und kulturellen Anlässen, bei denen nationalistisches Gedankengut vermittelt wird. Auch gibt es jährliche Gedenkfeiern für Alparslan Türkes. Ein spezieller Schwerpunkt ist die Jugendarbeit: Schulungen, Sportangebote, Türkeireisen und anderes mehr sollen bei den Jugendlichen eine dezidiert türkisch-nationale Identität festigen – auch wenn sie in Deutschland geboren und aufgewachsen sind.

Weitere Informationen finden Sie im Verfassungsschutzbericht ab Seite 121.

 

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