Die Aktionstage richteten sich gezielt an ein Fachpublikum aus Behörden, Wirtschaft und Wissenschaft und ermöglichten diesen, sich auszutauschen, sich zu vernetzen und gesellschaftlich und politisch Mitwirkende für ein Vorgehen gegen Desinformation zu finden. Der Innenminister informierte darüber hinaus die Öffentlichkeit über die sozialen Medien.
Zunächst organisierte die Taskforce Desinformation eine Podiumsdiskussion mit Rednerinnen und Rednern aus unterschiedlichen, mit Desinformation konfrontierten Bereichen. Ein Fachvernetzungstag diente der gezielten Vernetzung von unterschiedlichen Akteuren gegen Desinformation in Baden-Württemberg. Gleichzeitig machte das Innenministerium über Social Media auf das wichtige Thema „Desinformation“ aufmerksam.
Der Diskussionsabend
Anlässlich der offiziellen Vorstellung des Aktionsplans lud der stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl am 25. November 2025 zur Diskussionsrunde unter dem Titel „Fakten stärken, Desinformation entkräften: Baden-Württembergs Weg zur demokratischen Resilienz“ ein. Mirko Ross, CEO der asvin GmbH, einem Stuttgarter Cyber-Sicherheits-Unternehmen, sprach über die technische Entwicklung von bildgestützter/bildhafter Desinformation. Er zeigte aktuelle Gefahren auf, mit denen die Gesellschaft im Zusammenhang mit Desinformation konfrontiert wird, und skizzierte zukünftige Entwicklungen – insbesondere im Hinblick auf unsere stetig digitaler werdende Welt.
Die anschließende Podiumsdiskussion war insbesondere durch die vielseitigen Blickwinkel der Teilnehmenden gekennzeichnet. Neben Mirko Ross waren dies der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl, Sibylle Thelen, die Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg, sowie Prof. Dr. Frank Brettschneider, Inhaber des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft, insbesondere Kommunikationstheorie, an der Universität Hohenheim. Die Moderation übernahm Karin Scheiffele, Leiterin der Abteilung „Bevölkerungsschutz, Krisenmanagement, Verfassungsschutz“ im Innenministerium.
Der Fachvernetzungstag
Als Auftakt des Fachvernetzungstags beleuchtete Julia Kaltenbacher, Leiterin des Teams Medienkompetenz beim SWR, die wirtschaftlichen, technologischen, journalistischen, gesellschaftlichen und psychologischen Aspekte und zeigte damit die Vielschichtigkeit des Themas. Gleichzeitig plädierte sie für die Sicherung und Stärkung des Journalismus und forderte eine „redaktionelle Gesellschaft“, in der Menschen reflektiert mit Medien und Informationen umgehen können.
Yannic Frey von der Landesanstalt für Kommunikation (LfK) berichtete, wie die LfK Desinformation bekämpft: Zum einen im Bereich der Prävention, indem sie Medienkompetenz vermittelt, beispielsweise durch Projekte wie "THE FEED" oder "handysektor". Zum anderen im Bereich der Medienaufsicht, indem sie rechtliche Schritte einleitet, um die Verbreitung von Desinformation zu verhindern. Dabei setzt die LfK auf moderne Technologien, wie das Aufsichts-KI-Tool KIVI, das automatisiertes Monitoring von Internetbeiträgen ermöglicht. Darüber hinaus arbeitet die LfK eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen, um effektiv gegen die Verbreitung von Desinformation vorzugehen. Ein besonderes Problem, das Herr Frey ansprach, sind der automatisierte Einsatz von Fake-Profilen sowie der koordinierte Einsatz von Bots, die Beseitigung von Desinformation erheblich erschweren.
Das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg (LfV) berichtete über Desinformation als Bestandteil koordinierter, illegitimer, nicht-militärischer Handlungen durch staatlich gelenkte Akteure zur Durchsetzung eigener Interessen und zum Nachteil eines anderen Staates (sog. „Hybride Bedrohungen“). Diese hat großes Potenzial, Personen, Gruppen oder die öffentliche Meinung negativ zu beeinflussen. Da hierdurch auch demokratische Grundwerte in Gefahr geraten können, ist Desinformation, wenn sie von extremistischen oder fremdstaatlichen Akteuren verbreitet wird, ein Fall für den Verfassungsschutz. So gewonnene Informationen können in die Facharbeit anderer Stellen einfließen oder vom LfV öffentlich gemacht werden.
Im Anschluss – und thematisch gut ins Thema „Online-Desinformation“ eingebettet – ging die seit 2021 bestehende „Task Force Hass und Hetze“ des Landeskriminalamts auf die bereits erzielten Erfolge im Kampf gegen Hasskriminalität und Hatespeech ein. Der Vortrag veranschaulichte, wie vielfältig die Arbeit rund um die Sensibilisierung verschiedener Zielgruppen sein kann. Die Task Force Hass und Hetze leistet hier in unterschiedlichen Aktionsfeldern Aufklärungsarbeit, veröffentlicht Studien und geht mit gleichgesinnten Akteurinnen und Akteuren in den aktiven Austausch. Der von der Task Force Hass und Hetze initiierte Schulwettbewerb „Jüdisches Leben in Deutschland – Eine Quelle der Vielfalt“ wurde 2024 mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation ausgezeichnet.
Den Abschluss der informativen Impulsvortragsreihe am Fachvernetzungstag bildete die Präsentation der Fachstelle für Extremismusdistanzierung. Die Fachstelle ist Bestandteil des Demokratiezentrums Baden-Württemberg und beschäftigt sich mit Aufklärungs- und Präventionsarbeit rund um politischen oder religiös motivierten Extremismus. Der Vortrag thematisierte die Radikalisierungsgefahren für Kinder und Jugendliche im Netz und betonte, wie wichtig Medienkompetenz ist, eine Arbeit, der sich die Fachstelle für Extremismusdistanzierung mit großem Engagement und Fachwissen widmet.
Zwischen den Vorträgen konnten sich die Teilnehmenden auf einem „Markt der Möglichkeiten“ über die Angebote des LfV, der LfK, des Demokratiezentrums Baden-Württemberg sowie der Task Force gegen Hass und Hetze informieren.