Internationale Vernetzung

Nach eigenen Angaben ist die MB in mehr als 70 Ländern präsent. Neben der Kernorganisation samt Ablegern zählen zu ihrem Netzwerk auch Vereine, die ihr ideologisch, personell und strukturell nahestehen. Dieses Geflecht spiegelt die historisch bedingte Strategie der ägyptischen MB wider, mit formal unabhängigen Organisationen scheinbar dezentral zu agieren. 

Alle MB-Zweige teilen Grundüberzeugungen, die mit bestimmten demokratischen Prinzipien wie der Meinungsfreiheit, der Volkssouveränität und der Gleichberechtigung unvereinbar sind. Bekannte Beispiele sind die tunesische Partei „an-Nahda“ („Wiedererwachen“), die palästinensische HAMAS („Harakat al-muqawama al-Islamiya“/„Islamische Widerstandsbewegung“) und die transnationale „Hizb ut-Tahrir“ („Partei der Befreiung“; in Deutschland verboten), die ein weltweites Kalifat anstrebt. 

Europaweit besteht ein Netz von MB-nahen Moscheen, Institutionen und Verbänden. Als internationale Dachorganisation gilt die „Federation of Islamic Organizations in Europe“ („Föderation Islamischer Organisationen in Europa“, FIOE), die sich selbst als zentrale Anlaufstelle im sunnitisch-islamischen Bereich versteht. In der Jugendarbeit hat das „Forum of European Muslim Youth and Student Organizations“ (FEMYSO) eine vergleichbare Funktion. 

Der „European Council for Fatwa and Research“ („Europäischer Rat für Rechtsgutachten und wissenschaftliche Studien“, ECFR) widmet sich primär rechtlichen Problemen von Muslimen in der europäischen Diaspora. Vorsitzender war bis Frühjahr 2019 Yusuf AL-QARADAWI, die ideologische Führungspersönlichkeit der MB. 

Das MB-nahe „Europäische Institut für Humanwissenschaften“ (EIHW) in Frankfurt am Main verbreitet sein Islamverständnis unter anderem im nichtakkreditierten Studiengang „Islamische Wissenschaften“. So positioniert es sich in direkter Konkurrenz zum Studienfach „Islamische Theologie“, dass auch an Universitäten in Baden-Württemberg gelehrt wird. 

In Baden-Württemberg hatte die MB im Jahr 2019 etwa 190 Anhänger, bundesweit gut 1.350. Ihre wichtigste Interessenvertreterin in der Bundesrepublik ist die „Deutsche Muslimische Gemeinschaft e. V.“ (DMG).

Weitere Informationen finden Sie im Verfassungsschutzbericht ab Seite 68.


 

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