Rechtsextremismus

„Heldengedenken“ der rechtsextremistischen Parteien

Wie schon in den vergangenen Jahren führten baden-württembergische Rechtsextremisten im Herbst wieder verschiedene Aktionen und Versammlungen durch. Anlass war unter anderem der Volkstrauertag am 15. November 2020. Auch die rechtsextremistischen Parteien „Der III. Weg“, „DIE RECHTE“ und „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD) organisierten ein alljährliches „Heldendenken“; es fand an Gefallenendenkmälern und anderen Orten statt, die symbolisch für sie aufgeladen sind.

Schon der Begriff „Heldengedenken“ der Rechtsextremisten weist auf einen Unterschied zu der demokratisch genutzten Bezeichnung „Volkstrauertag“ hin. Auch die Verwendung des im Dritten Reich eingeführten und verwendeten Terminus „Heldengedenken“ zeigt ein bewusstes Bekenntnis zum Nationalsozialismus. Hier stehen das Gedenken an gefallene (politische) Soldaten und deren Glorifizierung im Fokus, wohingegen am Volkstrauertag aller Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft gedacht wird. 

Ein weiterer Hinweis auf einen teilweise neonazistischen Charakter des „Heldengedenkens“ ist seit 2013 die jährliche Kundgebung in Wunsiedel/Bayern. Hintergrund hierfür ist das bis 2011 dort befindliche Grab des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß (1894–1987). Die Legendenbildung um Heß und seinen von Rechtsextremisten angezweifelten Suizid machte Wunsiedel zu einer Art szeneinternen „Märtyrerstadt“.

„Der III. Weg“ 

Seit der Parteigründung im Jahr 2013 hat „Der III. Weg“ jährlich ein „Heldengdenken“ in Wunsiedel veranstaltet. Da die Behörden laut Partei „massive Auflagen in Bezug auf das Coronavirus erteilt“ hatten, wurde die diesjährige Veranstaltung abgesagt und auf der Internetseite von „Der III. Weg“ zu regionalem Gedenken aufgerufen. Am Bodensee „entschloss man sich im Zuge einer kleinen Wanderung mehrere Denkmäler zu passieren“ und „die Kämpfer früherer Tage“ zu ehren, wie ebenfalls auf der Seite zu lesen war. Auch baden-württembergische Aktivisten in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg folgten diesem Aufruf und organisierten an „verschiedenen Denkmälern“ ein „Heldengedenken“.
Bereits am 31. Oktober wurde „auf dem Hauptfriedhof der Stadt Freiburg“ am „Denkmal für die Gefallenen der beider Weltkriege (…) Kerzen entzündet“
Die „Nationalen Sozialisten Württemberg“ dokumentierten am 15. November 2020 auf ihrer Homepage eine Veranstaltung zum „Heldengedenken“ in Württemberg. 

„DIE RECHTE“ 

Auf der Twitter-Seite des „DIE-RECHTE“-Kreisverbands Rhein-Neckar wurden Fotos von einer Gedenkaktion veröffentlicht. Unter anderem in Sinsheim, Wiesloch, Walldorf, Dielheim, Malsch und Malschenberg wurden Kränze mit der Inschrift „Im Gedenken an die gefallenen Helden unserer Wehrmacht und Waffen SS“ an Gefallenendenkmälern niedergelegt. Dies geschah unter einem häufig in der rechtsextremistischen Szene genutzten Motto: „Tot sind nur jene, die vergessen werden“.

NPD 

Auch in diesem Jahr rief die NPD wieder zu Aktionen rund um das „Heldengedenken“ am 15. November in Baden-Württemberg auf. Wegen der Beschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie startete die NPD eine Mitmach-Aktion in den sozialen Medien. Wer sich beteiligen wollte, musste eine Druckvorlage der Partei auf eine Grabkerze aufbringen und ein Foto davon vor einem Denkmal oder Soldatengrab aufnehmen. Diese Fotos sollten dann auf den Kanälen der Partei veröffentlicht werden. 

Nach dem 15. November waren auf verschieden Internetseiten der Partei Beiträge und Einsendungen von Aktivisten festzustellen. So berichtete der Ortsverband Sinsheim/Kraichgau auf Facebook von einer Gedenkveranstaltung in Sinsheim, bei der „den Gefallenen der Weltkriege und den Opfern von Bombenterror und Vertreibung“ gedacht wurde. Die Aktion führten der in Hessen wohnhafte, neugewählte Landesvorsitzende der baden-württembergischen NPD Jan JAESCHKE sowie der Sinsheimer NPD-Stadtrat Marco KISTER durch. Zudem beteiligte sich JAESCHKE laut seinem Facebook-Profil noch an einem „Heldengedenken“ in Malschenberg. 

In Hilsbach fand ebenfalls ein „Heldengedenken“ des Kreisverbands Rhein-Neckar statt. Hier entzündete der stellvertretende Kreisvorsitzende Daniel DEMEL aus Sinsheim eine Kerze, wie die „NPD Sinsheim“ auf Facebook berichtete. Darüber hinaus teilte der Landesverband Baden-Württemberg das in rechtsextremistischen Kreisen gerne genutzte Gedicht „Sie liegen in aller Welt“ anlässlich des „Heldengedenkens“ in den sozialen Medien. Eine Woche später, am 22. November, führte die NPD im Nachgang zum Volkstrauertag eine Grabpflege-Aktion „auf einem städtischen Friedhof auf der Ostalb“ durch. 

 

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