„Switch off – Aufruf zur Revolte“ – so lautete der Titel eines Textes, der im Frühjahr 2023 auf mehreren Onlineportalen veröffentlicht wurde und der bis heute Wirkung zeigt. Die Verfasser, die sich selbst offenbar als Teil der Klimabewegung sehen und im anarchistischen Spektrum verorten, forderten darin einen „tatsächlichen revolutionären Bruch“ mit dem Kapitalismus und dem aktuell vorherrschenden politischen System. Als Gründe nannten sie die fortschreitende Zerstörung der Natur durch kapitalistische Wirtschaftslogiken sowie den technologischen Fortschritt und forderten: „Lasst uns im Kampf gegen die Ausbeutung die Infrastruktur des Kapitalismus hinterfragen, sabotieren und nachhaltig angreifen“. Dafür sei, so die Verfasser, „militantes Handeln und direkter Angriff in allen möglichen Formen […] [ein wichtiges Mittel]“. Die gewählten Formulierungen, die erkennbare internationale Ausrichtung und die verwendeten Quellen unterstreichen die anarchistische Prägung der Kampagne. Als mögliche Angriffsziele wurden insbesondere „Großunternehmen“, wie etwa die Deutsche Bahn samt ihrem Streckennetz, Unternehmen der Rüstungsindustrie und Automobilkonzerne genannt. Später gab es aber auch konkrete Aufrufe von „Switch off“, etwa im März 2025: „Begrüßt den Frühling, zündet einen Tesla an!“.
Mit der Veröffentlichung des „Aufrufs zur Revolte“ im Jahr 2023 wurde auch eine Internetplattform mit Blog eingerichtet. „Alle die sich […] angesprochen fühlen“, wurden eingeladen, „Material“ für den Blog einzusenden. Damit gemeint seien „Aktionen, Angriffe oder Sabotagen, sowie Texte und Analysen, die sich auf den Aufruf beziehen“. Der Blog ruft potenziell jede und jeden zur Mitwirkung auf und animiert damit auch zur Begehung von Straftaten. Dazu passend soll die Internetplattform der „Recherche“ dienen. Es finden sich sowohl Adressen von potenziellen Zielen als auch eine Anleitung zur Begehung von Brandstiftungen. Mittlerweile verzeichnet der Blog zahlreiche Aktionen weltweit. Allein zu Sabotageaktionen in Deutschland finden sich über 100 Einträge. Diese beschreiben überwiegend Brandanschläge und Sachbeschädigungen, etwa im Bereich der Bau- und Automobilbranche. Aktuell gilt „Switch off“ bundesweit als bedeutendste militante linksextremistische Kampagne.
Bezüge nach Baden-Württemberg
Insgesamt sieben Blogbeiträge auf der Internetplattform der Kampagne weisen einen direkten Bezug nach Baden-Württemberg auf. Der erste stammt vom 27. Januar 2023 und erschien in ähnlicher Form kurz danach auf der linksextremistischen Internetplattform „de.indymedia.org“. Er bezog sich auf Farbschmierereien an einem Karlsruher Büro der Partei „BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN“ und thematisierte die Räumung des rheinländischen Dorfes Lützerath im Januar 2023 im Zuge der Erweiterung des Braunkohleabbaus. Auch weitere Beiträge handelten ausschließlich von Sachbeschädigungen, die in einen ökologischen Zusammenhang gerückt wurden. Im Jahr 2023 gab es insgesamt drei Beiträge mit inhaltlichen Bezügen nach Baden-Württemberg. Sowohl 2024 als auch 2025 wurden zwei Aktionen in Baden-Württemberg genannt. Auffällig war, dass 2025 der finanzielle Schaden der beiden Aktionen mit Bezug nach Baden-Württemberg deutlich höher war als in den beiden Vorjahren. Eine Brandstiftung stach besonders hervor: In der Nacht vom 28. auf den 29. April 2025 brannten auf dem Außengelände eines Auslieferungszentrums der Automarke Tesla in Holzgerlingen/Kreis Böblingen mehrere Fahrzeuge vollständig aus. Es entstand ein Sachschaden von etwa einer halben Million Euro.
Bewertung
Die Kampagne „Switch off – the system of destruction“ („Switch off“) spricht mit ihrer Ausrichtung insbesondere Akteure aus dem anarchistischen Spektrum an und bietet Einzelakteuren durch ihr spezifisches Blogformat eine thematische Anschlussmöglichkeit. Nachahmer sollen zur Begehung weiterer Straftaten animiert werden. Durch die gebündelte Onlinepräsenz erhalten Einzelaktionen mehr Öffentlichkeitswirkung.
Auch wenn die jüngsten, auf dem „Switch Off“-Blog veröffentlichen Beiträge mit Baden-Württemberg-Bezug Aktionen schildern, die an Intensität zugenommen haben, ist die Wirkung der Kampagne im Land noch überschaubar. Die gesellschaftlichen Auswirkungen der bisherigen, auf der Plattform genannten Aktionen waren in Baden-Württemberg kaum spürbar. Anders verhielt es sich in Bundesländern wie Berlin oder Nordrhein-Westfalen, wo Brandanschläge auf Bahngleise unter anderem zu massiven Zugausfällen führten oder Sabotageaktionen weitreichende Stromausfälle verursachten. Auch der Brandanschlag auf eine Berliner Kabelbrücke am 3. Januar 2026 wurde als Aktion auf dem „Switch-Off“-Blog veröffentlicht. Der Kabelbrand führte zu einem mehrtägigen Stromausfall, von dem Zehntausende Haushalte betroffen waren.
Aufgrund der offenbar zunehmenden Reichweite der Internetplattform und der nationalen wie internationalen Vernetzungsabsichten verfügt die Kampagne scheinbar über ein hohes Mobilisierungspotenzial und könnte damit auch linksextremistische Akteure aus Baden-Württemberg, insbesondere aus dem anarchistischen Spektrum, in ihrem verfassungsfeindlichen Verhalten bestärken und zu weiteren Aktionen animieren.