Reaktionen der Parteien „Der III. Weg“, „Die Heimat“ und NPD
Die neonazistische Kleinpartei „Der III. Weg“ reagierte in Baden-Württemberg auf zweifache Weise auf den Ausgang der Landtagswahl. Zum einen führte sie unmittelbar nach der Wahl eine Flugblattverteilung in Pforzheim durch. Denn zu dieser Zeit würden „die systemtreuen Parteien [ruhen]“, wie „Der III. Weg“ im Anschluss in einem Social-Media-Beitrag mitteilte. Daher könne man den Bürgern die eigenen Ziele jetzt besonders gut näherbringen und zeigen, dass man selbst weiterkämpfe.
Zum anderen verunglimpfte „Der III. Weg“ in einer längeren Wahlanalyse vom 16. März 2026 den Spitzenkandidaten der Partei BÜNDNIS 90/DIE Grünen, den Wahlsieger Cem Özdemir, als „volks- und kulturfremden Ausländer“ sowie als „raumfremden Mohammedaner“. Sollte er zum neuen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs gewählt werden, stelle dies „ein symbolisches Schlüsselereignis“ dar, weil es „die schrittweise Übernahme entscheidender Führungspositionen in der herrschenden Politik durch volksfremde Angehörige einer invasiven Kultur wie der des Islams einleitet“, so „Der III. Weg“ weiter. Die Folge sei, dass die Bundesrepublik Deutschland „noch tiefer in den Strudel der totalen ethnischen und kulturellen Überfremdung“ rutsche.
In seiner Wahlanalyse, veröffentlicht auf der Parteihomepage unter dem Titel „Landtagswahl in Baden-Württemberg: Eine nationalrevolutionäre Betrachtung“, äußert sich „Der III. Weg“ demnach klar fremden- und islamfeindlich. Die Deutschen ohne Migrationshintergrund würden von Menschen mit Migrationshintergrund verdrängt – ein typisch rechtsextremistisches Narrativ. Diese Verdrängung würde durch einen „Türken“ an der Spitze des Bundeslandes noch beschleunigt, so „Der III. Weg“. Als Mittel gegen die „Abwicklung unserer Nation“ fordert die Partei in ihrer Wahlanalyse die „Revolution“, das heißt „eine neue politische Ordnung“. In diesen Formulierungen wird die fundamentale Systemopposition des „III. Weges“ deutlich sichtbar. Für diesen Weg wirbt die Partei am Ende ihrer Wahlanalyse um Mitstreiter: „Werde auch Du aktiv und arbeite mit uns […]!“
Der baden-württembergische Landesverband von „Die Heimat“ veröffentlichte bereits am Tag nach der Wahl eine „Wahlanalyse“. Darin äußerte die Landesvorsitzende Marina DJONOVIC, dass es zwar „ein ermutigendes Zeichen für unser Land [ist], dass sich die Anzahl der Wähler, die sich klar rechts der Mitte positionieren, verdoppelt hat“. Gleichzeitig befürchtete die Partei, dass „das ‚Autoland‘ Baden-Württemberg Gefahr läuft, endgültig zum industriellen Museum zu werden“. Wer etwas dagegen tun wolle, solle sich in „Der Heimat“ engagieren. Die Wahlanalyse wurde auch hier mit Mitgliederwerbung verbunden.
Der Vorsitzende des baden-württembergischen Landesverbands der „Nationaldemokratischen Partei Deutschlands“ (NPD), Jan JAESCHKE, veröffentlichte am 11. März 2026 eine zwölfminütige Wahlanalyse als YouTube-Video, in der er das Wahlergebnis anprangerte, das „Deutschlands Untergang“ beschleunigen werde. Die Parteien BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und SPD bezeichnete er als „deutsches Parteienkartell“ – ein in rechtsextremistischen Kreisen häufig genutzter Begriff, um die demokratischen Parteien zu diskreditieren. Abschließend rief JAESCHKE dazu auf, die NPD zu unterstützen, damit diese zukünftig wieder in der Lage sei, selbst bei Wahlen anzutreten – es brauche „eine starke NPD“.
Aufrufe zur Wahlbeobachtung durch den Verein „Ein Prozent“
Der rechtsextremistische Verein „Ein Prozent“, der bundesweit aktiv ist, rief kurz vor der Landtagswahl zur Wahlbeobachtung in Baden-Württemberg auf, damit keine Stimme für die AfD verloren gehe. Er erklärte in diesem Zusammenhang im Detail, wie Wahlbeobachtung funktioniere.
Auch direkt am Wahltag rief „Ein Prozent“ abermals zur Wahlbeobachtung in Baden-Württemberg – und Bayern, wo am 8. März 2026 Kommunalwahlen stattfanden – auf. Anlass waren angeblich „aktuelle Probleme“. Es sollten, so „Ein Prozent“, „Wahlbeobachter nach dem Wahlgang komplett aus dem Wahllokal geschickt werden“. Zudem gebe es „die üblichen Konflikte zwischen Wahlhelfern und Wahlbeobachtern“. Auch ein Polizeieinsatz sei bekannt. „Ein Prozent“ postete dazu eine Anleitung, wie man bei Problemen im Wahllokal vorgehen solle.
Ziel derartiger Aufrufe zur „Wahlbeobachtung“ und auch des Aufgreifens angeblicher „Probleme“ am Wahltag ist es, Misstrauen gegen den Staat und seine Institutionen zu säen sowie Unterstützung für den baden-württembergischen Landesverband der „Alternative für Deutschland“ (AfD BW, Verdachtsfall des Landesamts für Verfassungsschutz Baden-Württemberg) zu generieren.
Verunglimpfung der baden-württembergischen Wähler
Nach der Landtagswahl warfen verschiedene baden-württembergische Rechtsextremisten den Wählern von Bündnis 90/Die Grünen „Dummheit“ vor. So machte ein Rechtsextremist in einem Instagram-Posting aus dem offiziellen Slogan des Landes Baden-Württemberg – „Willkommen in THE LÄND“ – die Worte „Willkommen in Dumm LÄND“. Dazu zeigte er eine Abbildung des Spitzenkandidaten von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Cem Özdemir. In dem Posting behauptete er, das Land habe seinen „eigenen Untergang“ gewählt. Hier wurde vermutlich auf die extremistische Verschwörungsideologie des „Großen Austausches“ angespielt und nahegelegt, dass der Wahlsieger Cem Özdemir die angebliche Verdrängung des deutschen Volkes durch Zugewanderte noch forcieren werde, weil er selbst muslimisch sei. Derartige Äußerungen waren im Falle eines Wahlsiegs von Bündnis 90/Die Grünen zu erwarten gewesen.
Bewertung
Die rechtsextremistische Szene reagierte erwartungsgemäß auf den Ausgang der baden-württembergischen Landtagswahl: Das Ergebnis wurde verurteilt, da es den Niedergang des Bundeslandes beschleunige. Alle drei hier betrachteten Parteien – „Der III. Weg“, „Die Heimat“ und die NPD – riefen nach der Wahl dazu auf, sich in ihrer Organisation zu engagieren.
Von der Partei „Der III. Weg“ wurde der Wahlsieger, der einen Migrationshintergrund hat, darüber hinaus offen fremdenfeindlich angegriffen und ein Umsturz der bestehenden Ordnung gefordert.