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Linksextremismus

Linksextremistischer „Kommunistischer Aufbau“ eröffnet ersten selbstverwalteten Treffpunkt in Baden-Württemberg

Am 9. Mai 2026 eröffnete in Stuttgart-Bad Cannstatt das „Soziale Zentrum Else Himmelheber“ (SZ Himmelheber). Dahinter steht der linksextremistische „Kommunistische Aufbau“ (KA), der dort durch seine Tarnorganisationen in Erscheinung tritt. Es ist der erste von KA-Gruppen selbstverwaltete Treffpunkt in Baden-Württemberg.

Am 9. Mai 2026 feierte die „Föderation klassenkämpferischer Organisationen“ (FKO) die offizielle Eröffnung eines neuen „Sozialen Zentrums“ in Stuttgart-Bad Cannstatt. Die Räumlichkeiten werden bereits seit Jahresbeginn durch die zur FKO gehörenden Gruppierungen „Internationale Jugend Stuttgart“ (IJ Stuttgart), das „Frauenkollektiv Stuttgart“ sowie das „Solidaritätsnetzwerk Stuttgart“ (Solinetz Stuttgart) genutzt. Die unter dem Dach der FKO vereinten Organisationen – ebenso wie die FKO selbst – ordnet das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg (LfV) dem linksextremistischen „Kommunistischen Aufbau“ (KA) zu. Mit der Anmietung eines eigenen Objekts werden mehrere strategische Ziele verfolgt: Das Zentrum wird nach außen als „Ort der Nachbarschaft, der Begegnung und des solidarischen Miteinander“ beworben und bietet so scheinbar unverfängliche Anknüpfungspunkte für die Bevölkerung. Innerhalb der Szene gewinnt der KA durch die selbstverwalteten Räumlichkeiten an Sichtbarkeit und Ansehen. Mit der Nutzung der Räumlichkeiten ging auch die Gründung eines Trägervereins namens „Nachbarschaftsförderung e. V.“ einher. Für den Verein können in der Folge beispielsweise Fördergelder beantragt oder im Falle einer Anerkennung der Gemeinnützigkeit steuerliche Vergünstigungen erlangt werden. 

Logo des Sozialen Zentraums Else Himmelheber
Logo des vom „Kommunistischen Aufbau“ (KA) in Stuttgart-Bad Cannstatt neugegründeten „Sozialen Zentrums Else Himmelheber“. Die Darstellungsform mit dem roten Stern und dem darin abgebildeten Konterfei der Namensgeberin des Zentrums ist typisch für den KA und ähnelt KA-Logos von „Sozialen Zentren“ in anderen Bundesländern.

Dass der KA mit dem SZ Himmelheber verstärkt versucht, Kontakte in die Zivilgesellschaft zu knüpfen, zeigen unter anderem die zahlreichen Plakate in unmittelbarer Nähe des Zentrums, mit denen reichlich Werbung für das Zentrum und die offizielle Eröffnung gemacht wurde. Tatsächlich war die Veranstaltung am 9. Mai 2026 offenbar gut besucht – das ist zumindest dem Instagram-Account des SZ Himmelheber zu entnehmen. Auch in der Programmankündigung für die nächsten Monate werden primär niederschwellige Wochenendangebote wie etwa ‚Grillen und Kickern‘ oder ‚Spieleabende‘ beworben.

Plakat für die Eroffnungsfeier des SZ Himmelheber
Für die offizielle Eröffnung des neuen „Sozialen Zentrums Else Himmelheber“ wurde in der unmittelbaren Umgebung der Örtlichkeit reichlich plakatiert, um den eigenen Bekanntheitsgrad zu erhöhen und möglichst viele Menschen aus der unmittelbaren Nachbarschaft anzusprechen.

Gleichzeitig finden dort aber auch regelmäßig Treffen von Tarnorganisationen des KA statt, die als „Treffen von politischen Initiativen“ im Programm aufgeführt werden.

Hintergrund
Die Gruppierungen, die sich unter dem Dach der FKO zusammengeschlossen haben, unter anderem die IJ Stuttgart, das „Frauenkollektiv Stuttgart“ und das Solinetz Stuttgart, sind als Tarnorganisationen des linksextremistischen KA einzustufen. Über diese Organisationen versucht der KA, indirekt Personen anzusprechen, die sich sonst möglicherweise nicht mit den Absichten und Zielen des KA identifizieren würden. Das Vorgehen setzt demnach auf eine hohe zivilgesellschaftliche Anschlussfähigkeit zur Erweiterung der gruppeneigenen politischen Einflussnahme. Seit dem vergangenen Jahr bemüht sich der KA um die Erweiterung seines Aktionsradius in Baden-Württemberg, was unter anderem zu Neugründungen von Ortsgruppen der Tarnorganisationen in Stuttgart und Ulm führte.

Für den KA und seine Tarnorganisationen gestaltete sich die szeneinterne Vernetzung und insbesondere die gemeinsame Nutzung bereits bestehender linksextremistischer Trefförtlichkeiten bislang kompliziert. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der KA im Vergleich zur überwiegenden Mehrheit der linksextremistischen Szene in Baden-Württemberg anders strukturiert ist. Der KA verfolgt einen streng leninistischen Kurs: Er ist unter anderem straff organisiert und strebt eine Führungsrolle innerhalb der linksextremistischen Szene an. 

In den vergangenen Monaten hat sich, unter anderem durch die Nutzung der nun als „Soziales Zentrum“ benannten Räumlichkeiten, insbesondere Stuttgart-Bad Cannstatt zu einem Aktionsschwerpunkt der KA-zugehörigen Gruppierungen entwickelt, etwa durch dort regelmäßig abgehaltene Treffen. Außerdem wurden im Umfeld vermehrt Graffitis mit Hammer-und-Sichel-Symbolik sowie Schriftzügen wie „Viva Marx, Engels, Lenin, Stalin“ festgestellt, die eine linksextremistische Urheberschaft nahelegen. 

Bewertung

Seit dem vergangenen Jahr ist ein verstärktes Auftreten des KA in Baden-Württemberg festzustellen. Durch die Neugründung mehrerer Ortsgruppen seiner Tarnorganisationen hat der KA seinen Wirkungsbereich im Land deutlich ausgeweitet. Mit der nun erfolgten offiziellen Eröffnung eines selbstverwalteten „Sozialen Zentrums“ schafft die Organisation eine logistische Basis, um ihre öffentliche Präsenz weiter auszubauen und tiefer in lokale linksextremistische Strukturen vorzudringen. Die Räumlichkeiten dienen dabei vermutlich nicht nur als Plattform für die Nachwuchsgewinnung sowie als Kontakt- und Vernetzungsmöglichkeit, sondern auch als geschützter Rückzugsort für die Planung künftiger Aktionen.