RECHTSEXTREMISMUS | ISLAMISMUS | VERFASSUNGSSCHUTZRELEVANTE DELEGITIMIERUNG DES STAATES

Neue Studie des LfV zu den Funktionen von Untergangsszenarien im extremistischen Kontext

„Hurra, die Welt geht unter“: Eine neue Studie untersucht, warum und auf welche Weise gerade Extremisten versuchen, Untergangsszenarien für sich zu nutzen. Verfassungsschutzpräsidentin Beate Bube sagt dazu: „Extremisten instrumentalisieren Krisen aller Art für ihre Zwecke – und das nicht erst in den vergangenen beiden Jahren. Sie wollen Anhänger gewinnen, ihre Inhalte verbreiten und letztlich an Macht und Einfluss gelangen. Doch es gibt Strategien, wie wir damit umgehen können.“

Eine radikale Umwälzung der Herrschaftsverhältnisse, ein kompletter Austausch der Bevölkerung oder gleich der Weltuntergang: Extremisten bemühen ganz unterschiedliche Untergangsszenarien, um ihre Anhänger emotional anzusprechen, sie aufzustacheln und ihre Gegner abzuwerten. In Zeiten realer gesellschaftlicher Krisen verbreiten sich solche Erzählungen besonders schnell. Für die Studie „Fürchtet euch!“ hat das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg (LfV) nun konkrete Beispiele aus den Arbeitsbereichen Rechtsextremismus, Islamismus und „Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates“ in den Blick genommen und gibt Empfehlungen, wie Sicherheitsbehörden, Politik und Verwaltung am besten damit umgehen. Denn die Untergangszenarien haben nicht nur einen düsteren Blick in die Zukunft gemeinsam – mit ihnen geht immer auch ein gewisses Gewaltpotential einher.

 Studie gibt Empfehlungen für Sicherheitsbehörden, Politik und Verwaltung 

Die Mitarbeitenden der „Zentralstelle für wissenschaftliche Analyse und Forschung“ im LfV haben vor allem die Funktionen der bedrohlichen Zukunftsentwürfe beleuchtet: Was leisten Untergangsszenarien für extremistische Anhänger, Gruppen und Strömungen? Dafür haben sie drei Fallbeispiele näher betrachtet: die angeblich bevorstehende Apokalypse im Salafismus („Yaum al-Qiyama“), das rechtsextremistische Narrativ vom „Großen Austausch“, das im deutschsprachigen Raum vorrangig von der „Identitären Bewegung“ (IB) verbreitet wird und sowie die Erzählung über den Sieg des „Deep State“, vertreten insbesondere von den Anhängern der „QAnon“-Verschwörungstheorie.

 Untergangsszenarien können teils sogar Trost und Beruhigung spenden

Das Ergebnis: Für die extremistischen Szenen tragen diese Untergangsszenarien zur Gruppenkonsolidierung bei, sie festigen und vertiefen also soziale Strukturen. Zum zweiten dienen sie der Agitation und erzeugen so bei ihren Anhängern einen Handlungsdruck. Und sie sind drittens dazu geeignet, die „Out-Group“ abzuwerten, zum Beispiel den Staat und seine Repräsentanten regelrecht verächtlich zu machen. Für einzelne Personen kann der Glaube an die Untergangsszenarien sogar Trost und Beruhigung spenden – eine Einsicht, die auf den ersten Blick überraschen mag.

Die Studie verdeutlicht, dass extremistische Bewegungen als Untergangsbewegungen gelesen werden können. Weil mit ihnen ein ganzes Spektrum an Emotionen instrumentalisiert werden kann, sind sie ein wichtiger Faktor in Radikalisierungsprozessen. Dass Untergangserzählungen leicht wahrnehmbar sind und mit teils starken Emotionen verbunden, macht sie zudem zum idealen Inhalt in den sozialen Medien: „Der digitale Raum ist ein Katalysator bei der Verbreitung“, schreiben die Forschenden.





Die Studie „Fürchtet euch! Funktionen von Untergangszenarien im extremistischen Kontext“ ist als PDF-Dokument hier abrufbar. Es können auch Druckexemplare bestellt werden. 

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