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Spionage- und Cyberabwehr

Risiken chinesischer Spionage in Wissenschaft und Forschung

Deutschland steht aufgrund der Innovationsstärke und dem Know-How in den Bereichen Wissenschaft und Forschung im Fokus ausländischer Staaten. Auch Baden-Württemberg ist aufgrund seiner Forschungs- und Universitätslandschaft einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Das jüngste Beispiel für ungewollten Wissensabfluss ist die Verhaftung zweier deutscher Staatsangehöriger durch das LKA Bayern. Die beiden Beschuldigten sollen im Interesse der Volksrepublik China Wissenschaftsspionage betrieben haben.

Am 20. Mai 2026 wurden zwei in München ansässige deutsche Staatsangehörige wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit für einen chinesischen Nachrichtendienst (§ 99 Abs. 1 StGB) verhaftet. 

Ziel der Wissenschaftsspionage sollen Hochtechnologien, unter anderem aus den Bereichen Luft- und Raumfahrttechnik, Künstliche Intelligenz und Informatik gewesen sein. Die Informationen sollen im Auftrag eines chinesischen nachrichtendienstlichen Akteurs für militärische Zwecke beschafft worden sein. Die Beschuldigten sollen Kontakt zu deutschen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aufgenommen und diesen unter anderem eine Entlohnung für Referenten- und Vortragstätigkeiten in der Volksrepublik China vor zivilem Publikum angeboten haben. Sie hätten sich gegenüber den Wissenschaftlern als Dolmetscher oder Mitarbeiter eines Automobilherstellers ausgegeben. Tatsächlich seien bei den durch das Ehepaar angefragten Veranstaltungen allerdings Mitarbeiter von staatlichen chinesischen Rüstungsfirmen im Publikum gewesen. 

Bewertung

Um die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Ausland zu reduzieren und sich selbst als Marktführer im Bereich der Zukunftstechnologien zu positionieren, investieren ausländische staatliche Akteure umfangreiche personelle und finanzielle Ressourcen in Informationsbeschaffung zu Hochtechnologien. Der aktuelle Fall der beiden mutmaßlichen Spione zeigt, wie attraktiv die deutsche Forschungslandschaft für fremde Mächte ist und verdeutlicht zugleich ihre Vulnerabilität. Auf Grund der Bedeutung des Wissenschaftsstandorts Baden-Württemberg muss von einer hohen Gefährdung von Forschungs- und Bildungseinrichtungen in Baden-Württemberg ausgegangen werden. 

Handlungsempfehlungen für Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen (PDF):

  • Führen Sie im Rahmen des Auswahlprozesses Hintergrundchecks zu Ihrem wissenschaftlichen Personal durch und schließen Sie Vertraulichkeitserklärungen mit Ihren Beschäftigten ab.
  • Bewerten Sie das Potenzial von Technologien und prüfen Sie Ihre Forschungsvorhaben sowie Ihre Kooperationspartner auf möglichen Missbrauch.
  • Sensibilisieren Sie wissenschaftliches Personal bezüglich möglicher Anbahnungsversuche durch ausländische Nachrichtendienste. 

Für Rückfragen steht Ihnen die Spionageabwehr des Landesamts für Verfassungsschutz zur Verfügung. Die Spionageabwehr behandelt alle Informationen vertraulich.