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„National-Zeitung“ nach 69 Jahren eingestellt

Rechtsextremismus     5 | 2020

Der Verlag der „National-Zeitung“ (NZ) verkündete in der Ausgabe vom 20. Dezember 2019 das Ende des Wochenblatts. Die Zeitung verbreitete über Jahrzehnte hinweg deutschlandweit fremdenfeindliche, nationalistische und revisionistische Ansichten und war lange Zeit das Sprachrohr der rechtsextremistischen Partei „Deutsche Volksunion“ (DVU). Zuletzt ließ sich eine inhaltliche Mäßigung feststellen. Als Grund für die Einstellung nannte der Verlag den Medienwandel der letzten 15 Jahre.

Die NZ wurde über viele Jahre hinweg von Gerhard FREY herausgegeben, dem ehemaligen Bundesvorsitzendenden der rechtsextremistischen Partei DVU. Ursprünglich arbeitete FREY als freier Mitarbeiter für die „Deutsche Soldaten-Zeitung“, die 1951 von früheren Wehrmachtsoffizieren mit US-amerikanischer Unterstützung gegründet worden war und aus antikommunistischer Überzeugung heraus für den Wiederaufbau einer deutschen Armee eintrat. Die „Deutsche Soldaten-Zeitung“ war der Vorläufer der NZ.

1958 gründete FREY die spätere „Druckschriften- und Zeitungsverlags GmbH“ (DSZ-Verlag) mit Sitz in München, ein Jahr später wurde er Herausgeber und Chefredakteur der Zeitung. Ab 1960 ging das Blatt, damals publiziert unter dem Titel „Deutsche Soldaten-Zeitung und Nationalzeitung“, vollständig in seinen Besitz über und wurde erst ab 1999 unter dem Titel „National-Zeitung“ verlegt. Seine Auflage wurde zuletzt auf 40.000 Exemplare geschätzt. Zu ihren Höchstzeiten betrug die Auflage sogar 145.000 (1967) und bis zur deutschen Wiedervereinigung 1989/90 ständig über 100.000 Exemplare. Der Verkaufspreis lag zuletzt bei 2,20 Euro.

Der DSZ-Verlag war nach Einschätzung des Bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz über einen langen Zeitraum ein bedeutsames rechtsextremistisches Propagandainstrument in Deutschland.
Zuletzt waren bei der NZ nur noch sehr vereinzelt fremdenfeindliche und revisionistische Inhalte festzustellen. Insoweit mutet es wie eine Reminiszenz an die eindeutig rechtsextremistischen Zeiten der NZ an, dass ausgerechnet die Titelseite ihrer letzten Ausgabe von einem großen Farbabdruck eines Gemäldes dominiert wird, das der völkische Maler Fidus alias Hugo Höppener (1868–1948) im Jahr 1903 geschaffen hatte. Das Bild illustriert einen NZ-Artikel zum 250. Geburtstag des Komponisten Ludwig van Beethoven (1770–1827), des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) und des Dichters Friedrich Hölderlin (1770–1843). Inhaltlich sind in dem Text jedoch keine offensichtlich rechtsextremistischen Tendenzen auszumachen.
Fidus ist nach dem Urteil maßgeblicher Historiker als „ein Gesinnungskünstler der völkischen Kulturbewegung“ einzustufen, der, „wenn auch weitgehend esoterisch verklärt, die Jahre später gleichfalls in ästhetischem Gewande auftretende nationalsozialistische Propaganda für den ‚neuen Menschen‘“ antizipierte [Marina Schuster, Fidus – ein Gesinnungskünstler der völkischen Kulturbewegung, in: Uwe Puschner/Walter Schmitz/Justus H. Ulbricht (Hrsg.), Handbuch zur „Völkischen Bewegung“ 1871–1918, München 1999, S. 634–650, hier S. 635. Vgl. zu Fidus auch die Kurzbiographie von Marina Schuster bei Puschner/Schmitz/Ulbricht, S. 904–905.] und „mit seiner romantische Elemente aufgreifenden, implizit völkischen Jugendstilmalerei“ [Marina Schuster, Die Bildwelt der Völkischen, in: Stefanie v. Schnurbein/Justus H. Ulbricht (Hrsg.), Völkische Religion und Krisen der Moderne. Entwürfe „arteigener“ Glaubenssysteme seit der Jahrhundertwende, Würzburg 2001, S. 254–267, hier S. 259.] „die völkischen Phantasien einer ganzen Generation ausdrückte.“ [Matthias Piefel, Bruno Tanzmann. Ein völkischer Agitator zwischen wilhelminischem Kaiserreich und nationalsozialistischem Führerstaat, in: Walter Schmitz/Clemens Vollnhals (Hrsg.), Völkische Bewegung – Konservative Revolution – Nationalsozialismus. Aspekte einer politisierten Kultur, Dresden 2005, S. 255–280, hier S. 255.] Zwar bestanden ideologische Teildivergenzen zwischen Fidus und dem historischen Nationalsozialismus. Auch waren der Maler und seine Kunst trotz seiner Anbiederung an das Regime und seines 1932 erfolgten NSDAP-Beitritts der Kritik, Ablehnung und Zurückweisung durch die nationalsozialistischen Machthaber ausgesetzt. Dennoch wurde Fidus zu seinem 75. Geburtstag im Jahr 1943 auf Anordnung Adolf Hitlers eine Ehrenprofessur verliehen, die zwar nicht mit einem Lehrstuhl, wohl aber mit einer Altersrente verbunden war. [Vgl. Schuster, Fidus, S. 643–644. Dies., Bildwelt, S. 266.]

In dieser letzten Ausgabe vom 20. Dezember 2019 verkündete der Verlag schließlich das Ende der Wochenzeitung mit folgenden Worten:

„Liebe Leser, die Nr. 52/2019 war die letzte Ausgabe der National-Zeitung. Einen 70. Jahrgang wird es nicht geben. Der Medienwandel der letzten 15 Jahre und das damit einhergehende geänderte Nutzerverhalten machen diesen Schritt unumgänglich, aber auch verschmerzlich. Denn es ist Neues und gleichfalls Gutes herangewachsen, das – ebenso rechtstreu und verfassungstreu sowie am Wohl des deutschen Volkes orientiert – es auch verdient, gelesen und weitergegeben (oder ‚geteilt‘) zu werden. Wir sind sicher, das eine oder andere bewirkt, manchen Gedanken auf den Weg gebracht zu haben.“

Politische Aktivitäten des Herausgebers

Der langjährige NZ-Herausgeber Gerhard FREY, geboren 1933 in Cham/Bayern, studierte Rechts- und Staatswissenschaften und wurde nach mehrjähriger journalistischer Tätigkeit im Wirtschaftsrecht promoviert. Als vermögender Erbe einer Kaufhauskette war er finanziell unabhängig und betätigte sich als Politiker, Journalist und Verleger. FREY starb im Jahr 2013 im Alter von 80 Jahren in Gräfelfing bei München.

Seine Rolle als aktiver Politiker trat er in den 1970er Jahren an, unter anderem gründete er 1971 die „Deutsche Volksunion“ (DVU), die zunächst als Verein und später als Partei agierte. Zuvor hatte er bereits – erfolglos – versucht, von der „Nationaldemokratischen Partei Deutschlands“ (NPD) als Kandidat für die Bundestagswahl 1969 aufgestellt zu werden, weshalb er sich zunächst von der NPD abwandte. Nach Gründung der DVU erwog er wiederum eine Kooperation mit der NPD, um gemeinsam ein politisches Gegengewicht zur Partei „Die Republikaner“ (REP) zu bilden.

Von 1975 bis 1979 war FREY auch Mitglied der NPD. Nachdem er mit einer Kandidatur für den stellvertretenden NPD-Bundesvorsitz scheiterte, verließ er die Partei und widmete sich verstärkt der DVU. In dieser Zeit nahm die Berichterstattung über die DVU einen großen Teil seiner publizistischen Tätigkeiten ein. FREY pflegte zeitlebens Kontakte zu Vertretern rechtsradikaler und revisionistischer Ansichten, denen er in seiner Zeitung regelmäßig eine Plattform bot.

Fazit

Rechtsextremistische Verlage zielen grundsätzlich darauf ab, durch ihre publizistische Tätigkeit eine rechtsextremistische Gegenöffentlichkeit zu erzeugen. Mit verschiedenen Publikationen greifen sie aktuelle Debatten und Diskurse auf und interpretieren diese einer rechtsextremistischen Weltsicht entsprechend. Dadurch können sie fremdenfeindliche, antisemitische und nationalistische Einstellungen in der Leserschaft anregen oder bestärken. Schlussendlich soll das Vertrauen in die demokratischen Institutionen der Bundesrepublik Deutschland untergraben werden, um langfristig Sympathien für antipluralistische und autoritäre politische Strukturen zu bündeln.

Die „National-Zeitung“ war über viele Jahre hinweg ein bedeutendes und vergleichsweise auflagenstarkes Element der rechtsextremistischen Publikationslandschaft. Untrennbar mit der politischen Tätigkeit ihres langjährigen Eigentümers und Herausgebers Gerhard FREY verbunden, galt die NZ als „Sprachrohr“ der DVU. Sie verbreitete über viele Jahre hinweg fremdenfeindliche und revisionistische Positionen; zuletzt war allerdings eine inhaltliche Mäßigung erkennbar.

Dass die NZ nun nach eigenen Angaben aufgrund des Medienwandels der letzten 15 Jahre eingestellt wurde, spiegelt einen allgemeinen Trend der Printmedienbranche wider, dem sich auch die rechtsextremistische Verlagsszene offenkundig nicht entziehen kann: Im Vergleich zu klassischen Wochenzeitungen gewinnen auch im Rechtsextremismus z. B. Online-Angebote an Bedeutung. Nicht zuletzt kann die Zeitung auch als „Traditionsorgan der Kriegsgeneration“ gelten, sodass zwischenzeitlich auch zahlreiche Stammleser verstorben sein dürften. In der Folge bleibt abzuwarten, in welcher Form und Intensität andere rechtsextremistische Verlage ihre Aktivitäten fortführen werden.