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Aktionen von „Der III. Weg“ zum „Heldengedenken“ im November 2019

Rechtsextremismus     1 | 2020

Wie bereits in den vergangenen Jahren nahmen Aktivisten der rechtsextremistischen Partei „Der III. Weg“ auch 2019 den Volkstrauertag am 17. November zum Anlass für das sogenannte Heldengedenken. Sie führten Aktionen in Baden-Württemberg, aber auch als deutschlandweite Veranstaltungen in Wunsiedel durch.

1. Bundesweites „Heldengedenken“ in Wunsiedel

Am 16. November fand in Wunsiedel/Bayern zum wiederholten Mal das überregional bekannte und öffentlichkeitswirksame rechtsextremistische „Heldengedenken“ von „Der III. Weg“ statt. Diese Großveranstaltung unter dem Motto „Tot sind nur jene, die vergessen werden!“ wurde in den sozialen Medien und mit zahlreichen Flugblattverteilungen beworben. Zu der Veranstaltung trafen sich ca. 250 Rechtsextremisten aus verschiedenen Bundesländern, darunter mutmaßlich auch Personen aus Baden-Württemberg. Es sprachen unter anderem der Bundesvorsitzende Klaus ARMSTROFF aus Rheinland-Pfalz sowie dessen Stellvertreter Matthias FISCHER aus Brandenburg. Darüber hinaus traten neben dem stellvertretenden Leiter des Gebietsverbands „Mitte“ auch die Leiter der Gebietsverbände „Süd“ und „West“ auf.

Szeneintern wird Wunsiedel als „Märtyrerstadt“ bezeichnet, da sich dort bis 2011 das Grab des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß (1894–1987) befand. Dieser Umstand führt dazu, dass Wunsiedel bereits seit Jahrzehnten zu einer Art neonazistischem „Wallfahrtsort“ entwickelt hat. Zunächst fanden dort um Heßʼ Todestag zentrale „Rudolf-Heß-Gedenkmärsche“ statt; seit 2013 dürfte diese – vermutlich einzige – Verbindung der Grund sein, weshalb „Der III. Weg“ dort nun die „Heldengedenken“ durchführt. Um den Personenkult um die Figur Rudolf Heß einzuschränken, untersagte die Versammlungsbehörde als Auflage der Kundgebung jeglichen Bezug zu Heß.

2. Aktionen in Baden-Württemberg

Nach Parteiangaben nahmen 2019 baden-württembergische Mitglieder wieder den Volkstrauertag zum Anlass, um an Gefallenendenkmälern und anderen, ähnlich symbolträchtigen Orten verschiedene „Heldengedenken“ durchzuführen.

So führten im Anschluss an die bundesweite Veranstaltung in Wunsiedel Parteimitglieder aus den Regionen Baden und Allgäu bei ihrer Heimreise ein weiteres „Heldengedenken“ in Markbronn/Landkreis Ulm durch. Hieran haben vermutlich Personen im mittleren einstelligen Bereich teilgenommen.
Am 17. November 2019 versammelten sich ca. 20 Aktivisten der Partei an einem Gedenkbrunnen im Wald Schönbuch/Landkreis Tübingen. Neben dem Entzünden von Fackeln hielt ein Aktivist eine Rede, es wurde ein Gedicht vorgetragen sowie „die toten Helden unserer Nation in die Mitte der Teilnehmer gerufen“. Zum Abschluss wurde noch gemeinsam das Lied „Der gute Kamerad“ gesungen.
Ein weiteres „Heldengedenken“ wurde am selben Tag in Schwaigern/Landkreis Heilbronn abgehalten. Die Teilnehmer gedachten des „selbstlosen Einsatz[es] unserer Soldaten zum Schutze der Heimat“.

3. Hintergrund

Das „Heldengedenken“ wurde 1934 von den Nationalsozialisten ausgerufen, um den Volkstrauertag für sich zu vereinnahmen, der bereits nach dem Ersten Weltkrieg in der Weimarer Republik eingeführt worden war. Bei rechtsextremistischen „Heldengedenk“-Aktionen wird in der Regel ausschließlich der gefallenen deutschen Soldaten in den beiden Weltkriegen gedacht, die als Helden für Volk und Vaterland dargestellt werden. Dagegen gedenkt die Mehrheitsgesellschaft aller Opfer von Kriegen mit dem Fokus auf Versöhnung und Verständigung. Auch sprechen schon aus den Begriffen „Heldengedenken“ und „Volkstrauertag“ gänzlich unterschiedliche inhaltliche Blickrichtungen: Beim „Volkstrauertag“ liegt der Schwerpunkt auf der Trauer. Dagegen betont das Wort „Heldengedenken“ das angeblich Heroisch-Vorbildliche, das es zu bewundern und dem es sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft nachzueifern gilt.