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„Islamischer Staat“ propagiert Brandstiftung als aktuelle Terrorform

Islamismus     9 | 2020

Obwohl mittlerweile ohne territoriales Hoheitsgebiet, propagiert die Online-Propagandaebene des „Islamischen Staates“ (IS) nach wie vor Terroranschläge weltweit. Aufgrund der weitgehenden Einschränkungen beim Aufbau von Strukturen, in der Logistik und bei der Beschaffung von geeigneten Waffen und Sprengmitteln legt sie ihren Anhängern jedoch ein anderes Vorgehen als bisher nahe: In einem aktuellen vierminütigen Video, das auf Arabisch und Englisch verbreitet wird, empfiehlt sie Brandstiftung insbesondere in Wäldern als effektives Terrorinstrument für Einzelattentäter weltweit.

Das computeranimierte Video mit dem Titel „Incite the believers“ („Stachelt die Gläubigen auf“) greift komplett auf Gamingelemente zurück und verwendet keinerlei Realmaterial. Die Visualisierung trägt die gleiche „Handschrift“ eines unbekannten Videogestalters aus IS-Kreisen, dessen Werke bereits mehrfach in kompakten „Erklärvideos“ des IS verbreitet wurden.

Die inhaltliche Botschaft kann durchaus dahingehend interpretiert werden, dass auf der IS-Propagandaebene ein gewisser Grad an Verzweiflung herrscht: Sie will ihre Anhänger um jeden Preis zu spektakulären Terroranschlägen motivieren und senkt daher das Anspruchslevel. Auf der einen Seite handelt es sich um hochwertiges grafisches und bildhaftes Handwerk, auf der anderen Seite ist die Absicht zu erkennen, Anhängern und vermeintlichen Terrorwilligen eine Siegesbotschaft zu übermitteln.
Zwar werden in dem Video die mit Bränden erreichbaren Opferzahlen und der wirtschaftliche Schaden betont, andere Terroralternativen und insbesondere „Märtyrereinsätze“ (Selbstmordattentate) jedoch nicht propagiert. Der Attentäter soll gezielt sein Spurenbild minimieren. Streichhölzer und Feuerzeuge sind dabei, so die Darstellung, bei Polizeikontrollen unverfänglich.

Interessant ist das Fehlen jeglicher Überlieferung aus der islamischen Geschichte und der Prophetentradition zum Thema „Brandstiftung auf dem Gebiet des ungläubigen Feindes“. Der oder die Autoren verlassen folglich ein Grundsatzprinzip der IS-Propaganda, in der bislang immer ein Bezug zur islamischen Frühgeschichte hergestellt wurde.

Verfolgungsdruck und Zensurmaßnahmen der meisten gängigen Plattformen beschränken jedoch deutlich die Möglichkeiten, ein derartiges Propagandaprodukt adäquat in einer breiten User-Gemeinde zu streuen.