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Die „Deutsche Stimme“ als Magazin: alte Inhalte, neue Form

Rechtsextremismus     7 | 2020

1976 gegründet (laut eigenen Angaben auf ihrer Internetseite),  erschien die NPD-Parteizeitung „DS Deutsche Stimme – Die andere Meinung“ im April 2020 erstmals als Magazin. Rein optisch erfolgte damit ein großer Wandel, inhaltlich scheint es dagegen keine Änderungen zu geben.

Im Vorfeld des letztjährigen Bundesparteitags der „Nationaldemokratischen Partei Deutschlands“ (NPD) adressierte der Parteivorsitzende Frank FRANZ in der „Deutschen Stimme“ (DS) im Oktober 2019 einen Artikel an seine „Mitstreiter“, in dem er über die Ergebnisse einer Klausurtagung in Berlin berichtete. In dem Beitrag mit der Überschrift „Die nächste Stufe zünden: Neustart für die Heimat – statt ein bloßes ‚Weiter so‘“  geht es um Änderungen, welche die Partei voranbringen sollen, die sich in einer grundlegenden Krise befindet. Gemeinsam muss man laut FRANZ daran arbeiten, „unserem Wirken wieder neuen Schwung zu verleihen und (…) die Grundlagen für spätere Erfolge zu legen. Wir sind es unserer Heimat, unserem Volk und unserem Land schuldig.“

Neben vielen Ideen und Möglichkeiten, zur Umsetzung seien formale Änderungen avisiert. So solle etwa die Zeitschrift DS nicht mehr im Zeitungsformat erscheinen, sondern als Magazin, und die Medienarbeit professionalisiert werden. Auf dem NPD-Bundesparteitag Anfang Dezember 2019 wurden diese formalen Änderungen erneut thematisiert und weiter vorangetrieben.

Die DS erschien bislang monatlich als Zeitung. Im Januar 2020 wurde die Umstellung auf ein monatliches Magazin angekündigt. Zur Finanzierung dieses Projekts wurde eine Spendensammlung initiiert.

Im April 2020 erschien die DS dann tatsächlich erstmals als Magazin, dessen Qualität nach eigenen Angaben „greifbar, fühlbar und erlebbar geworden“ sei. Statt wie bisher drei Euro kostet das Magazin nun mehr als das Doppelte, nämlich 6,50 Euro. Diese Preiserhöhung ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass Parteimitglieder die Zeitung bislang kostenlos bekamen.

Schlägt man das Magazin auf, fällt direkt der nächste ganzseitige Spendenaufruf auf der Innenseite des Covers ins Auge. Die DS, so heißt es dort, sei durch die Hilfe der Leser zum Magazin weiterentwickelt worden und müsse sich nun am Markt behaupten. Dafür wird um finanzielle Unterstützung gebeten.

Neue Hülle, gleicher Inhalt

Auf Seite 3 begrüßt DS-Chefredakteur und Verlagsleiter Peter SCHREIBER (im NPD-Parteipräsidium zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Publizistik) den Leser in einem „Editorial“ mit der Überschrift „Jetzt geht’s los!“. Zwar geht er darin zunächst direkt auf eines der Lieblingsthemen der NPD ein – die Flüchtlingspolitik. Er betont jedoch, dass man der aktuellen Entwicklung nicht hinterherlaufen wolle und sich daher entschlossen habe,

„(...) das Flüchtlingsthema nicht als Titelthema in den Mittelpunkt unserer Berichterstattung zu rücken, wie es vermutlich ohnehin alle nationalen Publikationen derzeit tun werden. Die >>Entgrenzung<< dieser Republik stellt so oder so eine chronische und schwerwiegende Autoimmunkrankheit dar.“
 (...) Daher liegt der Schwerpunkt dieser Ausgabe auf der >>Antifa-Republik<<, zu der dieser Staat mittlerweile mutiert ist und in der ein anti-deutscher Grundkonsens den des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates nach und nach zu ersetzen scheint.“


Ehrlicher und wirklich oppositioneller Journalismus sei in dieser „Antifa-Republik“ zur Mutprobe geworden. Bereits an dieser Stelle folgt abermals ein Spendenaufruf: „Um gegenüber der antideutschen Lücken- und Lügenpresse dauerhaft bestehen zu können, benötigen wir Ihre Unterstützung.“

Seit Jahrzehnten dient die DS zur Verbreitung von rechtsextremistischen bis neonazistischen Äußerungen. Dabei bedient sie sich zuweilen unterschiedlicher, allerdings meist fadenscheiniger Verschleierungstaktiken. Zu ihren Autoren gehören mehr oder weniger prominente Rechtsextremisten. Die Zeitung bietet aber nicht nur ein Forum für eine entschiedene Gegnerschaft zum gesellschaftlich-politischen System der Bundesrepublik Deutschland und anderer westlicher Demokratien bis hin zur NS-Verherrlichung. Sie ist auch ein Ort für teils rein partei- bzw. szeneinterne Grundsatzdebatten und hat den Charakter eines führenden rechtsextremistischen Theorie- und Strategieorgans.

Im Allgemeinen geht es in der April-Ausgabe 2020 neben den genannten Themen „Antifa-Republik“ und „Flüchtlingspolitik“ um deutsche, europäische und US-amerikanische Politik, um Nationalismus, den Zweiten Weltkrieg bzw. deutsche Geschichte und natürlich auch um die Corona-Krise.

Besonders angepriesen wird eine neue Kolumne namens „Einspruch“: „Mit Alexander Markovics schreibt jetzt einer der Mitbegründer der Identitären Bewegung Österreich für uns“. Die Überschrift in der April-Ausgabe lautet „Europa, Erdogan und der Fluch des westlichen Universalismus“.

Baden-Württemberg weiter vertreten

Regelmäßiger Bestandteil der DS war ein Beitrag von Edda SCHMIDT, der baden-württembergischen Landesvorsitzenden des „Rings Nationaler Frauen“ (RNF). Dieser findet sich auch im neuen Magazin. Der RNF ist die NPD-Frauenorganisation; SCHMIDT ist außerdem Beisitzerin im baden-württembergischen Landesvorstand der Partei. In der Rubrik „Besondere Orte“ stellt sie aus ihrer Sicht geschichtsträchtige (teils ehemals) deutsche bzw. deutschsprachige Orte und Regionen vor, in der April-Ausgabe auf zwei Seiten den Brocken im Harz.

Zukunft

Die NPD zeigt deutlich ihren Willen, den geplanten „Neustart“ umzusetzen. Ihrem Plan, aus dem Parteiorgan ein Magazin zu machen, folgte sie zeitnah. In der neugestalteten DS wird darauf hingewiesen, dass man auch zukünftig online auf einem eigenen „Nachrichtenportal“ tagesaktuell berichten möchte. Außerdem soll im Bereich des YouTube-Kanals „DS-TV“ ebenfalls ein Neustart gewagt werden. Aber auch hier, wie beim Magazin an sich, bedarf es finanzieller Hilfe, weshalb die Leserschaft direkt bzw. indirekt zur Unterstützung aufgerufen wird.
Ob sich die DS im Mantel eines relativ teuren Magazins zukünftig etablieren und halten kann, werden die nächsten Monate zeigen.