11/2008 - Reihe „Kinder und Jugendliche in Scientology"; Teil 4: Psychische und gesundheitliche Risiken für Kinder und Jugendliche in SO
11/2008 - Reihe „Kinder und Jugendliche in Scientology"; Teil 4: Psychische und gesundheitliche Risiken für Kinder und Jugendliche in SO
Kinder werden in der Ideologie von Scientology als Erwachsene in kleinen Körpern angesehen. HUBBARD:
„Ein Kind ist ein Mann oder eine Frau, der bzw. die nicht voll ausgewachsen ist. Jedes Gesetz, dass auf das Verhalten von Männern oder Frauen zutrifft, gilt auch für Kinder." [New Era Publications (Hrsg.), „Kinder. Aus den Werken von L. Ron Hubbard", Kopenhagen 1994, S.3.]
Darüber hinaus stellte HUBBARD befremdliche Behauptungen über Kinder auf. So behauptete er in Bezug auf kindliche Rollenspiele, „dass Kinder Ähnlichkeit mit Psychotikern und Schizophrenen zu haben scheinen". [L. Ron HUBBARD, „Kinder-Dianetik", Kopenhagen 1983, S. 31.] HUBBARD befürwortete auch Kinderarbeit. [Onlinefassung des "Scientology Handbuch" vom 20. März 2008.]
Es muss daher damit gerechnet werden, dass Kindern in der SO ein nicht kindgerechtes Verhalten abverlangt wird, auf kindliche Belange ungenügend oder keine Rücksicht genommen wird oder Kinder und Jugendliche schlicht überfordert werden. Denn HUBBARDs Behauptungen und Stellungnahmen stehen für überzeugte Scientologen außerhalb jeglicher Kritik. So wird eine psychologische Betreuung in der SO grundsätzlich abgelehnt, da die Organisation u.a. Kinderpsychiater und Psychologen völlig undifferenziert verdammt. Psychologen werden pauschal als „Betrüger" diffamiert und es werden „sexuelle Abwegigkeiten" unterstellt.[L. Ron HUBBARD, „Der kriminelle Verstand" in: „Wie man Unterdrückung konfrontiert und zerschlägt. PTS/SP-Kurs", Kopenhagen 2001, S. 73ff. ] Es liegt auf der Hand, dass aus Sicht von Eltern, die Scientologen sind, HUBBARD-Verfahren bei Kindern angewandt werden sollen, wenn eigentlich eine psychologische Betreuung notwendig wäre.
Scientology und die Entwertung der Familie
Die HUBBARDsche Definition der Familie lautet:
„Eine Familie ist eine Gruppe, die als gemeinsames Ziel das Überleben und Vorankommen dieser Gruppe hat." [ „Kinder-Dianetik", a.a.O. S. 8. ] Neben diesem darwinistisch anmutenden Ansatz gibt es in „Kinder Dianetik" keine wesentlichen Ergänzungen zur Bedeutung der Familie. Das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern wird in „Kinder-Dianetik" stattdessen vor allem als ein Machtkonflikt und ein Austausch von Leistung und Gegenleistung beschrieben. Eine fachwissenschaftliche Stellungnahme des Bayerischen Staatsinstituts für Frühpädagogik kommt zum Ergebnis, dass die „Kinder Dianetik" abgesehen vom Lernen (mit HUBBARD-Lerntechniken) keine entwicklungsbezogene Auffassung vom Kind beinhaltet. Die Komplexität des Menschen werde auf wenige Merkmale reduziert. Es gebe keine soziale, keine kognitive, keine moralische und keine religiöse Entwicklung, die in irgendeiner Form von Scientology als relevant erachtet würde. [Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP), Fachwissenschaftliche Stellungnahme, München 2007. ]
Zudem werden die Eltern als potenzielle Schädiger des Kindes dargestellt, weil das Kind wegen des Verhaltens der Mutter und des Vaters angeblich psychische Beeinträchtigungen erworben habe. HUBBARD behauptet in „Kinder Dianetik" und dem wichtigsten Scientology-Standardwerk „Dianetik", dass sich bereits laute Worte im Gedächtnis des ungeborenen Kind einprägen und zu „Aberrationen" [ „Aberration": Scientology-Begriff für krankhafte Abweichung vom -im scientologischen Sinn- „vernünftigen" Verhalten.] führten. Dabei kann durch die Lektüre der Eindruck entstehen, dass Abtreibungsversuche, Misshandlungen und Gewalt in der westlichen Durchschnittsfamilie gang und gebe seien. [L. Ron HUBBARD, „Dianetik. Der Leitfaden für den menschlichen Verstand", Kopenhagen 2007.] Den einzigen Weg, den HUBBARD aufzeigt, ist Auditing als „Therapie", um die vermeintlichen Störungen im Gedächtnis des Kindes zu beseitigen. Das propagierte Ziel ist, „Selbstbestimmung" zu finden; eine Eigenschaft, die der Scientology-Gründer dem „Clear", also dem durch Auditing „geklärten" Menschen zuschreibt.[„Kinder Dianetik", S. 19. ] „Selbstbestimmung" bedeutet damit nicht etwa einen charakterlichen Reifeprozess oder ein jedem Menschen zustehendes Rechtsgut, sondern ist ein von der SO umdefinierter Begriff: „Selbstbestimmung" wird zum Therapieziel, das angeblich nur Scientology verwirklichen kann. Auch dieser Gedankengang weist auf ein pathogenes Menschenbild in Scientology hin: Das Individuum und die Gesellschaft sei „krank". „Heilung" verspricht nur noch Scientology.
Das in „Kinder Dianetik" vermittelte Familienbild erscheint nicht dazu geeignet, Liebe, Achtung und Vertrauen im Eltern-Kind-Verhältnis zu fördern. Welch geringen Stellenwert die Familie für die SO entgegen öffentlicher Behauptungen tatsächlich hat, offenbaren interne Anweisungen, wenn wegen Scientology Konflikte in der Familie entstehen. Scientologen sollen kritische Familienangehörige „handhaben", was bedeutet, diese selbst in die SO zu ziehen oder sie ruhig zu stellen. Falls das nicht gelingt, erlauben die Richtlinien den „Ethik-Offizieren" der SO „insbesondere in Zusammenhang mit Ehemännern und Ehefrauen" die Verhängung eines „Trennungsbefehls"(„Separation Order"). Die Eheleute sollen demnach zumindest zeitweise „keinen Kontakt" miteinander haben dürfen. [L. Ron HUBBARD, Richtlinienbrief „Separation Order" in: „The Organization Executive Course Vol. 1", Kopenhagen 1991, S. 763. Übersetzung durch das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg. ] Denn auch Partner oder Familienangehörige, die Scientology ablehnen, gelten als „unterdrückerische Personen" und damit als „Kriminelle". [L. Ron HUBBARD, HCO Bulletin „Kritiker der Scientology" in: „Wie man Unterdrückung konfrontiert und zerschlägt. PTS/SP-Kurs", Kopenhagen 2001, S. 77 ff. ] Konflikte und seelische Zerreißproben kommentiert die Organisation mit Zynismus:
„Ein Scientologe, der durch familiäre oder andere Bande mit einer Person, die unterdrückerischer Handlungen schuldig ist, in Verbindung steht, ist bekanntermaßen eine potenzielle Schwierigkeitsquelle oder Schwierigkeitsquelle. Die Geschichte der Dianetik und Scientology ist voll davon." [L. Ron HUBBARD, Richtlinienbrief „Unterdrückerische Handlungen, Unterdrückung der Scientology und Scientologen" in: „Wie man Unterdrückung konfrontiert und zerschlägt. PTS/SP-Kurs", Kopenhagen 2001, S. 141.]
Den Bruch rechtfertigt die SO folgendermaßen:
„Es ist ganz ähnlich, wie man mit einem Verbrecher verfährt. Wenn er die Situation nicht handhabt, dann greift die Gesellschaft zur einzigen anderen Lösung: Sie ,bricht' die Verbindung des Verbrechers mit der Gesellschaft ,ab'. Mit anderen Worten, sie entfernen ihn aus der Gesellschaft und stecken ihn in ein Gefängnis, (...)" [L. Ron HUBBARD, HCO Bulletin „PTS-sein und das Abbrechen der Verbindung" in: „Wie man Unterdrückung konfrontiert und zerschlägt. PTS/SP-Kurs", Kopenhagen 2001, S. 245.]
Der Wert der Familie spielt im Konfliktfall für die SO keine besondere Rolle. Im Gegenteil zählt „das Versäumnis, eine Person, die nachweislich unterdrückerischer Handlungen schuldig ist, zu handhaben oder sich von ihr loszusagen und die Verbindung mit ihr abzubrechen" [L. Ron HUBBARD, Richtlinienbrief „Unterdrückerische Handlungen, Unterdrückung der Scientology und Scientologen" in: „Wie man Unterdrückung konfrontiert und zerschlägt. PTS/SP-Kurs", Kopenhagen 2001, S. 129.] zu den scientologischen „Schwerverbrechen". Wendet sich ein Elternteil Scientology zu, erscheinen nicht nur wegen des kostspieligen Kurssystems in der SO massive Konflikte und letztlich die Trennung vorprogrammiert. Erheblichen Konfliktstoff bergen auch HUBBARDsche Vorstellungen über Kindererziehung, bei denen die Gefahr besteht, dass zunehmend SO-Funktionäre (Auditoren [Person, die das Auditing durchführt.] ) anstatt der Eltern die Verantwortung übernehmen, da kindliches Konfliktverhalten oder sogar Weinen als Ausdruck von „Aberrationen", also Störungen der Psyche interpretiert werden können.[Diese Problematik wird insbesondere in der aktuellen Neuerscheinung von Ursula Caberta „Kindheit bei Scientology verboten", Gütersloh/München 2008, aufgearbeitet. ] Zu den seltenen kinderpsychologischen Gutachten, die sich mit Scientology beschäftigen, gehört die Expertise einer Diplompsychologin, die anlässlich eines Sorgerechtsstreits zwischen Partnern gefertigt wurde, von denen einer sich der SO zugewandt hatte. Sie kam zum Ergebnis:
„Im Hinblick auf die besondere Verfassung des Kindes [Name des Kindes], sollten Einflüsse, wie sie von Mitgliedern dieser Organisation ausgeübt werden, möglichst gering gehalten werden. Eine ,normale Entwicklung', eine Kindheit und Adoleszenz, die sich mit der Entwicklung anderer Kinder vergleichen lässt, ist unter den Bedingungen, wie sie von Scientology postuliert werden, nicht möglich. Sie führt vielmehr dazu, dass die Eltern als natürliche Über-ich-Instanzen nicht zur Verfügung stehen, dass das Kind in die Rolle des Außenseiters gerät, dass es sich nicht an dem in unserer Gesellschaft üblichen Sozialisationsprozess, d.h. dem Prozess der Verinnerlichung unseres gesellschaftlichen Werte- und Normensystems orientieren darf." [Renate Grigoleit, Kinderpsychologisches Gutachten vom 5. Juli 1994, S. 38, zitiert in: Kurt-Helmuth Eimuth, „Die Sekten-Kinder", Freiburg/Br. 1996, S. 107. ]
Die „Nurseries" (Kinderhorte)
Scientology-Einrichtungen zur Beaufsichtigung von Kindern von Scientologen, die Mitarbeiter sind oder Kurse besuchen, werden in der Organisation „Nursery" (Kinderhort) genannt. Aussteiger berichteten in den USA von teils desolaten Zuständen in derartigen Einrichtungen. In Bremenwurde in den 1990er Jahren eine nicht genehmigte Kindereinrichtung geschlossen. Die Behörde beschrieb ihren Zustand wie folgt:
„ Alle Räume und Einrichtungsgegenstände machten einen schmutzigen, unordentlichen, heruntergekommenen Eindruck. Die Betten waren überwiegend mit schmutziger oder gar keiner Bettwäsche bezogen. Der Teppichboden wirkte unhygienisch und war bedeckt mit Flecken. Spielmaterialien oder kindgemäße Herrichtung der Räume waren nicht vorhanden. " [Ursula Caberta, "Schwarzbuch Scientology", Gütersloh 2007, S. 127. ]
Der Zustand einer scientologischen Kindereinrichtung in Hamburg wurde in den 1990er Jahren von einem ehemaligen Scientologen ähnlich beschrieben. [Ebd. S. 124. ] 1992 hatte die SO-Niederlassung in Stuttgart einen Antrag auf Genehmigung einer Kinderbetreuungseinrichtung gestellt. Dort wurden insgesamt 26 zwischen zwei bis zehn Jahre alte Kinder bis in die Abendstunden von Mitgliedern und Mitarbeitern der SO betreut. Das Landesjugendamt kam zu dem Ergebnis, dass der Antrag wegen der Gefährdung des Kindeswohls abgelehnt werden müsse. Die Organisation reagierte jedoch dahingehend, dass die Betreuung nicht mehr durch angestellte SO-Mitarbeiter, sondern durch die scientologischen Eltern erfolgte. An diesem Punkt endet aber die staatliche Einflussnahme; das Landesjugendamt stellte das Genehmigungsverfahren ein. [1. Bericht der interministeriellen Arbeitsgruppe für Fragen so genannter Jugendsekten und Psychogruppen vom 30. Juni 1994, Drucksache 11/4643, S. 48. ] Inzwischen gibt es keine Hinweise mehr auf die Existenz einer „Nursery" in Stuttgart.
Im Jahr 2007 wurde in München der Betrieb einer Kindertagesstätte mit der Bezeichnung „Kinderhäusl" genehmigt, bei der sich später herausstellte, dass die Erzieher und Mitglieder des Trägervereins der SO angehören. Die Stadt München entzog daraufhin im Februar 2008 mit sofortiger Wirkung die Betriebserlaubnis. Die Stadt war der Überzeugung, dass das Wohl der dort betreuten Kinder gefährdet sei. Das Menschenbild und die Lehre der Scientology sei nicht mit den vorgegebenen Grundsätzen einer Erziehungseinrichtung vereinbar und widerspreche den Zielen des bayerischen Bildungs- und Erziehungsplanes und des bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes. Die Scientologen haben Rechtsmittel angekündigt. ["München schließt Scientology-Kindergarten", Focus, 25. Februar 2008. ]
„Hingebungsvolle Scientologen": Gefahr der Indoktrination
Scientology-Kinderbücher wie „Die Lernfibel" führen bereits Kinder in die scientologische Sprache und ihre Denk- und Handlungsweisen ein. Diese Materialien machen auf nicht informierte Betrachter zunächst einen eher harmlosen Eindruck. Neben Banalitäten ist jedoch eine subtile Einflussnahme auf die kindliche Psyche nicht zu übersehen.
Ein Lehrer aus München berichtete über starke soziale Deprivationen (Behinderungen) von Kindern aus der SO, die an seiner Schule waren: Diese Kinder „erleben im hohen Maße eine Beeinflussung, schon durch die Einengung der Sprache auf Sektenterminologie (ARC Bruch, PTS, Q u. A - question and answer, banky, key-in). Das führt, sobald das Kind in die öffentliche Schule kommt, zu Unverständnis der Mitschüler, zur Isolation." Es sei nicht absehbar, welche bleibenden Schäden im Sozialverhalten der Kinder in Zukunft auftreten würden. [Herbert Kuntze in: Dipl. Päd. Kurt-Helmuth Eimuth, „Die Sekten-Kinder", Freiburg im Breisgau, 1996, S. 83. ]
Eine fachwissenschaftliche Stellungnahme des Bayerischen Staatsinstituts für Frühpädagogik bestätigt diese Beobachtungen:
„Die Beziehung des Kindes allein auf das scientologische Gedankengut stellt eine beabsichtigte Isolierung gegenüber der lebenswirklichklichen (Fehler im Original?) weiteren Gemeinschaft des Kindes dar. Ferner wird das Kind auch von seinen Eltern isoliert bzw. entfremdet, wenn der einzige Maßstab für Wert und damit Selbstwert des Kindes ebenso wie der Eltern in der Anpassung an das Wertesystem der Organisation zugelassen wird. Hierbei spielt die Verwendung der Sprache innerhalb von Scientology eine wesentliche Rolle. Wortneuschöpfungen, willkürliche Umdeutungen von Begriffen und der Zwang, sich ausschließlich dieser Kunstsprache zu bedienen, verzerren die Kommunikation mit allen Menschen, die sich nicht in Scientology engagieren und nicht ebenfalls diese Sprache verwenden. Ein Kind wird sich außerhalb dieses Bezugssystems nur sehr schwer verständlich machen können und auch Außenstehende werden sich dem Kind nicht verständlich machen können." [Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP), Fachwissenschaftliche Stellungnahme, München 2007. ]
Kinder und Jugendliche sind neben Erwachsenen in den Kursräumen der „Orgs" nichts Ungewöhnliches. Es muss daher auch damit gerechnet werden, dass die SO bereits Jugendlichen Feindbilder indoktriniert, ihnen gegenüber die Demokratie verächtlich macht und sie zum Hass auf die Kritiker von Scientology, die „supressiven Personen" („SPs") erzieht. Dabei offenbart die Organisation ein Feindbild, das den „Krieg" propagiert und die „Feinde" von Scientology mit „Bakterien" vergleicht, die man „vernichtet". [Zeitschrift „Impact" Nr. 112/2006, S. 15ff. ]
Eine Scientology-Zeitschrift zitierte einen „jungen Scientologen", der „sehr viel über SPs gelernt" hat „und wie fürchterlich sie einem das Leben verpfuschen können". [Zeitschrift „Freewinds" Nr. 61/2006, S. 25. ] Höchst bedenklich erscheint, mit welchem Selbstverständnis dabei die Organisation und teilweise scientologische Eltern mit ihren Kindern umgehen. Die SO stellte als Vorbild heraus, wie man während einer „Tagung für zukünftige OTs" [OT: „Operierender Thetan". Statussymbol in der SO und Begriff für hochtrainierte Scientologen. ] auf dem Scientology-Schiff „Freewinds" „Teenager zu wirklichen Scientologen" macht. Unter Rubrik „was Eltern sagen" lautete ein „Erfolgsbericht":
„Ganz einfach ausgedrückt war der Erfolg der Tagung für zukünftige OTs, dass wir ein 14 Jahre altes Mädchen losgeschickt haben, das nur mäßig an der Brücke [das scientologische Kurssystem] interessiert war, und eine gedebuggte [ „Debug": „Die Mängel oder Schwierigkeiten bei etwas beseitigen. (...) Debuggen heißt, die Verwirrungen, Verkomplizierungen oder Stopps zu entfernen." (L. Ron HUBBARD, „Erweitertes Verwaltungsglossar", Kopenhagen 1982, S. 24). ] , hingebungsvolle Scientologin mit klarer Sicht der Dinge zurückbekamen, die zu den selben Bedingungen hier ist wie alle anderen [Diese Umschreibung ist offenkundig eine Anspielung auf eine Passage des Basisrichtlinienbriefs „Die Funktionsfähigkeit der Scientology erhalten": „Wenn sich jemand eingeschrieben hat, so ist er an Bord, und wenn er an Bord ist, dann ist er zu den selben Bedingungen hier wie alle anderen von uns - gewinnen oder beim Versuch sterben." (z.B. enthalten in: Zeitschrift „Impact" Nr. 110/2004, S. 9.) ] von uns und nach der Brücke verlangt. Nur die Freewinds war in der Lage dieses Produkt [!] innerhalb von zwei Wochen hervorzubringen." [Zeitschrift „Freewinds" Nr. 61/2006, S. 24ff. ]
Hier ergibt sich zumindest in der SO-Propaganda der Eindruck, das Jugendliche binnen kurzer Zeit als scheinbar, gestähltes' HUBBARD-„Produkt" zurückkehren.
Ein Journalist, der verdeckt im Berliner Scientology-Zentrum ermittelte, beobachtete dort immer wieder Kinder, die mitunter sogar Mitarbeiter der „Org" gewesen seien.[ „Scientology. Undercover in der Berliner Zentrale", STERN, 15. Mai 2008. ] Bereits 2007 hatten Besucher des SO-Zentrums von Kindern in dem Gebäude berichtet. In einem Fall schilderte eine Besucherin, dass sie im Öffentlichkeitsbereich der „Org" im Juni 2007 mit einem etwa fünf Jahre alten Kind ins Gespräch kam. Es habe sich um das Kind einer Scientologin gehandelt, das noch nicht ganz zu verstehen schien, worum es bei Scientology geht. Das Kind sah sich wie die Besucherin denselben Scientology-Film über die Psychiatrie an. Scientology-Filme wie „Tod statt Hilfe", in denen undifferenziert gegen die Psychiatrie gehetzt und in denen letztlich eine politische Verschwörungstheorie entworfen wird, erscheinen allerdings mit ihren bereits für Erwachsene teils verstörenden Bildern nicht für Kinder geeignet.
Kendra, eine junge Ex-Scientologin und Tochter hochrangiger SO-Funktionäre, beschrieb ihr damaliges Weltbild und die Motivation, trotz der Widersprüche in der Organisation mitzumachen auf diese Weise:
„Ich denke, hier haben wir den Kern dessen erreicht, was Scientology-Kinder antreibt: Eines der Dinge bei Scientology, die süchtig machen (...) ist dieses dauernde Gefühl, dass Du ein Teil des universalen Kampfes bist. Wenn Du ein Scientologe bist, wird Dir häufig erklärt, dass Du auf Seiten des Licht stehst in einem vage definierten galaktischen Gefecht der Zukunft. Dein Kampf ist größer als die Erde, größer als das Sonnensystem. Indem Du LRH-Tech [ „LRH Tech": Die Psycho- und Sozialtechniken und Verfahren nach HUBBARD. ] anwendest und verbreitest, gibst genau Du dem Universum echte Hoffnung. Seid ihr noch dabei? L. Ron Hubbard ist Yoda und jeder [Scientologe], den Du kennst, ist Luke Skywalker. (...) Durch das Überqueren der ,Brücke' [das scientologische Kurssystem] bist Du ein Krieger. Du bist der Last Action Hero. Verlieren ist keine Option. (...) Stellt euch vor, sich so groß, so wichtig zu fühlen und so mächtig, und zwar jeden Tag in eurem Leben. Und jetzt stellt Euch vor, zu erfahren, dass es alles eine Lüge war." [http://wiki.costruth.com/trans/index.php/ExScientologyKids.com_-_Kendra's_Story_German, 6. Mai 2008. ]
Alles geklärt durch „Auditing"?
Die „Scientology Organisation" (SO) scheut nicht davor zurück, selbst Kinder dem „Auditing" bzw. der „Kinder Dianetik" zu unterwerfen. Ein Journalist, der sich im Jahr 2008 mehrere Monate im SO-Zentrum Berlin aufgehalten hatte, berichtete auch von Acht- bis Zehnjährigen, die am „E-Meter" [ „Hubbard Elektrometer": Eine Art einfacher Lügendetektor. ] ausgefragt wurden.["Scientology will Berlin knacken", STERN TV vom 14. Mai 2008. ] Nach L. Ron HUBBARD, dem verstorbenen SO-Gründer, dürfen Kinder auditiert werden, sobald sie sprechen gelernt haben. Es gibt bei der SO einen „Kinder-Kommunikationskurs" mit Grundlagen des „Auditing". Das „Auditing" bzw. das „Dianetik"-Verfahren ist das zentrale Mittel der SO zur Persönlichkeitsveränderung. Ein medizinisches Gutachten zum „Dianetik"-Verfahren kam zum Ergebnis, „dass diese sog. Therapie eine völlig unpersönliche, ja ,unmenschliche' Prozedur ist, in dem Sinn, dass der Therapeut gar nicht darauf bedacht ist, auf die persönlichen Probleme und Anliegen des Patienten [HUBBARD selbst bezeichnet den zu Auditierenden als „Patienten". ] einzugehen, sondern nur stur darauf ausgeht, ihn zu sog. Rückrufen anzuhalten und frühe Ereignisse solange erzählen zu lassen, bis das E-Meter keine emotionale Reaktion mehr anzeigt. (...) Diese Therapie lässt ganz bewusst die bekannten und vielfach wissenschaftlich belegten Wirkungswege psychotherapeutischer Verfahren außer acht und beschränkt sich auf bloße Abreaktion. (...) Das bedeutet aber keineswegs, dass das frühere Trauma nun überwunden ist, sondern nur, dass die Abwehr auf der emotionalen Ebene sich verfestigt hat. Erhebliche Risiken für den Patienten bedeutet jene Einstellung des Auditors, der sich an die Weisungen L. Ron Hubbards hält, die Eltern und Verwandten seien die Bösewichter, die ausschließlich die Schuld an den Störungen und Beschwerden des Patienten hätten. Jeder Widerstand der Eltern gegen diese besitzergreifende Therapie wird als Ausdruck ihrer Schuldgefühle und Angst vor der Aufdeckung von ,Misshandlungen' (...) interpretiert. (...) Nachdem der Prozess des Auditierens den Patienten bezüglich seiner Konflikte und Ängste allein lässt, weil er keine Interpretationen, kein Mitgefühl oder emotionale Stützung erhalten soll, ist dieses Verfahren höchstens für sehr robuste, selbstsichere, innerlich widerstandsfähige Personen ohne Risiko. Für seelisch Leidende, Selbstunsichere, Labile, an inneren und äußeren Konflikten Leidende bringt es erhebliche Gefahren wie Angstzustände, Depressionen, Krisen bis zu psychotischen Zusammenbrüchen. (...) Besonders bedenklich ist zudem die Anweisung des Hubbards, der Auditor dürfe sich gar nicht um diese Krisen der Patienten kümmern, (...) bedenklich ist dabei, dass solche Zustände gar nicht als solche wahrgenommen werden [Derartiges wird in der SO als Ausdruck der Störungen durch „Engramme" gewertet, die durch „Auditing" überwunden werden müssten, weswegen mit der Prozedur fortgefahren werden soll. ] und deshalb auch keine adäquate Hilfe geleistet wird. (...) Hinzu kommt, dass professionelle medizinische Hilfe von den Scientologen bei solchen Zwischenfällen grundsätzlich abgelehnt wird. (...) Der Anspruch der Dianetik, alle Neurosen, psychosomatischen Krankheiten und auch die funktionellen Psychosen heilen zu können, widerspricht vollständig dem, was sonst über die Wirksamkeit der Psychotherapie aus seriösen Forschungen bekannt ist." [Gutachten von Prof. Dr. med. Hans Kind, Herrliberg, 3. März 1989. ]
Das Gutachten weist auch darauf hin, dass sich der Patient in einem hypnoseähnlichen Zustand befindet und den Manipulationen des Auditors ausgesetzt ist. Darüber hinaus nimmt es Bezug auf eine weitere Expertise [H. Lang in: Karde/Müller-Küppers, „Destruktive Kulte", Verlag für medizinische Psychologie, Göttingen 1983, S. 83ff. ], bei der auf die Gefahr der Auflösung der Persönlichkeitsstruktur durch Auditing hingewiesen wird. In der „Kinder Dianetik" legt HUBBARD dar:
„Es ist möglich, ein Kind jeder Altersstufe, nachdem es sprechen gelernt hat, zu auditieren. Es sollte jedoch bis zum Alter von fünf Jahren kein schweres Prozessing [„Prozessing": Weitererer Begriff für Auditing ] durchgeführt werden." [L. Ron HUBBARD, „Kinder-Dianetik", Kopenhagen 1983, S. 67. ]
Mit dem Hinweis auf das „schwere Prozessing" deutet HUBBARD selbst an, dass es beim „Auditing" mit Kindern zu sehr belastenden Situationen kommen kann. In derselben Publikation werden Fallbeispiele als Vorbild für Auditoren zitiert. Das Gutachten von Prof. Dr. med. Kind sollte in Zusammenhang mit den nachfolgend zitierten „Auditing"-Protokollen betrachtet werden. Hier ein „Auditing" an einem kleinen Mädchen:
„(Auditor): 'Wenn ein Flugzeug um 2 Uhr nachmittags in 3.000 Meter Höhe fliegt und um 3 Uhr nachmittags in 1.500 Meter Höhe, wie tief würde ein Mensch um 3 Uhr fallen, bis er den Erdboden erreichen würde?'
(Kind): ‚Ach du liebe Güte! Das weiß es nicht... Es ist wirklich ein Problem. (...)'
(Auditor): ‚Ist es so, dass es nur das Problem ist, was dich bedrückt?'
(Kind): ‚Ich glaube ja.'
(Auditor): ‚Spricht jemand hier je über Probleme?'
(Kind): ‚Nun, vielleicht könnte Mama darüber sprechen, eine Menge Probleme zu haben.'
(Auditor): ‚Hat irgendjemand dich je ein Problem genannt?'
(Kind): ‚Nun, vielleicht könnte Mama darüber sprechen, eine Menge Probleme zu haben.'
(Auditor): ‚Wer könnte dich ein Problem nennen?'
(Kind): ‚Nun, vielleicht Mama.'" [ „Kinder-Dianetik", S. 76 ]
„Erfolg" dieser Sitzung sei angeblich gewesen, Rechenschwierigkeiten bei dem Kind beseitigt zu haben. Hier stellt sich auch die Frage, ob nicht durch manipulative Fragen durch den Auditor eine bestimmte Antwort herbeigeführt wurde. Aus derselben Quelle stammt folgendes „Auditing"-Protokoll über einen 10-jährigen Jungen namens Bobby. Das Kind empfand das „Auditing" offenkundig als quälend:
„(Auditor): 'Gibt es einen Unterschied zwischen wehtun und sich gut anfühlen?'
(Bobby): ‚Es gibt einen.'
(Auditor): ‚Magst du es gern, wenn dir wehgetan wird?'
(Bobby): ‚Mag nicht, dass mir weh getan wird (...).' Es drückt hier (zeigt auf eine Stelle am Bauch.)
(Auditor): ‚Wo drückt es noch?'
(Bobby): ‚Überall, es drückt überall. Es tut weh. Ich schlafe.'
(Auditor): ‚Was würde passieren, wenn du aufwachen würdest?'
(Bobby): ‚Etwas wird passieren.'
(Auditor): ‚Ist ,etwas' gut oder schlecht?'
(Bobby): ‚Es ist gut. Etwas würde passieren.' (Fängt an zu weinen.) ‚Etwas Gutes wird passieren.' (Weint wieder.) (...)
(Auditor): ‚Welches Wort ist dasselbe wie tot?'
(Bobby): ‚Etwas ist dasselbe wie tot. Etwas ist gefährlich.'
(Auditor): ‚Was ist dasselbe wie gefährlich?'
(Bobby): ‚Bobby ging in die Hölle.'
(Auditor): ‚Was ist dasselbe wie ,Bobby ging in die Hölle'?' (...)
(Bobby): ‚Geh zur Hölle geh zur Hölle.'
(Auditor): ‚Welches Wort ist dasselbe wie tot? (...) Sag mehr. (...) Was ist ,geh zur Hölle'?'
(Bobby): ‚Aaa-ha-ha!'
(Auditor): 'Ist das Weinen?'
(Bobby): (Keine Antwort) (...)" [ „Kinder-Dianetik", S.158ff. ]
Ergebnis dieses längeren Auditing sei angeblich die „Erkenntnis" gewesen, dass die Mutter zu ihrem Jungen etwas wie „geh zur Hölle" gesagt haben soll. Es stellt sich auch die Frage, ob sich der Junge in einem hypnoiden Zustand befand.
Dass derartige Methoden die behauptete „frische Herangehensweise" für „das Aufziehen von Kindern" sein sollen und gar „die Liebe und den Respekt eines Kindes" erzeugen würden, trägt Scientology natürlich nicht in die Öffentlichkeit. Seit der Aufzeichnung dieser Protokolle dürfte sich an den Praktiken der SO nichts Wesentliches geändert haben. Das zeigt auch der Erfahrungsbericht einer 17-Jährigen, die von ihrer scientologischen Nachhilfelehrerin zum „Auditing" überredet wurde. Anlass des „Auditing" war die von der jungen Frau als besonders belastend empfundene Trennung von ihrem Freund. Das Prozedere beschrieb sie wie folgt:
„Immer und immer wieder musste ich die Geschichte wiederholen. Dutzende Male. Bis ich nicht mehr konnte. Das war unglaublich schlimm für mich, so schlimm, dass ich in Tränen ausbrach. Danach habe ich mich geweigert, jemals wieder zum Auditing zu gehen." [ „Ausgepresst wie eine Zitrone", Focus-Schule Nr. 5/2006. ]
„Sicherheitsüberprüfungen" bei Kindern
Es gibt in der SO auch die Möglichkeit einer „Sicherheitsüberprüfung" von Kindern. Derartige „Security Checks" werden üblicherweise am „E-Meter" durchgeführt. Aus den vorgegebenen Fragen ergibt sich, dass ein etwaiges „Fehlverhalten" eines Kindes herausgefunden werden soll. Zusätzlich kann der „Sec Checker" durch bestimmte Fragestellungen („Was hat dir jemand gesagt, nicht zu sagen?") herausfinden, ob die Eltern etwas vor der SO verheimlichen wollen und ihrem Kind gesagt haben, es solle darüber nicht sprechen. Eine ganze Reihe dieser nachfolgend auszugsweise zitierten Fragen zielen auf familiäre Konfliktsituationen. Ein Kind kann also an ein E-Meter gesetzt und gefragt werden:
„Kinder-Sicherheitsüberprüfung
Alter 6-12
1. Was hat Dir jemand gesagt, nicht zu sagen?
19. Hast Du ein Geheimnis?
21. Hast Du je etwas getan wofür Du Dich sehr geschämt hast?
28. Hast Du je einen Lehrer belogen?
34. Hast Du je etwas getan, was Du nicht solltest oder hättest schlafen sollen?
41. Hast Du je etwas mit deinem Körper gemacht, was Du nicht hättest sollen?
58. Hast Du je nicht die volle Wahrheit über etwas erzählt, um jemanden zu schützen?
61. Hast Du je deine Eltern enttäuscht?" [L. Ron HUBBARD, „Kinder-Sicherheitsüberprüfung", in: „The Technical Bulletins of Dianetics and Scientology Vol. VI", Kopenhagen, 1991, S. 290ff. (Übersetzung durch das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg). ]
Dass die SO immer noch am „Security Check Children" festhält, wurde in einer Übersicht der HUBBARD-Materialien auf einer Scientology-Website bestätigt. [Internetauswertung vom 29. Oktober 2007. ] Es stellt sich die Frage, wie sich solche Lügendetektor-Verhöre auf die normale psychische Entwicklung eines Kindes auswirken. Daneben wird deutlich, dass die SO in dem Streben nach umfassender Kontrolle der Mitglieder keine Rücksicht auf Kinder nimmt.
„Trainingsroutinen" für Kinder
Ein weiteres wichtiges Element der Scientology-Techniken sind „Trainingsroutinen" („TRs"), bei denen es sich um unterschiedliche Techniken zur Verhaltenskonditionierung handelt. Sie bestehen zum Beispiel darin, sich über einen längeren Zeitraum regungslos anzustarren, teils sinnlose Kommunikation zu „bestätigen" oder stereotyp immer wieder dieselbe Handlung zu vollziehen, etwa umherlaufen und eine Zimmerwand berühren zu müssen. In einem weiteren Gutachten kommt Prof. Kind zu dem Ergebnis, dass diese Scientology-Trainings der Machtausübung der Organisation und der Verhaltenskonditionierung der Betroffenen dienen. Sie werden dazu erzogen, „willig alles zu übernehmen, auch spätere Anweisungen kritiklos auszuführen." [Prof. Dr. med. Hans Kind, Ausgewählte Zitate und Auszüge aus dem Schrifttum von L. Ron Hubbard mit bibliografischen Belegen nach Themen geordnet und kritisch kommentiert. Zürich 1994. ]
HUBBARD schlägt in einem Scientology-Kurs ein Verfahren für ein Kleinkind vor, „wie es an Tieren verwendet wird".[L. Ron HUBBARD, „Einführungs- und Demonstrationsprozesse und Assists", Kopenhagen 1987, S. 194. ]
Zu seinen „TRs" hat HUBBARD selbst Entlarvendes geäußert, als er darauf hinwies, dass ein Scientologe einen jungen Hund mit Derartigem traktiert habe. Zwar habe der Scientologe aus Erschöpfung das Verfahren, die Hundepfote fortwährend an die Wand zu halten, nicht bis zur „Klärung" des Hundes zu Ende führen können, er habe jedoch bereits das Verhaltensmuster des Hundes geändert. Derartiges funktioniere gewiss auch bei einem kleinen Kind. [L. Ron HUBBARD, Vortrag "Ton 40 an einer Person" in: „Der Freiheitskongress. Abschriften und Glossar." Los Angeles 1996, S. 208ff. ]
Die Leiterin des dänischen Scientology-Internats in Bjerndrup äußerte, dass an ihrer Einrichtung unter anderem HUBBARDs „Grundlegender Studierleitfaden" zur Anwendung käme. Es würden aber „keinerlei religiöse oder philosophische Inhalte vermittelt." [Thomas Kruchem (Hrsg.) Staatsfeind Scientology?, München 1999, S. 87. ] Der „Studierleitfaden" enthält mit einer Anleitung für „TRs" jedoch auch einführende Scientology-Techniken.[L. Ron HUBBARD, „Grundlegender Studierleitfaden", Kopenhagen 1992, S. 221ff. ]
Erwachsene berichteten mitunter, bereits bei einführenden „TRs" psychisch an Grenzen geführt worden zu sein. So etwa bei der Prozedur des „Konfrontierens", bei der sich der Kursteilnehmer und sein Gegenüber über längere Zeit, mitunter bis zu einer halben Stunde, regungslos anstarren sollen. Jedes Zucken oder Blinzeln gilt als „Fehler", was zur Folge hat, dass die Übung wiederholt werden muss. Zu den weitergehenden „TRs" gehört auch der „Drill", einen Aschenbecher anzubrüllen. [L. Ron HUBBARD, HCO Bulletin „TRs der höheren Schulung", in: „Der Hubbard-Kurs für die professionellen TRs der höheren Schulung, Kopenhagen 1990, S. 14ff. ] Das ist bei Kindern in Scientology nicht nur bloße Theorie. Eine Fotografie in einer Scientology-Zeitschrift zeigte das Bild eines etwa 12-jährigen Jungen bei dem Prozedere mit dem Aschenbecher. [Zeitschrift „Source" Nr. 169/2005, S. 27. ]
Medikamente und „Reinigungsverfahren"
Risiken ergeben sich auch bei der Frage der Behandlung von Krankheiten. In Scientology sind viele Medikamente als „Drogen" verpönt. Scientologen verstehen darunter undifferenziert weit mehr als im allgemeinen Sprachgebrauch üblich - ein Aspekt, der bei den „Sag nein zu Drogen"-Kampagnen der SO meist nicht offenbart wird:
„Unter Drogen verstehen wir nicht nur Straßendrogen wie z.B. Haschisch, Kokain, Extasy, Heroin, LSD etc., sondern auch alle möglichen Arten von Medikamenten wie z.B. Beruhigungsmittel, Aspirin, Schmerztabletten genauso wie Narkosen und örtliche Betäubungen." [Rundschreiben der „Scientology Kirche Hamburg" vom Mai 2004. ]
Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass scientologische Eltern ihren Kindern im Extremfall eine notwendige medikamentöse Behandlung oder zum Beispiel eine Schmerztherapie aus ideologischen Gründen verweigern könnten, zumal die SO unterschwellig suggeriert, durch ihre Verfahren zahlreiche Krankheiten heilen zu können. So erwecken bestimmte Scientology-Publikationen subtil den Eindruck, Scientology-Verfahren würden bei Kinderlähmung helfen [L. Ron Hubbard Library (Hg.), „Ron. The Auditor. From the Research to Application", 1991, S. 31. ] bzw. krebs- oder strahlenkranke Menschen seien geheilt worden.[So in dem HUBBARD-Standardwerk „Dianetik" oder in „ Alles über radioaktive Strahlung". ] Allerdings achtet die Organisation etwa mit Ausschlusserklärungen im Kleingedruckten darauf, dass solche Behauptungen juristisch keine Heilungsversprechungen darstellen. Oder die angeblichen Beobachtungen über Heilungen sind so diffus formuliert, dass daraus wohl keine Handhabe entstehen kann. Dennoch können bei erkrankten Menschen so Hoffnungen geweckt werden.
Das scientologische „Reinigungsverfahren" („Purification Rundown") soll angeblich von „Drogen" entgiften. Wie das „Auditing" ist auch dieser „Rundown" kostenträchtig. Scientology bot das Verfahren zum Beispiel im Jahr 2000 in Los Angeles für 1.500 US-Dollar an. [Preisliste des „Celebrity Center International". ] Es besteht im Wesentlichen aus ausgedehnten Saunagängen und der Einnahme von hoch dosierten Vitaminen, darunter Nikotinsäure („Niacin"). Die SO erweckt sogar den Eindruck, das „Reinigungsverfahren" mache immun gegen radioaktive Strahlung. Deshalb seien Scientologen in der Lage, einen Atomkrieg zu überleben. HUBBARD behauptet auch, Strahlung sei wasserlöslich (!) und ausspülbar. Deshalb müsse beim Reinigungsverfahren stark geschwitzt werden. [L. Ron HUBBARD, Die Reinigungs-Rundown-Serie", Kopenhagen 1987. ]
Auch Kinder werden dieser problematischen Prozedur unterworfen. Als Scientology in den frühen 1990er Jahren in Russland expandierte, wurden bei Moskau von der Tschernobyl-Reaktorkatastrophe betroffene Kinder in das „Reinigungsverfahren" geschickt. Die Kinder wurden zwei Wochen lang mit sechs Stunden Sauna pro Tag „behandelt": „Danach wussten die Kinder zwar alles über L. Ron Hubbard, aber besser ging es ihnen nicht, im Gegenteil. Die kleinen Patienten litten unter Schwindelanfällen, beschleunigten Herzschlag oder bedrohlicher Furunkolose. Die ,Behandlung' wurde zudem gegen den Protest seriöser Ärzte durchgeführt und ohne Wissen der Eltern." Dennoch hätte sich die Scientologen als Retter der Tschernobyl-Opfer aufgespielt. [Alexander Dvorkin, „Die Tiger machen sich fit", Die Zeit Nr. 45/1995. ]
In der Scientology-Niederlassung in Hamburgwurden im Jahr 2004 „Erfolgsberichte" und Bilder von Kindern und Jugendlichen veröffentlicht, die dem „Reinigungsverfahren" unterzogen wurden. [Zeitschrift „Neue Zivilisation" Hamburg, Sonderausgabe Nr. 3/2004. ]
Es muss daher befürchtet werden, dass Kinder und Jugendliche aufgrund abstruser Vorstellungen in der SO seelischen und körperlichen Qualen ausgesetzt werden. Ein Vertreter des internationalen Zentrums für Toxikologie und Medizin in Rockville/Maryland bezeichnete das Verfahren als nutzlos und in Bezug auf die aufgestellten Behauptungen als wissenschaftlich irreführend und betrügerisch. [„Store selling Scientology vitamin regimen raises concerns", St. Petersburg Times, 28.03.1999. ]
Ein Facharzt für Kinderheilkunde hielt nach Untersuchungen eines 10-jährigen Kindes aus dem Raum Karlsruhe in seinem Bericht fest:
„(...) erzählte Dorothea eifrig, fast missionarisch, von ihren verschiedenen Kursen, die sie bei der Scientology Church jeden Nachmittag besucht. Sie sprach dabei von Auditing, einer Frage-Antwort-Problemsuche und dem Reinigungskurs, bei dem sie täglich 3-5 Stunden Sauna absolviere. Vor dem Saunagang bekomme sie Medikamente (,Niacin') verabreicht, damit ihr Körper entgiftet wird. Während des Saunaprogramms gebe es Getränke (,Kalmak') zur weiteren ,Giftentfernung'. Als Ziel dieser Behandlung bezeichnete sie einen Zustand von ,clear-sein'. Auf die Bemerkung hin, dass so ein langer Saunabesuch doch anstrengend sei, erzählte sie, dass sie am Vortag aus dem Saunaraum herausgetragen werden musste; sie habe geschrieen und sei nicht ,Herr über ihren Körper gewesen'. Dabei habe sie sich ,von oben gesehen', das sei so, wie ,wenn man gestorben ist'. Sie sei ,außerkörperlich' gewesen. Dies empfand das Mädchen offenbar als große Belastung. Daraufhin fragte ich Dorothea, warum sie denn dieses Schulungsprogramm nicht aufgebe, und sie antwortete: ,Papa hat so viel Geld für mich da reingesteckt; ich muss das jetzt zu Ende machen'. Meines Erachtens ist das Mädchen in einer dem Alter völlig inadäquaten Weise körperlich und geistig überfordert, was auf die Dauer immer einen schädigenden Einfluss hat."
Gefährdung des Kindeswohls
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Eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München zu psychologischen Beeinflussungstechniken macht deutlich, dass bei Scientology manipulative Techniken zum Einsatz kommen. Die Untersuchung zieht die Schlussfolgerung, dass Menschen in ihrer aktiven Zeit bei Scientology viel weniger Möglichkeiten hatten, zu eigenen autonomen Entscheidungen zu kommen und dem Einfluss der SO stärker ausgesetzt waren als Personen in der Kontrollgruppe. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Tätigkeit der SO sowohl in Hinsicht auf die Zielsetzung und die Intensität der eingesetzten Psycho- und Sozialtechniken beträchtliche Risiken für die Gesundheit, Willensfreiheit und rechtliche Integrität der Betroffenen birgt. Dabei handelte es sich um eine Untersuchung Erwachsener. [ Dr. Heinrich Küfner, Prof. Dr. Norbert Nedophil, Prof. Dr. Heinz Schöch, „Gesundheitliche und rechtliche Risiken bei Scientology", Lengerich 2002.] Das Bayerische Staatsinstitut für Frühpädagogik kam im Hinblick auf Scientology-Verfahren für Kinder zu folgendem abschließenden Ergebnis:
„Das Risikopotenzial der ausgewiesenen Verfahren auf die kindliche Entwicklung ist dagegen als beträchtlich einzustufen, vor allem für Kinder, die in ihrer Entwicklung ohnehin bereits Risiken ausgesetzt sind. In Fällen, in denen Kinder Verhaltensprobleme entwickeln, ist zudem davon auszugehen, dass sie nicht geeignete Hilfesysteme, sondern verstärkt scientology-internen Verfahren zugeführt werden. (...) Zusammenfassend kann gesagt werden, dass scientologische Verfahren in ihrer Anwendung auf Kinder ein erhebliches Risikopotenzial für die Gefährdung des Kindeswohls darstellen." [ifp Staatsinstitut für Frühpädagogik, Fachwissenschaftliche Stellungnahme, München, 9.12.2007.]


