„al-Qaida“

„Al-Qaida“ („die Basis“) ist ein transnationales islamistisches Netzwerk, das seine Ursprünge in Afghanistan hat. Dort gründete der Palästinenser Abdallah AZZAM in den 1980er Jahren das sogenannte Dienstleistungsbüro. Die Einrichtung diente als zentrale Anlaufstelle für Freiwillige und Geldgeber im afghanischen Befreiungskampf gegen die sowjetische Besatzung. Dabei stellte Afghanistan die erste Gelegenheit für islamistische Militante, sich transnational zu organisieren. AZZAM ermöglichte die transnationale Ausrichtung mit seiner Schrift zur theoretischen Grundlage des Jihads gegen die sowjetische Besatzung in Afghanistan: Demnach sei es Pflicht für jeden Muslim, im Jihad zu kämpfen, wenn sich der Feind auf islamischem Gebiet aufhalte. Dies begünstigte den Zustrom von Freiwillen aus der gesamten islamischen Welt. Zuvor waren jihadistische Aktivitäten auf die Herkunftsländer der Akteure beschränkt gewesen. 

Ende der 1980er Jahre stieß der Saudi-Araber Osama BIN LADEN zu AZZAM und übernahm nach dessen Tod die Führung des „Dienstleistungsbüros“, das ab 1988 in „al-Qaida“ aufging. Ab 1990 verfolgte das Netzwerk um BIN LADEN den Sturz der saudischen Herrscherfamilie. Nach der irakischen Besetzung Kuwaits hatte diese zum Schutz vor einer möglichen irakischen Invasion in Saudi-Arabien die Stationierung von US-Truppen im Land unterstützt. Für BIN LADEN stellte die Kooperation zwischen seinem Heimatland und den USA ein Vergehen an der muslimischen Gemeinschaft dar. 

Mitte der 1990er Jahre kam der Ägypter Ayman AZ-ZAWAHIRI zur Organisation und sorgte für eine ideologische und strategische Transformation „al-Qaidas“. Die bis dahin stark wahhabitisch/salafistisch geprägte Ausrichtung gründete auf der hohen Mitgliederzahl von Saudi-Arabern in der Organisation. Spätestens mit AZ-ZAWAHIRI fanden auch Ideen des „Muslimbruders“ Sayyid QUTB Eingang in die Ideologie. AZ-ZAWAHIRI gilt als Vordenker des Konzepts von „nahem und fernem Feind“. Ziel der neuen „al-Qaida“ waren damit sowohl die jeweiligen – von den Islamisten als unislamisch empfundenen – Regierungen in den Herkunftsländern („naher Feind“) als auch der Westen („ferner Feind“), da dieser den „nahen Feind“ stütze. Diese Strategie sollte die Herkunftsländer langfristig zu islamischen Staaten machen. Damit etablierte „al-Qaida“ eine globale Ausrichtung des Jihad. Jedoch veröffentlichte ihre Führung nie konkrete Vorstellungen zur angestrebten politischen Ordnung: Wie der islamische Staat „al-Qaidas“ konkret ausgestaltet sein soll, bleibt also offen. 

Organisatorisch blieb „al-Qaida“ bis 2001 ein Netzwerk von lose miteinander verbundenen und nach Nationen geordneten Einzelgruppen, Innerhalb der letzteren bildeten sich Aktionsgruppen, die Anschläge planen und durchführen sollten. Dies änderte sich jedoch nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA und dem damit verbundenen Verfolgungsdruck durch die Sicherheitsbehörden. Parallel zum anhaltenden Zerfall der zentralen Führung sank ebenso drastisch der Organisationsgrad. Einzelne Zellen zogen sich ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet zurück, viele Militante kehrten zurück in ihre Heimatländer. Die Führung produzierte nun vorrangig Audio- und Videobotschaften, um die „al-Qaida“-Ideologie zu verbreiten und zu Anschlägen aufzurufen. Damit entwickelte sich „al-Qaida“ zu einer ideologisch-strategischen Leitstelle.

Ab dem Jahr 2003 schlossen sich vermehrt regionale Gruppe dem „al-Qaida“-Netzwerk an. Zu den Tochterorganisationen gehören „al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel“ (AQAP), „al-Qaida im Islamischen Maghreb“ (AQIM), die Terrororganisation „ash-Shabab“ in Somalia sowie die „Nusra-Front“ in Syrien. Darüber hinaus gibt es zahlreiche kleine Gruppen und Individuen, die Anschläge im Namen „al-Qaidas“ durchführen.