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"Rote Armee Fraktion" (RAF)

Die „Baader-Meinhof-Bande“, benannt nach ihren Rädelsführern Andreas BAADER und Gudrun ENSSLIN sowie der als ideologische Vordenkerin hinzugekommenen Journalistin Ulrike MEINHOF, gab sich Anfang 1972 in einem Brief an eine Berliner Untergrundzeitung selbst die Bezeichnung „Rote Armee Fraktion“. Schon frühzeitig operierte die Terrorgruppe aus der Illegalität heraus. Ihre gewalttätigen Aktionen steigerten sich von anfänglichen Kaufhausbrandstiftungen – aus Protest gegen den Vietnamkrieg im Jahr 1968 – über Bombenanschläge gegen US-amerikanische, aber auch deutsche Einrichtungen bis hin zu ganzen Serien gezielter Mordanschläge gegen führende Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft. 

In der Einsicht, mit ihrer „Politik“ in eine Sackgasse ohne jede Erfolgsaussicht geraten zu sein, setzte die RAF 1992 selbst eine Zäsur, die eine Selbstreflexion und grundsätzliche Neubestimmung einleiten sollte. In einer Erklärung vom April jenes Jahres verkündete sie überraschend die vorläufige Einstellung des „bewaffneten Kampfes“ und ihre Absicht, stattdessen innerhalb der deutschen „Linken“ zum Aufbau einer „Gegenmacht von unten“ beitragen zu wollen. Unverändert wurde die Freilassung der „politischen Gefangenen“ gefordert. 

Um den Druck auf die staatlichen Institutionen zu erhöhen, stellte die RAF mit dem Bombenanschlag auf die Justizvollzugsanstalt Weiterstadt/Hessen am 27. März 1993 (Sachschaden ca. 65 Millionen Euro) unter Beweis, dass sie nach wie vor in der Lage war, Gewaltaktionen erheblichen Ausmaßes durchzuführen. Gleichzeitig musste sie 1993 jedoch einen schweren Rückschlag hinnehmen: Am 27. Juni 1993 wurde das RAF-Mitglied Birgit HOGEFELD in Bad Kleinen/Mecklenburg-Vorpommern festgenommen. Ihr Begleiter Wolfgang GRAMS starb nach einem Schusswechsel, bei dem auch ein Polizeibeamter ums Leben kam. Die Voraussetzungen für diesen Zugriff der Sicherheitsbehörden waren durch die Einschleusung eines Informanten in die Terrorgruppe geschaffen worden. 

Die Entscheidung der RAF von 1992 hatte weitreichende Konsequenzen in der linksterroristischen Szene. Unter den Inhaftierten aus der RAF kam es zum Bruch. Die Mehrheit der Häftlinge war nicht bereit, die Entwicklung zu akzeptieren, und erklärte ihre Trennung von der Terrorgruppe. Andere Inhaftierte und die im Untergrund lebenden RAF-Mitglieder distanzierten sich ihrerseits von diesen „Hardlinern“. Die daraus entstehenden Spannungen übertrugen sich auch auf die damalige Unterstützerszene. 

Bereits Mitte 1996 wurde u. a. aus den Reihen der Inhaftierten die Forderung nach einer Auflösung der RAF bekannt. Zwei Jahre später zog diese die Konsequenzen aus ihrer perspektivlosen Situation. In ihrem letzten Schreiben, das – datiert auf März 1998 – am 20. April 1998 bei verschiedenen Presseagenturen einging, erklärte die RAF ihre Auflösung mit folgenden Worten: 

„Vor fast 28 Jahren am 14. Mai entstand in einer Befreiungsaktion die RAF. Heute beenden wir dieses Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte.“ 

Das Eingeständnis des eigenen Scheiterns bedeutete jedoch keineswegs eine Distanzierung der RAF von ihrer Vergangenheit, vom „bewaffneten Kampf“ und den damit verbundenen Gewalttaten. Stattdessen bekräftigte sie einmal mehr, dass es grundsätzlich richtig gewesen sei, „sich gegen die Verhältnisse in der BRD zu stellen und zu versuchen, die Kontinuitäten der deutschen Geschichte mit Widerstand zu durchkreuzen.“


Chronologie des Terrors der RAF

Hinweis: Die nachfolgende Chronologie stammt im Wesentlichen aus dem Buch „Tödlicher Irrtum – Die Geschichte der RAF“ von Butz Peters (ARGON-Verlag 2004, S. 833 ff.) und wird mit freundlicher Genehmigung des Autors wiedergegeben.

1968–1971
1972–1973
1974–1977
1978–1984
1985–1989

1990–1999 
 
 

1968–1971

2./3. April 1968:
In Frankfurt brennen die Kaufhäuser Schneider und Kaufhof. Als Ursache für die Feuer ermittelt die Polizei Brandbomben, die kurz vor Feierabend in den Geschäften deponiert worden waren. Zwei Tage später verhaften Kriminalbeamte Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Söhnlein und Thorwald Proll in Frankfurt-Bockenheim. 

14. Oktober 1968:
Vor dem Landgericht Frankfurt beginnt der Prozess gegen die Kaufhausbrandstifter.

31. Oktober 1968:
Wegen des Brandes im Kaufhaus Schneider verurteilt das Landgericht Frankfurt am Main Baader, Ensslin, Proll und Söhnlein zu jeweils drei Jahren Zuchthaus.

10. November 1969:
Der Bundesgerichtshof verwirft die Revision gegen das Brandstifter-Urteil des Frankfurter Landgerichts. Nur Söhnlein tritt seine Strafe an.

Februar 1970:
Andreas Baader und Gudrun Ensslin kommen zu Ulrike Meinhof nach Berlin in die Kufsteiner Straße 12.

4. April 1970:
Andreas Baader wird in Berlin verhaftet.

14. Mai 1970:
Ulrike Meinhof, Irene Goergens, Ingrid Schubert und andere befreien Andreas Baader bei einer Ausführung in die Bibliothek des „Zentralinstituts für Soziale Fragen“ in Berlin-Dahlem. Ein Institutsangestellter wird durch einen Schuss in die Leber schwer verletzt.

15. Juni 1970:
Der Spiegel (Heft 25/1970) druckt Ulrike Meinhofs „Tonbanderklärung“: „Natürlich kann geschossen werden.“

Juni bis August 1970:
Horst Mahler, Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof, Peter Homann, Brigitte Asdonk und rund ein Dutzend Berliner Genossen lassen sich in einem Camp der El Fatah in Jordanien militärisch ausbilden.

29. September 1970:
Die Gruppe verübt den „Dreierschlag“ in Berlin: sie überfällt zur selben Zeit drei Banken. An der Aktion sind mindestens 16 Personen beteiligt. Beute: Über 217.000 Mark.

8. Oktober 1970:
In der Knesebeckstraße 89 in Berlin verhaftet die Polizei Host Mahler, Ingrid Schubert, Monika Berberich, Brigitte Asdonk und Irene Goergens.

15. Januar 1971:
Bei zwei Überfällen zur selben Zeit erbeutet die Gruppe in Kassel 114.000 Mark.

6. Mai 1971:
Astrid Proll wird in Hamburg verhaftet.

15. Juli 1971:
Bei einem Feuergefecht mit der Polizei kommt in Hamburg Petra Schelm ums Leben.

22. Oktober 1971:
Beim Versuch, drei Verdächtige zu überprüfen, wird in Hamburg der Zivilfahnder Norbert Schmidt von einem RAF-Mitglied erschossen. Der Mörder ist bis heute nicht überführt.

22. Dezember 1971:
Bei einem Überfall auf die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank in Kaiserslautern erbeutet die Gruppe 134.000 Mark. Dabei erschießen RAF-Mitglieder den Polizeibeamten Herbert Schoner.


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1972–1973

2. März 1972:
In Notwehr tötet ein Polizeibeamter Thomas Weisbecker in Augsburg.

3. März 1972:
Manfred Grashof erschießt in Hamburg den Kriminalhauptkommissar Hans Eckhardt. Grashof selbst wird schwer verletzt und zusammen mit Wolfgang Grundmann verhaftet.

11. Mai 1972:
Bei einem Bombenanschlag auf das US-Hauptquartier des V. Corps der US-Armee in Frankfurt werden eine Person getötet und 13 verletzt („Kommando Petra Schelm“).

12. Mai 1972:
Zwei Bomben explodieren in der Polizeidirektion Augsburg, sieben Verletzte. Vor dem Landeskriminalamt in München fliegt eine Autobombe des „Kommandos Thomas Weisbecker“ in die Luft. Zehn Menschen werden verletzt. Sachschaden 600.000 Mark.

15. Mai 1972:
In Karlsruhe explodiert eine Bombe unter dem VW-Käfer von Bundesrichter Wolfgang Buddenberg, der für die Ermittlungen gegen die Baader-Meinhof-Bande zuständig ist. Buddenbergs Frau wird schwer verletzt („Kommando Manfred Grashof“).

19. Mai 1972:
Im Verlagshaus Springer in Hamburg gehen zwei Bomben hoch und verletzen 38 Menschen. Ein „Kommando 2. Juni“ (2. Juni 1967: Todestag von Benno Ohnesorg) bezichtigt sich der Tat.

24. Mai 1972:
Im Heidelberger Hauptquartier der US-Landstreitkräfte in Europa werden durch zwei Autobomben des „Kommandos 15. Juli“ (15. Juli 1971: Todestag von Petra Schelm) drei Soldaten getötet und fünf Menschen verletzt. (Fünf Jahre später, am 28. März 1977, werden für diese sechs Anschläge im Mai 1972 Baader, Ensslin und Raspe vom Oberlandesgericht Stuttgart zu lebenslanger Haft verurteilt, Meinhof und Meins sind zu diesem Zeitpunkt schon tot.)

1. Juni 1972:
In Frankfurt verhaftet die Polizei Baader, Meins und Raspe. 

7. Juni 1972:
Gudrun Ensslin wird in Hamburg gefasst.

9. Juni 1972:
Brigitte Mohnhaupt und Bernhard Braun werden in Berlin verhaftet.

15. Juni 1972:
Die Polizei überwältigt Ulrike Meinhof und Gerhard Müller in Hannover-Langenhagen.

9. Juli 1972:
Festnahme von Klaus Jünschke und Irmgard Möller in Offenbach.

17. Januar bis 16. Februar 1973:
Erster kollektiver RAF-Hungerstreik; die „Hungerstreik-Erklärung“ gibt Andreas Baader im Strafprozeß gegen Horst Mahler in Berlin ab. Die Forderung: „Aufhebung der Isolation als Folter für die politischen Häftlinge in der BRD.“

8. Mai bis 29. Juni 1973:
Insgesamt 40 Häftlinge beteiligen sich am zweiten kollektiven Hungerstreik. Forderung: „Gleichstellung der politischen Gefangenen mit allen anderen Gefangenen.“


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1974–1977

4. Februar 1974:
Die später nach dem Datum ihrer Verhaftung benannte „Gruppe 4.2.“ wird von der Polizei im Schlaf überwältigt: In Hamburg Christa Eckes, Helmut Pohl, Ilse Stachowiak und Eberhard Becker, in Frankfurt Wolfgang Beer, Margrit Schiller und ein vierundzwanzigjähriger Ex-Student.

13. September 1974 bis 5. Februar 1975:
Mit großer Entschlossenheit beteiligen sich insgesamt 31 Häftlinge am dritten kollektiven Hungerstreik.

9. November 1974:
Holger Meins stirbt an den Folgen des Hungerstreiks. Er ist der erste „Hungertote“ der RAF.

24. April 1975:
Das RAF-Kommando Holger Meins überfällt in Stockholm die bundesdeutsche Botschaft, fordert die Freilassung von 26 Gesinnungsgenossen und erschießt zwei Diplomaten. Täter: Lutz Taufer, Karl-Heinz Dellwo, Bernhard Rößner, Hanna Krabbe, Siegfried Hausner und Ulrich Wessel.
Wessel kommt bei einer Explosion des von den Terroristen ausgelegten Sprengstoffs um Leben. Hausner stirbt einige Tage später an den Folgen der Explosion.

9. Mai 1976:
Ulrike Meinhof begeht in ihrer Zelle in der Haftanstalt Stuttgart-Stammheim Selbstmord.

30. November 1976:
Auf der Autobahn bei Butzbach/Hessen stellt die Polizei Siegfried Haag und Roland Mayer. Die Beamten finden bei ihnen die sogenannten „Haag/Mayer-Papiere“.

8. Februar 1977:
Brigitte Mohnhaupt wird aus der Haftanstalt Bühl entlassen.

7. April 1977:
Das RAF-„Kommando Ulrike Meinhof“ ermordet in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei seiner Begleiter. (Später werden wegen dieser Tat Knut Folkerts, Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt verurteilt. Bei Günter Sonnenberg sieht die Bundesanwaltschaft von einer Strafverfolgung wegen dieses Anschlags ab, da Sonnenberg wegen anderer Taten zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.)

28. April 1977:
Das Oberlandesgericht Stuttgart verurteilt Baader, Ensslin und Raspe zu lebenslan-ger Haft – wegen vier Morden und 34 versuchten Morden.

1. Juli 1977:
Bei einem Überfall auf das Waffengeschäft Fischlein in Frankfurt erbeutet die RAF fünfzehn Revolver und drei Pistolen. Täter - nach Erkenntnissen der Polizei: Willi-Peter Stoll und Knut Folkerts.

30. Juli 1977:
Nach einem gescheiterten Entführungsversuch erschießt ein RAF-Kommando Jürgen Ponto, den Sprecher der Dresdner Bank, in seinem Haus in Oberursel. (Später werden deswegen verurteilt: Brigitte Mohnhaupt, Christian Klar, Peter-Jürgen Boock, Sieglinde Hofmann und Susanne Albrecht; das Verfahren gegen Adelheid Schulz hat der Bundesgerichtshof wegen der Verurteilung in anderen Fällen eingestellt.)

25. August 1977:
Ein „Raketenwerfer-Anschlag“ der RAF auf das Gebäude des Bundesanwaltschaft in Karlsruhe scheitert, weil die Täter vergaßen, das „Läutwerk“ des Weckers aufzuziehen, durch den die Anlage gezündet werden sollte. (Später werden wegen dieser Tat Peter-Jürgen Boock, Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar verurteilt.)

5. September 1977:
Das RAF-„Kommando Siegfried Hausner“ entführt in Köln Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer. Bei dem Überfall sterben im Kugelhagel sein Chauffeur und drei Sicherheitsbeamte. Die RAF fordert die Freilassung von elf Gesinnungsgenossen aus den Gefängnissen.

22. September 1977:
In Utrecht (Niederlande) erschießt Knut Folkerts einen Polizeibeamten, der versuchte, ihn festzunehmen. Folkerts wird verhaftet.

13. Oktober 1977:
Auf dem Flug von Mallorca nach Frankfurt entführt ein vierköpfiges PFLP-SL-Kommando die Lufthansamaschine „Landshut“ und verlangt ebenfalls die Freilas-sung der inhaftierten RAF-Mitglieder („Kommando Martyr Halimeh“/“Organisation für den Kampf gegen den Weltimperialismus“). Während der anschließenden Flugodyssee erschießt drei Tage später in Aden der Anführer des Kommandos Zohair Youssif Akache den „Landshut“-Kapitän Jürgen Schumann.

18. Oktober 1977:
Ein GSG 9-Kommando stürmt die „Landshut“ auf dem Flughafen von Mogadischu, befreit alle Geiseln und erschießt drei der Entführer. Die überlebende Terroristin Souhaila Andrawes Sayeh wird 1996 vom OLG Hamburg zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

18. Oktober 1977:
Baader, Ensslin und Raspe verüben Selbstmord in der Haftanstalt Stuttgart-Stammheim.

19. Oktober 1977:
Die Leiche Hanns-Martin Schleyers wird im Kofferraum eines Audi 100 in Mühlhausen gefunden. (Später werden wegen Mordes verurteilt: Peter-Jürgen Boock, Rolf Klemens Wagner, Brigitte Mohnhaupt, Christian Klar, Adelheid Schulz und Stefan Wisniewski. Bei Rolf Heißler und Angelika Speitel sieht die Bundesanwaltschaft wegen bereits verhängter lebenslanger Haft von einer weiteren Anklage ab. Ebenfalls zu keiner Anklage kommt es gegen Knut Fokerts, der in den Niederlanden zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Willy Peter Stoll wird beim Versuch der Festnahme am 6. September 1978 in Düsseldorf erschossen. Die Verfahren gegen Monika Helbing und Silke Maier-Witt waren bei Abschluss des Manuskripts noch nicht beendet. Nach Friederike Krabbe wird noch immer gefahndet.)


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1978–1984

11. Mai 1978:
Brigitte Mohnhaupt, Peter-Jürgen Boock, Sieglinde Hofmann und Rolf Klemens Wagner werden in Jugoslawien verhaftet. Im November lassen sie die jugoslawischen Behörden in ein „Land ihrer Wahl“ ausreisen.

24. September 1978:
In einem Wald bei Dortmund kommt es zu einem Feuergefecht zwischen zwei Poli-zisten und drei RAF-Mitgliedern, nachdem die Beamten die Terroristen bei einem „Übungsschießen“ überrascht hatten. Ein Polizeibeamter und Michael Knoll werden getötet, Angelika Speitel verhaftet. Werner Lotze entkommt.

1. November 1978:
RAF-Mitglieder erschießen in Kerkrade (Niederlande) zwei niederländische Zollbeamte und verletzen einen schwer.

19. März 1979:
RAF-Überfall auf die Bank für Gemeinwirtschaft in Darmstadt, Beute: 49.000 DM.

17. April 1979:
RAF-Überfall auf die Schmidt-Bank in Nürnberg, Beute: 200.000 DM.

25. Juni 1979:
Anschlag auf den Nato-Oberbefehlshaber General Alexander Haig in Obourg/Belgien („Kommando Andreas Baader“). Haig entgeht der 20-Kilogramm-Sprengladung auf dem Weg ins Nato-Hauptquartier in Brüssel unverletzt, zwei Leibwächter in dem ihm folgenden Begleitfahrzeug werden verletzt. Täter unter anderem: Wagner, Lotze und Albrecht.

19. November 1979:
Wagner und drei weitere RAF-Mitglieder überfallen eine Filiale der Schweizer Volksbank in Zürich. Beute: 473.000 Schweizer Franken (506.000 DM). Bei der Flucht erschießen die Täter eine Passantin und verletzen einen Passanten sowie zwei Polizeibeamte.

Frühjahr 1980:
Teile der „Bewegung 2. Juni“ schließen sich der RAF an.

15. Juli 1980:
Bei einem Straßenverkehrsunfall in Bietigheim-Bissingen kommen Juliane Plambeck und Wolfgang Beer ums Leben.

2. Februar bis 18. April 1981:
An dem langfristig vorbereiteten achten kollektiven Hungerstreik beteiligen sich 68 Gefangene in 16 Haftanstalten. Ihre Forderung: Zusammenlegung.

16. April 1981:
Sigurd Debus stirbt in Hamburg an den Folgen des Hungerstreiks.

31. August 1981:
Das „Kommando Sigurd Debus“ verübt auf das Hauptquartier der US-Luftstreitkräfte Europa in Ramstein/Pfalz einen Bombenanschlag. 14 Menschen werden verletzt, es entsteht ein Sachschaden von 7,2 Millionen DM. (Später wird Helmut Pohl deswegen verurteilt.)

15. September 1981:
In Heidelberg entgeht US-General Frederick Kroesen nur knapp einem Raketenanschlag des „Kommando Gudrun Ensslin“. (Später verurteilt: Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar.)

Juni 1982:
Das im Mai 1982 verfasste RAF-Grundsatzpapier „Guerilla, Widerstand und antiim-perialistische Front“ (Mai-Papier) taucht auf.

15. September 1982:
Die RAF überfällt eine Filiale der Bochumer Sparkasse. (Ingrid Jakobsmeier wird später deswegen verurteilt.)

11. November 1982:
Brigitte Mohnhaupt und Adelheid Schulz werden am „Depot 1“ in Heusenstamm/Hessen gefasst.

16. November 1982:
Die Polizei stellt Christian Klar am Depot „Daphne“ bei Aumühle/Sachsenwald in der Nähe Hamburgs.

2. Juli 1984:
In Frankfurt werden in der Berger Straße Helmut Pohl, Christa Eckes, Stefan Frey, Ingrid Jakobsmeier, Barbara Ernst und Ernst-Volker Staub verhaftet. Die Beamten entdecken ein „Aktionspapier“ an die Adresse des „Widerstandes“.

15. März 1984:
Bei einem Banküberfall in Würzburg erbeutet die RAF 171.000 DM.

5. November 1984:
Durch einen Überfall auf das Waffengeschäft Walla in Maxdorf bei Ludwigshafen beschafft sich die RAF 22 Handfeuerwaffen, zwei Gewehre sowie 2.800 Schuss Munition. (Später wird Eva Haule-Frimpong deswegen verurteilt.)

4. Dezember 1984 bis 5. Februar 1985:
Am neunten kollektiven RAF-Hungerstreik beteiligen sich insgesamt 39 Häftlinge.

18. Dezember 1984:
Ein Sprengstoffanschlag auf die Nato-Schule in Oberammergau scheitert durch einen technischen Defekt „Kommando Jan Raspe“ (Später verurteilt: Eva Haule-Frimpong).


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1985–1989

15. Januar 1985:
Gemeinsames Kommuniqué von RAF und Action Directe „POUR L'UNITE DES RÉVOLUTIONAIRES EN EUROPE DE L'OUEST“/“FÜR DIE EINHEIT DER REVOLUTIONÄRE IN WESTEUROPA“.

25. Januar 1985:
Ermordung von General Réné Audran in La Celle-Saint-Cloud bei Paris durch das „Kommando Elisabeth van Dyck“ der Action Directe.

1. Februar 1985:
Das RAF-„Kommando Patsy O'Hara“ ermordet MTU-Chef Ernst Zimmermann in Gauting bei München.

3. Juni 1985:
Bei einem bewaffneten Überfall auf einen Geldboten des „Esbella-Marktes“ in Kirchentellinsfurt bei Tübingen erbeutet die RAF 157.700 DM.

7. August 1985:
In Wiesbaden ermordet die RAF den US-Soldaten Edward Pimental, um in den Besitz seines Ausweises zu kommen.

8. August 1985:
Anschlag des RAF-“Kommando George Jackson“ auf die US-Airbase in Frankfurt. Zwei Tote, elf Verletzte, 1.000.000 DM Schaden.

31. Januar bis 4. Februar 1986:
In Frankfurt veranstaltet das RAF-Umfeld den Kongress „Antiimperialistischer und antikapitalistischer Widerstand in Westeuropa“. Rund eintausend Teilnehmer.

9. Juli 1986:
Durch eine Sprengladung am Straßenrand ermordet die RAF in Straßlach Siemens-Vorstandsmitglied Karl Heinz Beckurts und seinen Fahrer Eckhard Groppler auf dem Weg zur Arbeit („Kommando Mara Cagol“).

2. August 1986:
Verhaftung von Eva Haule-Frimpong, Luitgard Hornstein und Christian Kluth in einer Eisdiele in Rüsselsheim.

10. Oktober 1986:
Ermordung von Gerold von Braunmühl, Abteilungsleiter im Auswärtigen Amt, in Bonn („Kommando Ingrid Schubert“).

17. November 1986:
Die Action Directe ermordet Renault-Chef Georges Besse in Paris.

21. Februar 1987:
Führende Mitglieder der Action Directe werden in der Nähe von Orléans in Frankreich verhaftet.

20. September 1988:
In Bonn scheitert ein Anschlag auf Finanzstaatssekretär Hans Tietmeyer („Kommando Khaled Aker“). Die RAF erklärt, Ursache dafür sei gewesen, dass die Maschinenpistole nicht funktioniert habe, mit der zunächst Tietmeyers Chauffeur hätte erschossen werden sollen.

1. Februar bis 12. Mai 1989:
Am zehnten kollektiven Hungerstreik beteiligen sich insgesamt 47 Häftlinge.

30. November 1989:
In Bad Homburg ermordet das RAF-„Kommando Wolfgang Beer“ den Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Alfred Herrhausen mit einer Hohlsprengladung, die auf einem Fahrrad am Straßenrand deponiert worden war. Herrhausens Fahrer wird verletzt.


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1990–1999

2./3. März 1990:
Nach einem angeblich von der RAF stammenden Selbstbezichtigungsschreiben, das am 5. März bei zwei Nachrichtenagenturen in Bonn eintrifft, hat die RAF in Kempten/Allgäu einen auf Bundeslandwirtschaftsminister Ignaz Kiechle vorbereiteten Anschlag abgebrochen. Acht Wochen später dementiert die RAF in einem eindeutig authentischen Schreiben, mit der angeblichen Kiechle-Aktion etwas zu tun gehabt zu haben.

Juni 1990:

In der DDR werden zehn RAF-Aussteiger enttarnt: Susanne Albrecht (am 6. Juni in Berlin), Inge Viett (am 12. Juni in Magdeburg), Werner Lotze und Christine Dümlein (am 14. Juni in Senftenberg), Ekkehard von Seckendorff-Gudent und Monika Helbing (am 14. Juni in Frankfurt/Oder), Sigrid Sternebeck und Baptist Ralf Friedrich (am 15. Juni in Schwedt) sowie Silke Maier-Witt und Henning Beer (am 18. Juni 1990 in Neubrandenburg).

27. Juli 1990:
Innenstaatssekretär Hans Neusel entgeht um Haaresbreite einem Sprengstoffanschlag der RAF, als er über die Autobahnausfahrt Bonn-Auerberg zum Bundesinnenministerium fahren will („Kommando José Manuel Sevillano“). Neusel kommt mit leichten Verletzungen davon.

13. Februar 1991:
Ein RAF-Kommando feuert 250 Gewehrpatronen von der gegenüberliegenden Rheinseite auf die US-Botschaft in Bonn („Kommando Vincenzo Spano“).

1. April 1991:
Ein Scharfschütze der RAF ermordet Treuhandchef Detlev Karsten Rohwedder in seinem Haus in Düsseldorf-Oberkassel („Kommando Ulrich Wessel“).

5. Januar 1992:
Auf dem Drei-Königs-Treffen der FDP in Stuttgart erklärt Bundesjustizminister Klaus Kinkel: „Der Staat muss dort, wo es angebracht ist, zur Versöhnung bereit sein“. Kinkel verweist darauf, dass nach den Vorschriften des Strafgesetzbuches auch für Ex-Terroristen eine vorzeitige Entlassung aus der Haft in Betracht kommt (Kinkel-Initiative).

10. April 1992:
Die RAF erklärt, dass sie die „Eskalation zurücknimmt“, „Angriffe auf Repräsentanten aus Wirtschaft und Staat“ vorerst nicht mehr erfolgen, da sie eine politische Diskussion führen wolle.

August 1992:
In dem sogenannten „August-Papier“ räumt die RAF ein, dass es ihr nicht gelungen sei, die Grundidee – den „Front-Gedanken“ – des „Mai-Papiers“ aus dem Jahr 1982 zu verwirklichen. 1988 sei ihr klargeworden, schreibt die dritte RAF-Generation in ihrem ersten Grundsatzpapier, dass der eingeschlagene Weg – Ermordung von Re-präsentanten des Staates – nicht zum Erfolg führen könne. Deshalb mühe sie sich nun darum, eine breite revolutionäre Basis herzustellen.

27. März 1993:
Das „Kommando Katharina Hammerschmidt“ verübt mit rund 200 Kilogramm Sprengstoff einen Anschlag auf die Justizvollzugsanstalt Weiterstadt bei Darmstadt. Schaden: rund 100 Millionen DM.

27. Juni 1993:
Bei einem Polizeieinsatz auf dem Bahnhof von Bad Kleinen (Mecklenburg-Vorpommern) kommen ein GSG-9-Beamter und Wolfgang Grams ums Leben. Birgit Hogefeld wird verhaftet. V-Mann Klaus Steinmetz hat die Polizei auf die Spur der beiden steckbrieflich gesuchten mutmaßlichen Terroristen geführt. Infolge dieses Einsatzes tritt Bundesinnenminister Rudolf Seiters zurück, Generalbundesanwalt Alexander von Stahl wird entlassen.

20. April 1998:
Auflösungserklärung der RAF: „Die Stadtguerilla in Form der RAF ist Geschichte“.

20. Juli 1999:
Überfall auf einen Geldtransporter in Duisburg-Rheinhausen. Es konnten Fingerabdrücke von zwei mutmaßlichen RAF-Angehörigen festgestellt werden.

15. September 1999:
Das mutmaßliche RAF-Mitglied Horst-Ludwig Meyer wird bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet. 


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