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„Islamischer Staat“ provoziert mit grausamen Bildern weiterhin einen westlichen Militäreinsatz in Syrien

Islamismus     12 | 2014

Im November 2014 konnte auf einschlägigen jihadistischen Internetseiten ein Propagandavideo der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) mit dem Titel „Auch wenn es den Ungläubigen zuwider ist“ festgestellt werden. Das Video wurde in den Medien durch die Tatsache bekannt, dass erneut eine westliche Geisel, ein US-amerikanischer Entwicklungshelfer, enthauptet wurde. Dieser Sachverhalt ist jedoch nur Bestandteil einer Reihe von Botschaften, die der IS in seinen Videos übermitteln möchte.


Zu Beginn wird mit zahlreichen älteren Aufnahmen die Entstehungsgeschichte des IS skizziert – der Einmarsch der US-Truppen 2003 im Irak und die Formierung des jihadistischen Widerstands gegen die Besatzer und deren irakische Verbündete. Insbesondere der frühere Führer der Gruppierung „al-Qaida im Irak“, Abu Mussab AL-ZARKAWI wird als Visionär der Bildung des späteren „Islamischen Staats“ verklärt. Die Gruppe wandte sich später von „al-Qaida“ ab und bildete unter der Umbenennung in „Islamischer Staat im Irak“ quasi den Vorläufer des irakischen Teils des heutigen IS.

Das zentrale Element des Videos ist jedoch die grausam detailliert gezeigte Massenenthauptung von 18 Piloten und Offizieren des syrischen Luftwaffenstützpunkts Taqba, den der IS im Oktober 2014 erobert hat. Diese Szene ist ein Beispiel dafür, wie der IS-Terror für im Rahmen der Propaganda inzwischen mit großer und gleichzeitig perfider Professionalität visualisiert wird. Zu sehen ist eine Reihe von unmaskierten Kämpfern in gleicher Tarnkleidung, die jeweils einen Gefangenen, der mit einem blauen Overall bekleidet ist, mit sich führen. Nacheinander greifen sich die Kämpfer mit inszeniertem finsterem Gesichtsausdruck in einzelnen Zeitlupensequenzen im Vorbeigehen ein großes gezacktes Kampfmesser aus einer bereitstehenden Kiste und stellen sich in einer Reihe auf. Als zentrale Figur tritt, maskiert und in schwarzer Kleidung, ein britischer Mehrfachmörder ins Bild, der in den Medien als „Jihad-John“ tituliert wurde; er reiht sich bei den übrigen Mördern ein. Die unmaskierten Gesichter der anderen Beteiligten lassen deutlich erkennen, dass es sich um Nichtsyrer handelt. Inzwischen wurden bereits mehrere der Mörder als Europäer identifiziert, darunter ist bislang jedoch kein Deutscher. „Jihad-John“ wendet sich an den US-Präsidenten Obama und den britischen Premierminister Cameron und droht, dass als nächstes diejenigen Soldaten sterben werden, die im Rahmen eines Einmarsches nach Syrien kommen. Danach enthaupten die Mörder ihre Gefangenen und legen die abgetrennten Köpfe auf deren Körper. In einem weiteren Abschnitt wird eine Wunschvorstellung des IS dargestellt: eine weitere Phase der Ausdehnung nach Nordafrika und auf die arabische Halbinsel.

Im letzten Abschnitt tritt erneut „Jihad-John“. auf. Er befindet sich in Dabiq, nördlich von Aleppo. Zu seinen Füßen liegt der Kopf des US-Entwicklungshelfers. Er beschuldigt die USA, sie seien schuld an dessen Tod, da sie für die Luftschläge im Irak und Syrien verantwortlich seien. Der IS bereite sich auf die letzte große Schlacht gegen die „Ungläubigen“ in Dabiq vor. Der Entwicklungshelfer sei der erste der in Dabiq getöteten Ungläubigen. Ihm würden viele folgen.

Laut islamischer Überlieferung handelt es sich bei Dabiq um jenen Ort, an dem die finale Schlacht zwischen den Römern (heute in der Regel auf den „Westen“ übertragen) und einer Armee der besten muslimischen Kämpfer stattfinden soll. Diese Schlacht soll die Apokalypse und den finalen Sieg der Muslime über die Christen einleiten. Die genaue geografische Lokalisierung des Schauplatzes der Endschlacht im Zentrum des IS-Machtgebiets übt zunehmend eine Faszination auf die Jihadisten weltweit aus, die sich verstärkt in Propagandabotschaften niederschlägt.

Die Produktion fällt durch ihre hohe Bildqualität ebenso auf wie durch eine bis in kleinste Details durchdachte Dramaturgie, die aufgrund der dargestellten Botschaft gezielt eine militärische Intervention des Westens provozieren will. Aus diesem Grund ist anzunehmen, dass dieses Video noch nicht das Ende derartiger Provokationen ist. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Propagandisten des IS weiter verstärkt auf die Wirkung von äußerst grausamen Bildbotschaften setzen – sowohl zur Provokation als auch zur Rekrutierung weiterer Kämpfer.