„Islamische Widerstandsbewegung“ (HAMAS)

Bei der HAMAS („Harakat al-muqawama al-islamiya“; „Islamische Widerstandsbewegung“) handelt es sich um eine palästinensische islamistische Bewegung. Sie wurde 1987 während der Ersten Intifada (palästinensischer Aufstand gegen Israel) als Ableger der palästinensischen „Muslimbruderschaft“ gegründet. 

In ihrer Gründungscharta werden die zentralen Ziele der Bewegung beschrieben: die Islamisierung der palästinensischen Gesellschaft und die Befreiung Palästinas von Israel, was langfristig zur Etablierung eines islamischen Staates führen soll. Die Islamisierung der Gesellschaft soll, wie in der Charta zu lesen ist, durch Bildungsprogramme erfolgen. Zur Befreiung Palästinas heißt es in Artikel 13 der Charta: „Die Palästina-Frage kann nur durch den Jihad gelöst werden.“ Im selben Artikel werden Verhandlungen mit Israel und Friedensinitiativen zudem kategorisch ausgeschlossen. 

Missionierung mit Sozialprogrammen

In der Praxis setzt die HAMAS in Hinblick auf die Islamisierung der Gesellschaft auf ein Zusammenspiel von Moscheen und sozialen Einrichtungen. Die Verbreitung ihrer religiösen Ideen und Vorstellungen erfolgt also dort, wo auch die sozialen Hilfsdienste angeboten werden. Hierbei ist eine entsprechende soziale Dynamik zu beobachten: Menschen, die dauerhaft Angebote des Sozial- und Wohltätigkeits-Netzwerks annehmen, folgen irgendwann auch den von der HAMAS propagierten religiösen Traditionen und Praktiken. Dies kann so weit gehen, dass devote Anhänger Druck auf die Bevölkerung ausüben, entsprechend dieser Normen zu leben.

Der Jihad, wie er in der Charta beschrieben wurde, zeigte sich in der Vergangenheit vorwiegend in Form von Selbstmordattentaten und Raketenangriffen. Zu betonen ist dabei die räumliche Begrenzung des Einsatzes von Gewalt: Die HAMAS führt ihren Kampf ausschließlich in Israel und den palästinensischen Gebieten.

Über ihre Ziele (die Islamisierung der palästinensischen Gesellschaft und die Befreiung Palästinas von Israel) avancierte die HAMAS zu einer populären nationalen Bewegung, die den Islam als Kernelement der palästinensischen Nationalität ansieht.

Unter den meisten Beobachtern besteht Einigkeit darüber, dass die Charta über die Jahre an Bedeutung verloren hat. Damit einhergehend hat sich die HAMAS von einer Massenbewegung mit vorwiegend militanten und wohltätigen Aktivitäten zur politischen Akteurin gewandelt und ist Teil der formellen Politik geworden. 2006 nahm sie an nationalen Parlamentswahlen teil (die von Wahlbeobachtern als demokratisch eingestuft wurden) und gewann dabei 56 Prozent der Sitze im palästinischen Parlament. Infolge des Wahlsieges kam es in den palästinensischen Gebieten zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen zwischen Anhängern der HAMAS und der dort zuvor regierenden Fatah.

Diese Auseinandersetzungen führten 2007 schließlich zur Etablierung eines bipolaren politischen Systems: Die HAMAS kontrolliert seitdem den Gazastreifen, während die Fatah die Palästinensische Autonomiebehörde im Westjordanland leitet. Wenngleich die Islamisierung der Gesellschaft im Gazastreifen vorangetrieben wurde, nahm die HAMAS jedoch Abstand von Plänen, einen islamischen Staat zu errichten. Stattdessen wird ihre Politik vom politischen und wirtschaftlichen Alltag und den alltäglichen Problemen der Gaza-Bevölkerung bestimmt.