You are here: Startseite > Arbeitsfelder > Ausländerextremismus  > Türkische Extremisten

Türkische Extremisten

Die in Deutschland lebenden Türken sind mit über 2 Millionen Personen (Baden-Württemberg ca. 347.000) die stärkste Gemeinschaft hier lebender Ausländer. Davon sind etwa 40.000 Personen (Baden-Württemberg über 6.000) in extremistischen Vereinigungen organisiert, was im Land einem Anteil von unter zwei Prozent entspricht. Die mit Abstand mitgliederstärksten Gruppierungen stellen die islamistischen Extremisten (bundesweit ca. 28.000 Mitglieder, Baden-Württemberg knapp 4.000). Die Anhänger linksextremistischer Gruppen und rechtsextreme Nationalisten unter den Ausländern bilden demgegenüber zahlenmäßig deutlich kleinere Blöcke (etwa 4.900 bzw. 7.800 Personen im Bundesgebiet, über 1.000 Links- und ca. 2.100 Rechtsextremisten in Baden-Württemberg). Vor allem die politischen Vorgänge in der Türkei bieten den hier lebenden Extremisten Anlass zu ihren Aktionen. Daneben greifen sie aber auch Themen auf, die sich aus dem Beziehungsgeflecht zwischen Deutschland und der Türkei ergeben.


Anhänger der Nationalistischen Bewegung 

In Baden-Württemberg ist die "Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland" ("Almanya Demokratik Ülkücü Türk Dernekleri Federasyonu", ADÜTDF) aktiv. Bei dieser Vereinigung handelt es sich um ein Sammelbecken von Anhängern der türkischen Nationalistischen Bewegung in Deutschland. Die ADÜTDF verfolgt Bestrebungen, die gegen den Gedanken der Völkerverständigung, vor allem gegen das friedliche Zusammenleben der Völker, gerichtet sind. Einen Schwerpunkt ihres Wirkens sieht die Vereinigung in der Jugendarbeit. In den vergangenen Jahren geriet allerdings verstärkt der nichtorganisierte Bereich der Ülkücü-Bewegung, der sich aus zum Teil gewaltbereiten Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund zusammensetzt, ins Blickfeld der Sicherheitsbehörden.


Linksextremistische Vereinigungen

Auch in der Türkei sind Gruppierungen am äußersten Rand des „linken" politischen Spektrums aktiv. Ihre parlamentarische Vertretung konnte zur Mitte der sechziger Jahre einen gewissen Erfolg verbuchen, zerfiel aber schnell in verschiedene, sich gegenseitig neutralisierende Gruppen. Ungeachtet der politischen Erfolglosigkeit blieben die marxistisch-leninistischen sowie maoistischen Ideologien nicht ohne Anziehung auf - insbesondere männliche - Jugendliche, deren Zukunftsaussichten in der Türkei, einem Land mit beträchtlichen wirtschaftlichen und sozialen Problemen, trübe sind. Ende der 70er Jahre boten die überfüllten türkischen Universitäten studentischen Ideologen den geeigneten Freiraum und wurden so zu „Brutstätten des Terrorismus". Vor dem Militärputsch von 1980 in der Türkei zeigten sowohl Rechts- als auch Linksextremisten eine ungehemmte Gewaltbereitschaft, die damals täglich 20 bis 30 Menschenleben kostete. Diese Neigung zur Gewalt blieb ein Kennzeichen der Gruppierungen des linksextremistischen türkischen Lagers auch in der Bundesrepublik Deutschland. Verbale Militanz, das ausschließliche Denken in Kategorien eines fortwährenden Kampfes in allen Lebenslagen, Hetze gegen Andersdenkende nicht nur auf Seiten der „Rechten", sondern auch innerhalb des „linken" Spektrums, ist mehr als nur eine Brutalisierung des politischen Diskurses. Da die Kader linksextremistischer Gruppen von der absoluten Wahrheit ihrer Ideologie überzeugt sind, findet eine Diskussion nicht statt, weder mit dem „inneren Feind" und schon gar nicht mit dem äußeren, der meist undifferenziert und bis ins Groteske gesteigert als „imperialistisch, faschistisch" oder „sozialfaschistisch" gebrandmarkt wird.

Kennzeichnend für alle Gruppierungen ist die starke Disziplinierung ihrer Mitglieder. Das streng gehandhabte Prinzip des „Demokratischen Zentralismus" reduziert die einfachen Parteigenossen auf die Funktion von Befehlsempfängern mit geringen Mitbestimmungsmöglichkeiten. Auch der Hang zum Personenkult unterstützt eher autokratische als demokratische Elemente. Die zahlreichen von türkischen Linksextremisten verbreiteten Druckerzeugnisse spiegeln die Spaltungen innerhalb des an ideologischen, aber auch an persönlichen Differenzen krankenden „linken" Lagers wider.