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Subkulturell geprägter Rechtsextremismus

Zum subkulturell geprägten rechtsextremistischen Spektrum zählen hauptsächlich die Angehörigen der rechtsextremistischen Skinheadszene, die als Subkultur einzustufen ist. Deren bisweilen neonazistischer Charakter wird bei der Analyse der Lieder erkennbar, die einschlägige Bands veröffentlicht haben.
Die Skinheadbewegung ist in den 1960er Jahren in Großbritannien entstanden und trat Ende der 1970er Jahre erstmals auch im Bundesgebiet in Erscheinung. Ursprünglich handelte es sich um eine jugendliche Subkultur, deren äußeres Erscheinungsbild die massive Ablehnung der bürgerlichen Gesellschaft und die Zugehörigkeit zur Arbeiterklasse signalisieren sollte. 

Nicht alle Skinheads in Deutschland sind Rechtsextremisten. So findet man einerseits die weitgehend unpolitischen Skinheads, die sich selbst als „Oi!-Skins“ bezeichnen – wobei dieser Begriff nicht abschließend definiert ist und auch innerhalb der rechtsextremistischen Skinheadszene Verwendung findet. Andererseits gibt es Personen, die „linkes“ oder sogar linksextremistisches Gedankengut verinnerlicht haben und zum Teil eindeutig antirassistisch geprägt sind, sogenannte „Redskins“ oder die „SHARP-Bewegung“ („Skinheads Against Racial Prejudice“ – „Skinheads gegen Rassenvorurteil“). Diesen unterschiedlichen Skinheadgruppen ist lediglich die ausgeprägte Gewaltbereitschaft gemein. 

Typisch für die rechtsextremistische Skinheadszene sind: ein verbreitetes Desinteresse an ideologisch-politischen Fragen, Oberflächlichkeit, Widersprüchlichkeit und Unreflektiertheit der eigenen „Überzeugungen“, primitiv-proletenhaftes Auftreten, Disziplinlosigkeit, Unfähigkeit und mangelnder Wille, sich in Parteien oder Vereinen zu organisieren, sowie der hohe identitätsstiftende und freizeitorientierte Stellenwert von szeneeigener Musik und Konzerten.

Dem mangelnden Willen der Szene zur Selbstorganisation in Vereinigungen ist es geschuldet, dass die deutsche Sektion der international agierenden „Hammerskins“ die einzige bundesweit aktive Skinheadorganisation in Deutschland ist. Gegründet 1988 in den USA, traten diese in der Bundesrepublik erstmals Anfang der 1990er Jahre in Erscheinung. Ihr Ziel ist es, die Skinheads in einer sogenannten Hammerskin-Nation zu vereinen. Die Aktivitäten der regional in „Chapter“ untergliederten Organisation konzentrieren sich auf die Selbstorganisation der „Hammerskin“-Bewegung sowie auf die Planung und Durchführung rechtsextremistischer Konzerte.

Im Bereich der rechtsextremistischen Skinheadszene hat sich durch die Gemengelage aus diffusem politischem Weltbild, ausgeprägter Gewaltbereitschaft und deutlich verminderter Hemmschwelle durch hohen Alkoholkonsum ein besonderes Gefahrenpotenzial entwickelt. Dabei sind jederzeit spontane gewalttätige Aktionen möglich, die sich vollkommen wahllos gegen jeden richten können, der in den Augen dieser Personen als fremd oder „undeutsch“ erscheint.

Obwohl die Anzahl rechtsextremistischer Skinheads insgesamt seit Jahren rückläufig ist, stellen sie im Bund wie im Land Baden-Württemberg den Großteil der gewaltorientierten Rechtsextremisten. Landesweit sank ihre Zahl 2017 weiter auf ca. 350 (2016: ca. 380), womit sich die langjährige Tendenz fortsetzte. Acht rechtsextremistische Skinheadbands (2016: acht) waren hier aktiv. Hatte es 2016 nur noch einen entsprechenden Vertrieb gegeben, so unterhielt 2017 eine einzelne Person in Baden-Württemberg solche Angebote unter drei verschiedenen Bezeichnungen im Internet.


Informationen über die subkulturell geprägte rechtsextremistische Szene in Baden-Württemberg 2017 finden Sie im aktuellen Verfassungsschutzbericht ab Seite 132.