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Jihadismus

Jihadismus bezeichnet den islamistisch geprägten Terrorismus. Jihadisten sind Islamisten, die eine Islamisierung der Gesellschaft nicht durch friedliche Mittel, sondern mit Gewalt durchsetzen möchten.
 
Das Wort Jihadismus leitet sich vom arabischen Begriff „jihad“ („Anstrengung“ oder „Bemühung“) ab. Im Koran kommt der Begriff über 30 Mal vor, meist im Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen. Im Lauf der islamischen Geschichte unterlagen Begriff und Praxis des Jihad einem Wandel.
 
Die meisten islamischen Gelehrten verstanden den Jihad zunächst im militärischen Sinn. Im Mittelalter gab es Überlegungen zur Reglementierung des Jihad und der Kriegsführung. Zwar stellten diese Gedanken kein einheitliches und kodifiziertes Recht dar, doch waren sich die muslimischen Theologen in vielen Punkten einig. Sie suchten Antworten auf Fragen wie: Wer soll den Jihad führen? Wie soll der Krieg geführt werden? Wie ist mit dem eroberten Kriegsgebiet und der Zivilbevölkerung umzugehen? Die verschiedenen Rechtsvorschriften der islamischen Gelehrten zu jener Zeit zeigen das Bemühen um hohe moralische Werte und klare Maßstäbe für den Jihad: So konnte der Jihad nur vom „Anführer der Gläubigen“, dem obersten politischen Amt, ausgerufen werden. Ebenso durften nur Kombattanten, also Anhänger der feindlichen Armee und deren Zuarbeiter, bekämpft werden, nicht aber Zivilisten. Auch wurde bestimmt, dass keine Bäume zu Schaden kommen durften. Diese Regel beruhte auf der Bedeutung der Dattelbäume für die damalige Ernährung der Menschen auf der arabischen Halbinsel. Zudem musste der Gegner vor dem Kampf öffentlich zum Übertritt zum Islam aufgefordert werden.
 
Die Welt wurde in zwei Sphären eingeteilt, das „dar al-Islam“ („Haus des Islam, d. h. alle Gebiete unter muslimischer Herrschaft) und das „dar al-harb“ („Haus des Krieges“, gemeint sind alle anderen Gebiete). Die Rechtsgelehrten einigten sich darauf, das „dar al-Islam“ so lange auszudehnen, bis auch das „dar al-harb“ dem islamischen Recht unterworfen sei. Erst im 19. Jahrhundert wurde der Jihad zum Verteidigungskrieg angegriffener islamischer Länder umgedeutet.
 
Die Theorie der islamischen Gelehrten entsprach jedoch nicht immer der politischen Praxis. Muslime führten den Jihad lange Zeit vorrangig gegen andere Muslime, und auch heute gibt es Beispiele für den Jihad gegen Regime muslimischer Staaten, z.B. im syrischen Bürgerkrieg. Später kam der Jihad gegen die Kolonialmächte hinzu. Heute unterteilt man den kriegerischen Jihad in zwei Strömungen: den transnationalen Jihad (etwa von „al-Qaida“ und dem „Islamischen Staat“/IS) und jihadistische Bewegungen, die regional begrenzt agieren (hierzu zählen HAMAS und „Hizb Allah“).
 
Heutige Jihadisten nehmen keine Rücksicht auf die traditionellen Regelungen zu Voraussetzungen und Durchführung des Jihad, die z. B. das Töten von Zivilisten im Jihad und die Kriegsführung im Fastenmonat Ramadan ablehnten. Damit reduzieren sie den Jihad auf den gewaltbereiten Aspekt des mittelalterlichen Konzepts. In dieser Form weist der Jihad die zentralen Charakteristika des Terrorismus auf: Als politisch, ideologisch oder religiös motivierte Tat, mit der Anwendung von physischer Gewalt (auch gegen Unbeteiligte) und dem Verbreiten von Angst und Schrecken.
 
Neben diesen Entwicklungen des Jihad als kriegerische Auseinandersetzung gab es im 9. Jahrhundert islamische Gelehrte, die den Begriff „jihad akbar“ (großer Jihad) als Kampf gegen die inneren Triebe einführten. Diese Frömmigkeitsübung schloss die Teilnahme am militanten Jihad jedoch nicht aus, sondern bildete einen anderen Aspekt des Jihad-Konzepts. Ab dem 19. und 20. Jahrhundert etablierte sich eine Bewegung muslimischer Reformer, die sich für die Entmilitarisierung des Jihad-Begriffs einsetzte. Die Beteiligten führten Argumente an, den Jihad mehr im moralischen und spirituellen Sinne zu verstehen. Diese Interpretation ist heute unter vielen liberalen und säkularen Muslimen verbreitet.