You are here: Startseite > Arbeitsfelder > Islamismus > Islam und Islamismus > Islamistische Strömungen

Islamistische Strömungen

Der Islamismus ist kein einheitliches Phänomen. Sowohl die Schwerpunkte, die Islamisten in Hinblick auf ihre Ziele setzen, als auch ihre Strategien können sehr unterschiedlich sein. Es gibt Islamismus, der sich aus der sunnitischen Konfessionsgemeinde des Islams ableitet, und schiitischen Islamismus.

Im Islamismus existieren verschiedene Strömungen, deren Vertreter in ideologischer Hinsicht Gemeinsamkeiten aufweisen; sie unterscheiden  sich in diesem Punkt von anderen Strömungen. Als islamistische Hauptströmungen gelten das „Muslimbruderschafts“-Spektrum und der Wahhabismus/Salafismus, bei beiden handelt es sich um Formen des sunnitischen Islamismus. 

Die hier vorgestellten Strömungen sind Prototypen. In der Praxis lässt sich jedoch eine gegenseitige Beeinflussung beobachten. Zuweilen ist eine eindeutige Zuordnung bestimmter Personen und Gruppen zu einer konkreten Strömung nicht möglich.

Wahhabismus

Der Wahhabismus entstand im 18. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel als soziale und politische Bewegung und geht auf die Lehren des Theologen Mohammed Ibn Abd al-Wahhab zurück. Kern dieser Lehren ist die Rückbesinnung auf einen vermeintlich reinen Islam, eine extreme Interpretation des Monotheismus (tauhid) und die strenge Anwendung von Rechtsvorschriften. Infolge eines Paktes mit einem lokalen politischen Führer, Muhammad Ibn Saud, gelang es al-Wahhab, seine Lehre auf der gesamten arabischen Halbinsel zu verbreiten. 1932 ging dieses Bündnis im Königreich Saudi-Arabien auf, der Wahhabismus wurde zur Staatsreligion. Ein besonderes Kennzeichen der Wahhabiten ist ihre absolute Loyalität zum Königreich. 

Salafismus

Der Salafismus wiederum entstand durch Veränderungen der wahhabitischen Lehre außerhalb von Saudi-Arabien und wurde durch Gedankengut der ägyptischen „Muslimbruderschaft“ beeinflusst. Für den Salafismus sind überdies mindestens zwei Unterströmungen zu beobachten: der politische und der jihadistische Salafismus. Während die politischen Salafisten die Umgestaltung von Staat und Politik, Gesellschaft und Kultur vorwiegend durch Missionierung (daʼwa) erreichen wollen, setzen jihadistische Salafisten auch Gewalt ein, um die propagierten Ziele zu erreichen. 

In der Glaubenslehre weisen die verschiedenen salafistischen Strömungen und Gruppierungen jedoch deutliche Gemeinsamkeiten auf: Sie vertreten eine extreme Interpretation des Monotheismus, nach der ausschließlich Gottes Gesetz befolgt werden darf. Diejenigen, die sich nach von Menschen gemachten Gesetzen richten, gelten als Abtrünnige. Als einzige Grundlage der Glaubenslehre gelten der Koran und die Berichte über die Lebenspraxis Mohammeds (sunna); beide sind wortwörtlich auszulegen. Des Weiteren glorifizieren die Salafisten die Frühzeit des Islams und die Taten der „frommen Altvorderen“ (as-salaf as-salih), der Urgemeinde um den Propheten. Der Begriff Salafismus leitet sich von der Orientierung an dieser Generation ab. Darüber hinaus fühlen sich die Salafisten als Auserwählte – was mit einer Abgrenzung zu allen Nicht-Salafisten einhergeht, die sie als Ungläubige (kuffar) ansehen.

"Muslimbruderschaft"

Das „Muslimbruderschafts“-Spektrum eint eine Ideologie und weist zugleich auf eine konkrete Organisation bzw. deren Ableger hin. Weiterführende Informationen zur Ideologie und Organisation der ägyptischen „Muslimbruderschaft“ erhalten Sie hier.