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Der „Islamische Staat“ (IS)

Die terroristische Organisation „Islamischer Staat“ (IS) ist in der Vergangenheit unter verschiedenen Namen aufgetreten. Gegründet wurde sie im Jahr 2000 von Abu Musab AZ-ZARQAWI als „Tauhid“-Gruppe (tauhid = Bekenntnis zur Einheit Gottes). Zunächst war die Gruppe in Afghanistan ansässig und konzentrierte ihre Aktionen vor allem gegen das jordanische Königshaus. Als fernes Ziel wurde die Befreiung Palästinas propagiert. Beide Ziele spiegeln die damalige interne Zusammensetzung der Gruppe wider, die zum Großteil aus Palästinensern und Jordaniern bestand. 

Im Jahr 2001 verlegte die Gruppe ihre Operationsbasis in den Irak und nannte sich dort „Tauhid wa-l-Jihad“. Mit dem Ortswechsel änderte sich auch die Zielsetzung: „Tauhid wa-l-Jihad“ richtete ihre Aktivitäten nun gegen irakische Schiiten und gegen das westliche Militär, das die irakische Regierung unterstützte. Damit zielte die Organisation auf den „nahen“ (irakische Regierung) sowie den „fernen Feind“ (westliches Militär). Der neue Name, als Hinweis auf die strenge Auslegung des Ein-Gott-Glaubens, und die geänderte Zielsetzung belegen deutlich den salafistischen Charakter der Gruppe. 

„Tauhid wa-l-jihad“ ordnete sich 2004 „al-Qaida“ unter und nannte sich fortan „al-Qaida im Zweistromland“. Mit der Angliederung bekam die Gruppe Zugriff auf Finanzquellen und Rekrutierungsnetzwerke von „al-Qaida“, de facto blieb die Gruppe unter AZ-ZARQAWI jedoch eine unabhängige Organisation. „Al-Qaida“ und der Ableger im Irak hatten mit der Vertreibung der US-Armee zwar ein wichtiges gemeinsames Ziel. Dennoch vertrat die Gruppe um AZ-ZARQAWI mit ihren anti-schiitischen Attentaten und ihrem äußerst brutalen Vorgehen im Irak eine andere jihadistische Strategie als die Zentrale der „al-Qaida“ in Afghanistan. 

Im Jahr 2006 kam es zu einem erneuten Namenswechsel in „Islamischer Staat im Irak“ (ISI). Die Differenzen mit der „al-Qaida“-Zentrale verstärkten sich in den folgenden Jahren. Der endgültige Bruch erfolgte 2013, nachdem die Gruppe Aktivitäten in Syrien forcierte und sich in „Islamischer Staat im Irak und Syrien“ (ISIS) umbenannte. Dies führte zu schließlich zu Konflikten mit dem „al-Qaida“-Ableger in Syrien, der damals unter dem Namen „al-Nusra-Front“ agierte (dann „Jabhat Fath al-Sham“ und heute "Hai'at Tahrir al-Sham").

Zur gleichen Zeit eroberte ISIS immer mehr Städte und Gebiete im Irak. Vermehrt schlossen sich ihr ausländische Kämpfer an: aus Saudi-Arabien, Marokko, Tunesien, Libyen, Jordanien, der Türkei, Tschetschenien und Aserbaidschan sowie auch aus europäischen Ländern (vor allem aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland). Aus der einst lokal aktiven Gruppe formte sich so zunehmend eine internationale Terrororganisation. 

Im Jahr 2014 rief der aktuelle Führer der Gruppe, Abu Bakr AL-BAGHDADI, das „Kalifat“ namens „Islamischer Staat“ aus, das sich über Teile Syriens und Iraks erstreckt. Die Organisation etablierte pseudostaatliche und totalitäre Strukturen, berief eigene Minister und führte den Gold-Dinar als neue Währung ein. Durch die Einnahme von Steuern und Zöllen, den Verkauf von Gas und Erdöl, den Handel mit erbeuteten Kulturgütern sowie durch Spenden von Privatpersonen verfügt der IS über eine bedeutende finanzielle Ausstattung. Die Organisation führte die Scharia als Rechtsgrundlage ihres Hoheitsgebiets ein, was die Anwendung von Körperstrafen (Steinigung, Abtrennen von Händen usw.) beinhaltet. Bereits banale Verfehlungen straft die Organisation mit Hinrichtungen. Ab 2015 kam es unter dem Banner des IS auch in Europa und den USA zu Anschlägen. In den meisten Fällen hatten die Attentäter jedoch keine vorherige Verbindung zum IS, sondern folgten vielmehr dem Aufruf der Organisation zu individuell durchgeführten Taten. 

Informationen zu den Aktivitäten und Entwicklungen des IS finden Sie auch im Verfassungsschutzbericht 2016 ab Seite 57.