ADÜTDF | Ideologie

Ideologisch bekennen sich die ADÜTDF und ihre Mitgliedsvereine zu Alparslan TÜRKES, dem 1997 verstorbenen Gründer der MHP. Der ehemalige Oberst wird weiterhin uneingeschränkt als „Basbug“ („Führer“) verehrt. Die Ideen von TÜRKES sind in seiner „Neun-Lichter-Doktrin“ zusammengefasst, die als programmatische Basis für seine Anhänger gilt. Wesentliche Komponenten der Doktrin sind „Milliyetcilik“ („Nationalismus“), „Ülkücülük“ („Idealismus“) und „Ahlacilik“ („Moralismus“). Die übersteigerte Auslegung dieser Werte macht den antidemokratischen Charakter dieser Organisation aus: Extremer Nationalismus, gepaart mit der Vorstellung einer ethnisch homogenen Gesellschaft, führt zu Intoleranz gegenüber anderen Völkern. Ein extremer Moralismus zieht starke soziale Kontrolle und damit Einschränkungen der individuellen Freiheit nach sich.

Die MHP – und mit ihr die ADÜTDF – stützt sich hauptsächlich auf die Idee einer „Großtürkei“ in den Grenzen des Osmanischen Reiches und der Vereinigung aller Turkvölker vom Balkan bis Zentralasien. Weiterhin pflegt die Nationalistische Bewegung zur Untermauerung ihrer Politik seit jeher auch rassistische und politische Feindbilder. Dies schlägt sich in einer aggressiven Rhetorik gegen die türkische Regierungspartei „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (AKP) und die „Arbeiterpartei Kurdistans“ (PKK) nieder. Durch beide sieht sie die nationale Identität und Einheit der Türkei gefährdet.

Der Begriff des „Europäischen Türkentums“ („Avrupa Türklügü“) als Synonym für die türkisch-nationalistische Identität in Europa wurde von der MHP entscheidend mitgeprägt. Er umfasst die Personen mit türkischem Migrationshintergrund, die zwar ihren Lebensmittelpunkt in Europa haben und zum Teil auch die Staatsbürgerschaft ihres Aufenthaltslandes angenommen haben, sich aber dennoch in erster Linie über ihre türkisch-islamisch-nationalistische Identität definieren. Die ADÜTDF tritt mit dem Anspruch auf, diejenige Instanz zu sein, die diese türkisch-islamisch-nationalistische Identität am Leben erhält und gegen Assimilationsforderungen z. B. der deutschen Gesellschaft verteidigt. Der Erwerb der Staatsangehörigkeit des Aufenthaltslandes dient dabei der Etablierung dieses „Europäischen Türkentums“ sowie seiner Interessen innerhalb der politischen, sozialen und kulturellen Institutionen vor Ort.
 

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