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„Hizb Allah"“

Die schiitisch-islamistische „Hizb Allah“ („Partei Gottes“) wurde um 1982 während des libanesischen Bürgerkriegs gegründet. Zu ihrer Gründung hatten die Revolution in Iran 1979 und die israelische Invasion in den Südlibanon 1982 geführt. Im Zuge der israelischen Besatzung schickte der geistliche Führer Irans, Ruhollah Khomeini, Angehörige einer paramilitärischen Einheit (die Iranische Revolutionsgarde) in den Libanon, die dort die „Hizb Allah“ aufbauten.

Als primäres Ziel proklamierte die Organisation die Revolution nach iranischem Vorbild, die sich aus dem kämpferischen Jihad gegen die israelischen Besatzer entwickeln sollte. Sie hält enge Verbindungen zu den staatlichen Institutionen in Iran und wird von dort finanziell unterstützt sowie mit Waffen ausgestattet.

Ihre militante, antiwestliche und antiisraelische Haltung demonstrierte die „Hizb Allah“ während des libanesischen Bürgerkriegs mit Guerillataktik, Geiselnahmen und Selbstmordattentaten auf westliche Ziele. Den Abzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon im Jahr 2000 feierte sie als „historischen Sieg“; seither beansprucht sie das Gebiet für sich. Der Generalsekretär der Organisation, Hassan NASRALLAH, bekräftigt regelmäßig das Festhalten am militanten Kampf gegen Israel. 

Popularität gewann die „Hizb Allah“ jedoch vor allem mit ihrem wohltätigen Engagement im Libanon: Sie verfügt über ein Netzwerk aus Schulen, Krankenhäusern und Waisenhäusern. Darüber hinaus betreibt sie mit dem TV-Sender „al Manar“ und auf zahlreichen Internetseiten intensive Medienarbeit.

In den 1990er Jahren nahm die Organisation innenpolitisch eine pragmatische Haltung ein. Sie gliederte sich als Partei in die staatliche Politik ein, nahm fortan an Parlamentswahlen teil und ist seit 2005 im Kabinett vertreten. Die Frage nach der Gültigkeit ihres ursprünglichen Ziels, einen islamischen Staat zu etablieren, gilt als umstritten. 

Im syrischen Bürgerkrieg unterstützt sie seit 2011 das Assad-Regime, das weiterhin ein strategischer Partner der „Hizb Allah“ ist: Waffen aus dem Iran erhält die „Hizb Allah“ grundsätzlich über den Landweg via Syrien. 

In Deutschland machen „Hizb Allah“-Mitglieder und -Sympathisanten vor allem im Zusammenhang mit dem „al-Quds-Tag“ („Jerusalem-Tag“) auf sich aufmerksam. Dieser Feiertag wurde von Khomeini 1979 ins Leben gerufen und soll die Solidarität mit dem palästinensischen Volk symbolisieren. Zumeist geschieht dies in Verbindung mit anti-amerikanischen und anti-israelischen Parolen bei Demonstrationen. Bundesweit hatte die „Hizb Allah“ im Jahr 2016 etwa 950 Anhänger, in Baden-Württemberg gehörten ihr 2017 etwa 90 Personen an.


Informationen zu den Aktivitäten der „Hizb Allah“ finden Sie auch im aktuellen Verfassungsschutzbericht ab Seite 66.