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Der weltbekannte Prediger al-ARIFI tourt durch Deutschland

Islamismus     1 | 2013

Der populäre saudische Gelehrte Muhammed al-ARIFI besuchte zwischen 31. Dezember 2012 und 3. Januar 2013 die deutschen Städte Mainz, Heidelberg und Berlin und hielt dort Vorträge in verschiedenen Moscheen. Dabei hatte er sehr großen Zulauf aus verschiedenen salafistischen Szenen.

Die Reise und der Besuch wurden sehr kurzfristig in sozialen Netzwerken wie Facebook, Internetforen und Twitter angekündigt. Al-ARIFI hat bei Twitter inzwischen 3,8 Millionen Follower. Diese große Zahl wird allerdings von verschiedenen Seiten angezweifelt, dennoch kann dies als erneuter Beleg für die enorm gestiegene Bedeutung des Social Web für die Verbreitung salafistischer Vorstellungen gelten.

Hier in Deutschland ist al-ARIFI in salafistischen Kreisen ebenfalls sehr populär, da er über YouTube mit zahlreichen, teils sehr emotionalen Videoclips bekannt wurde. Diese Filme wurden und werden immer wieder von seinen Fans mit deutschen Untertiteln versehen. Dadurch erlangte er auch eine gewisse Bekanntheit bei Anhängern salafistischer Kreise im deutschsprachigen Raum. Diese Attraktivität und Bekanntheit ist dem Landesamt für Verfassungsschutz seit mehreren Jahren aufgefallen, denn seit 2007 besuchte er u. a. immer wieder Berlin. Im vergangenen Jahr sollte er am 15. Dezember in der Schweiz auf der Jahreskonferenz des Islamischen Zentralrats der Schweiz auftreten. Dieser Auftritt hat nicht stattgefunden, da die Schweizer Behörden am 13. Dezember ein Einreiseverbot verfügten; es wurde damit begründet, dass al-ARIFI eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung sei. Hintergrund dieses Einreiseverbots sind die Reden des promovierten Theologen und wahhabitischen Predigers, die sich oft gegen den Westen, aber auch gegen Schiiten, Juden und Homosexuelle richten. Seine Unterstützung syrischer Aufständischer soll ihm zu großer Popularität verholfen haben. Entsprechende Äußerungen fanden sich in seinen Videoclips. Es bestünde die Gefahr, so die Schweizer Stellen, dass al-ARIFI bei einem Auftritt in der Schweiz radikalisierend auf junge Muslime einwirke und diese mit seinen Reden dazu animieren könne, in den bewaffneten Kampf zu ziehen.

Am 1. Januar 2013 besuchte al-ARIFI Heidelberg. Er trat nach dem Mittagsgebet in der Moschee des „Vereins für Muslime in Heidelberg e. V.“ auf. Dieser Auftritt wurde als dreiteiliges Video veröffentlicht. Die Sichtung dieses Films und eine oberflächliche Auswertung verschiedener Twitter-Accounts zeigten, dass sich in dieser Moschee führende Protagonisten unterschiedlicher salafistischer Einrichtungen getroffen haben. So waren etwa Mohammed CIFTCI alias Abu Anas, Neil bin RADHAN (Vorstandsmitglied des „Hohen Rates der Gelehrten und Imame in Deutschland e. V.“/HRGID), Osman RIZGAR (Vorsitzender der „Gemeinschaft deutschsprachiger Muslime e. V.“/GDM in Pforzheim), Fatih EID (Vorsitzender des HRGID) und ein Vertreter der Frankfurter salafistischen Gruppe „DAWAFFM“ anwesend. Besonders einige junge saudische Studenten scheinen von al-ARIFI beeindruckt gewesen zu sein. Dies dokumentierten sie in ihren jeweiligen Twitter-Accounts. Vor allem auf dem Konto von al-ARIFI selbst wurden Aufnahmen des Auftritts in Heidelberg veröffentlicht.

In seinem Vortrag war er von den Bekehrungen von Nicht-Muslimen zum Islam in Deutschland und Europa begeistert und schilderte anekdotenreich eigene Erfahrungen als Da’i (Missionar). Zu Beginn seiner Rede machte er sich auch über die Evolutionslehre in äußerst plumper Weise lustig.

Zur Person al-ARIFIs

Eine kurze Recherche zu den Aktivitäten al-ARIFIs zeigte, dass er explizit zum Jihad in Syrien aufruft. Das entsprechende Video wurde auch mit deutschen Untertiteln weiterverbreitet. In seinen Veröffentlichungen befasst sich al-ARIFI häufig sehr ab-lehnend und abwertend mit Personen und Praktiken im schiitischen Islam. Dies ging so weit, dass er bei den Kämpfen zwischen saudischen Truppen und schiitischen Houthi-Rebellen im Januar 2010 im Jemen die Front demonstrativ – teilweise in Mili-tärkleidung – besuchte, um die saudischen Soldaten moralisch aufzubauen. Gleich-zeitig zeigte er damit eine symbolische Teilnahme und Unterstützung des Jihad ge-gen die „Feinde des Landes“. Darüber hinaus finden sich zahlreiche Beispiele für seine streng wahhabitischen bzw. salafistischen Vorstellungen in Bezug auf die Be-handlung von Frauen oder Homosexuellen. Noch expliziter sind seine Äußerungen, wenn er sich in seinen Vorträgen gegen die Juden richtet. Wie bei salafistischen ext-remistischen Gelehrten beinahe üblich, bezeichnet auch al-ARIFI Juden als „Enkel der Affen und Schweine“. Ebenso nannte er sie „geldgierig und selbstsüchtig“.

Seine Unterstützung der verschiedenen Aufstände in der arabischen Welt gegen die jeweiligen „Unrechtsregimes“ in emotionalen Reden brachte ihm eine enorme Popu-larität ein. In diesen „Revolutionen“ sieht er Vorstufen zur Wiederherstellung eines islamischen Kalifats mit entsprechenden Gesetzen.

Wie umstritten der Prediger selbst in arabischen Staaten sein kann, zeigte in den arabischsprachigen Medien der jüngste Skandal: Dem saudischen Prediger wurde nachgesagt, er habe die Kämpfer in Syrien auf Twitter zu Massenvergewaltigungen und Zeitehen aufgerufen. Dies stellte al-ARIFI am Ende seines Vortrags in Heidel-berg in Abrede und machte deutlich, dass hier eine Kampagne im Internet gegen ihn geführt werde. Im vergangenen Jahr wurden Fernsehauftritte und seine Twitter-Rechtsgutachten in den Vereinigten Arabischen Emiraten untersagt, nachdem er den Emir von Kuwait heftig als nicht islamisch legitimen Herrscher attackiert haben soll.

Aus al-ARIFIs Lebenslauf, den er auf seiner Internetseite veröffentlichte, geht hervor, dass der am 16. Juli 1970 geborene saudische Gelehrte zunächst Medizin studierte und später an der Imam-Muhammad-bin-Saud-al-Islamiyya-Universität in Riad/Saudi-Arabien seine Abschlüsse geschrieben haben soll. Seine Magisterarbeit befasste sich mit Schriften des sunnitischen Gelehrten Ibn Qayyim al-Jauziya (1292–1350), eines Schülers Ibn Taimiyas (1263–1328). Seine Doktorarbeit schrieb er über „Die Meinungen des Ibn Taimiyas über den Sufismus“. Er studierte u. a. Tafsir (Koran-Exegese) bei Abd al-Aziz bin Abdallah BIN BAZ (1993 bis 1999), Fiqh (islamische Rechtswissenschaft) und Tauhid (Lehre vom einen Gott) bei Abdullah bin JIBRIN (1993 bis 2001) sowie Fiqh bei Abd dar-Rahman bin Nasr al-BARRAK(1995 bis 1998). Dabei handelt es sich um Gelehrte, die in salafistischen Kreisen über erhebliches Renommee verfügen.

Heute ist al-ARIFI vor allem als Multifunktionär in verschiedensten Gremien und Ein-richtungen zur Verbreitung des Islam (Da’wa-Büros) in Saudi-Arabien tätig und ist z. B. im vergangenen Jahr in zahlreiche Länder gereist, um dort die Da’wa-Arbeit zu fördern. Unter anderem war er im zweiten Halbjahr 2012 in Thailand, Kuala Lum-pur/Malaysia, Australien, Tunesien und am 4. Dezember 2012 mit einer hochrangi-gen Delegation im Gazastreifen. Im Januar 2013 besuchte er, nach seinen Auftritten in Deutschland, verschiedene Veranstaltungen in Ägypten. Außerdem ist al-ARIFI in der arabischsprachigen Welt auch auf Grund seiner Sendungen in verschiedenen Kanälen besonders beim TV-Kanal „Iqra“ sehr bekannt.

Somit dürfte sich seine Popularität, trotz Einreiseverbots in den Schengen-Raum, in naher Zukunft in Deutschland sogar eher noch steigern. Hier ist ein populärer dyna-mischer Scheich, der in klaren einfachen Worten unterhaltsam sein Publikum an-spricht und dabei gerne aktuelle Themen aufgreift. Diesen Trend kann man inzwi-schen in den Kommentaren in den einschlägigen sozialen Netzen ablesen, die ihn als Prediger eines authentischen Islam feiern.