„Islamische Gemeinschaft Milli Görüş e. V.“ (IGMG)

Die „Milli-Görüş“-Bewegung („Milli Görüş“ = „Nationale Sicht“) wurde Ende der 1960er Jahre in der Türkei durch Necmettin ERBAKAN gegründet. Der  türkische Ingenieur und Politiker kritisierte den westlichen Einfluss in der Türkei mit dezidiert anti-westlicher und anti-säkularer Rhetorik. Seine Vision war ein Staat, in dem das öffentliche wie private Leben nach islamischen Werten und Normen ausgerichtet ist. Dabei scheint ihn Sayyid QUTB, ein Ideologe der ägyptischen „Muslimbruderschaft“, stark beeinflusst zu haben. 

Ab 1970 organisierte sich diese Bewegung in der Türkei in Parteien. ERBAKAN nutze also den geltenden rechtlichen Rahmen und das bestehende politische System. Auch die derzeitige türkische Regierungspartei AKP steht in der „Milli-Görüs“-Tradition. 

Heute ist die „Milli-Görüş“-Bewegung ein Sammelbecken verschiedener Organisationen. In Deutschland ist die „Islamische Gemeinschaft Milli Görüş e.V.“ (IGMG) die bedeutendste Vertreterin dieses Spektrums. Ihre Anfänge reichen bis in die 1970er Jahre zurück: Die Entstehungsgeschichte führte über die „Türkische Union in Europa e. V.“ (1976), die „Islamische Union in Europa e.V.“ (1982) und die „Avrupa Milli GörüşTeşkilatlari Teskilatlari“ (AMGT, 1985) bis zur Gründung der heutigen IGMG sowie der „Europäischen Moscheebau- und Unterstützungsgemeinschaft“ (EMUG) im Jahr 1995.

Die IGMG gilt in Deutschland als bedeutendste legalistische Organisation des islamistischen Spektrums. Sie strebt also danach, ihre Ziele im Rahmen der geltenden Gesetze zu erreichen. In den vergangenen Jahren präsentierte sich die IGMG zusehends unabhängiger von der Bewegung in der Türkei, einhergehend mit der Selbstdarstellung als Religionsgemeinschaft ohne politische Ambitionen. Deutschlandweit hatte die „Milli-Görüş“-Bewegung im Jahr 2016 etwa 10.000 Anhänger; in Baden-Württemberg waren 2017 etwa 2.200 Personen in maßgeblichen Funktionen für die IGMG tätig.


Informationen zu den Aktivitäten der „Milli-Görüş“-Bewegung, insbesondere der IGMG, in Baden-Württemberg finden Sie auch im aktuellen Verfassungsschutzbericht ab Seite 72.