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Die "Scientology-Organisation" (SO) verfügt weltweit etwa über 100.000 bis 120.000 Anhänger, davon rund 5.000 bis 6.000 in Deutschland. Sie wurde 1954 durch Lafayette Ronald HUBBARD (1911-1986) gegründet. Die SO betrachtet die von HUBBARD entwickelte Lehre als in der Tradition des Buddhismus stehende "Erlösungsreligion" und als einzige Rettung einer angeblich vom Niedergang gekennzeichneten Gesellschaft. HUBBARDs Techniken sollen Menschen "geistig befreien" ("individuelle Dianetik"), welche anschließend als nahezu fehlerlos funktionierende "Clears" beziehungsweise höher trainierte "Operierende Thetane" ("OTs") zunehmend die Kontrolle über ihre Umgebung ausüben sollen.

Die Schaffung des vermeintlich neuen, omnipotenten Menschen ("homo novis") mündet in einen dogmatischen politischen Alleinvertretungs-anspruch ("Gruppen"- beziehungsweise "politische Dianetik"): Durch "Expansion", also durch eine fortwährend wachsende Zahl hochtrainierter Scientologen in "Schlüsselpositionen" und durch Einführung von HUBBARD-Verfahren ("Administrative Technologie") auf breiter Front in Politik, Staat und Wirtschaft will die SO langfristig im Stil einer Sozialutopie eine konfliktfreie und perfekt funktionierende scientologischeGesellschaftsordnung errichten. Für den gesellschaftlichen Fortschritt sieht diese Programmatik vor, Gegner zu "isolieren" und nur "Clears" Bürgerrechte zu gewähren. Dieses visionäre Ziel bezeichnet die SO mit "Clear Deutschland", "Clear Europa" oder "Clear Planet".

Die finanzstarke SO veröffentlicht weit übertriebene Mitgliederzahlen und versucht nach außen meist, ihre Struktur und ihre politischen Ziele zu verschleiern. Auch Unternehmensberater undManagementtrainer des SO-Wirtschaftsverbands "World Institute of Scientology Enterprises" (WISE) bieten oftmals HUBBARD-Techniken und -Kurse an, ohne jedoch zunächst ihre ahnungslosen Kunden über den scientologischen Hintergrund zu informieren. Gegenüber der Öffentlichkeit stellt die SO in ihrer Werbung grundsätzlich nur auf individuelle Lebenshilfe und den angeblich karitativen Charakter ihrer "Sozialprogramme" ab. Gleichzeitig propagiert sie die Einhaltung der Menschenrechte wie der Meinungsfreiheit, schmäht jedoch Kritik an ihren Methoden und ihrer Lehre als mangelnde Toleranz oder "Diskriminierung". Ein organisationseigener Nachrichtendienst ("Office of Special Affairs", OSA) hat die Aufgabe, Kritiker und Gegnerauszuforschen und unter Umständen repressive Maßnahmen zu treffen: Gegner und "Abtrünnige" werden teilweise auf unterstem Niveau geschmäht, herabgewürdigt und mitunter auch vor Gericht verklagt. Im Extremfall hat die SO auch schon Privatdetektive eingesetzt oder Observationen durchgeführt, um Gegner zu "handhaben".

Im Innenverhältnis ist ein rigides System von Belohnungen und Strafen ("Ethik") und eine eigene "Justiz" vorgesehen. Vor allem durch die umfassende Fragetechnik des "Auditing" und"Sicherheitsüberprüfungen" am "E-Meter" (eine Art einfacher Lügendetektor) sowie zusätzliche Kontrolle durch "Wissensberichte" der Scientologen kann die Organisation intimste Kenntnisse über ihre Mitglieder erlangen und Kritiker frühzeitig erkennen. Das oberste Management in den USA ("Religious Technology Center", "RTC"), welches die SO straff führt, degradiert die Basis weitgehend zu Befehlsempfängern, erwartet hohe Einsatzbereitschaft und fortwährende finanzielle Opfer. Dabei kann sich das Management bei der Durchsetzung seiner Vorgaben auf die paramilitärisch organisierten Kader der "Sea Organization" ("Sea Org") stützen.

Hohe Konfliktträchtigkeit ergibt sich auch aus dem Menschenbild der SO, das zwischen angeblich überlegenen Scientologen, unterlegenen Nichtscientologen ("Wogs") und minderwertigen Gegnern unterscheidet. Kennzeichnend ist ferner ein rigoroser Durchsetzungswille, die Schaffung von Feindbildern und ein Weltbild, das Züge einer Verschwörungstheorie trägt: Eine "unter Drogen stehende Bevölkerung" werde durch die Psychiatrie unmündig gehalten und kontrolliert. Insbesondere die SO-Hilfsorganisation "Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte" (KVPM) führt deshalb immer wieder Diffamierungskampagnen durch, die mitunter maßlos anmuten. Kritiker der SO werden grundsätzlich als "Kriminelle" und als zu bekämpfende "unterdrückerische Personen" ("supressive persons", SPs) stigmatisiert.