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Scientology: Anhaltend hohe Einnahmen in Baden-Württemberg

Scientology-Organisation     12 | 2014

„Angeschlagen, aber immer noch mit hoher finanzieller Schlagkraft“ lautete Anfang des Jahres 2014 das Resümee über die „Scientology-Organisation“ (SO) im Hinblick auf die Einnahmen des Jahres 2013 [vgl. hierzu den Beitrag „Scientology: Angeschlagen, aber immer noch mit hoher finanzieller Schlagkraft“ in VS-Aktuell 2/2014, S. 20–21]. Am Ende des folgenden Jahres zeigt sich, dass sich daran offenkundig nichts geändert hat.


Scientology hat seit mehreren Jahren mit wachsenden Problemen zu kämpfen und vor allem wegen ihres berechtigt schlechten Rufs nicht nur in Deutschland große Probleme bei der Mitgliederwerbung. Trotzdem kann die SO bei ihrem bestehenden Mitgliederstamm im Land offenbar nach wie vor hohe Geldsummen akquirieren. Dadurch besitzt Scientology seit vielen Jahren hohe finanzielle Reserven, die ihr eine sehr hohe finanzielle Schlagkraft verleihen.

Finanzreserven auf internationaler Ebene

Im Frühjahr 2014 wurden durch das Internet Steuerunterlagen mehrerer SO-Körperschaften aus den USA bekannt, darunter diejenigen der internationalen Dachorganisation „Church of Scientology International“ (CSI). Demnach hat im Jahr 2011 für die betreffenden Körperschaften ein Vermögenswert von rund 1,4 Milliarden US-Dollar bestanden. Diese Zahlen dürften allerdings nicht das gesamte Vermögen der SO umfassen. Ehemalige SO-Funktionäre berichteten, dass die in Großbritannien ansässige Mitgliederorganisation „International Association of Scientologists“ (IAS) über eine Art „Kriegskasse“ in Höhe von etwa einer Milliarde US-Dollar verfügen soll. Daneben hat Scientology Treuhandvermögen (Trusts) gebildet. Die gesamten Reserven werden von ehemaligen Funktionären auf etwa drei Milliarden US-Dollar beziffert. Sie speisen sich aus den weltweiten Einnahmen durch Spenden und die Vermarktung von Publikationen, Seminaren und Lizenzen.

Relativ hohe Einnahmen in Baden-Württemberg

Die SO ist in Deutschland regional stark unterschiedlich vertreten. Während sie in manchen Bundesländern über keine Strukturen und nur wenige Mitglieder verfügt, gehört Baden-Württemberg zu ihren bundesweiten Schwerpunkten. Der Südwesten ist wegen seiner wirtschaftlichen Stärke ein wichtiger Standort für die SO. Es überrascht daher letztlich nicht, dass sie weiterhin in der Lage ist, vergleichsweise hohe Summen aus ihrer baden-württembergischen Anhängerschaft „herauszuholen“.

Die IAS verlangte von der Stuttgarter SO-Niederlassung im Jahr 2014 als Vorgabe („Target“) zwei Millionen US-Dollar, die als Spenden bei den Mitgliedern eingetrieben werden sollten. Diese Summe dürfte allerdings nicht erreicht worden sein. Sie war schon 2013 nicht erreichbar; damals hatte die IAS im Raum Stuttgart aber rund die Hälfte dieser Summe, also rund eine Million US-Dollar und damit umgerechnet etwa 800.000 Euro eingenommen. Hinzu kommen die Mittel, die Scientologen für ihre kostenintensiven Kurse bezahlen. Anhaltspunkte für einen Einbruch bei den Einnahmen gab es nicht. Die SO dürfte daher auch 2014 deutlich über eine Million Euro in Baden-Württemberg einnehmen. Ein deutlicher Anteil der Gelder stammt wohl von einem eher kleinen, aber noch solventen Personenkreis, der vor allem im Unternehmerbereich, etwa in der Immobilien- oder Finanzdienstleistungsbranche, tätig ist. Viele andere Mitglieder sollen finanziell ausgeblutet sein.

Scientology kann nach wie vor hohe Einnahmen erzielen, mit denen sie verschiedene Probleme abfedern und auch länger anhaltende Krisen durchstehen kann. Es ist daher nicht damit zu rechnen, dass die Organisation ihre Aktivitäten in Baden-Württemberg in absehbarer Zeit verringert.