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Scientology plant massive Werbe- und Straßenkampagne in Stuttgart;Neue Stuttgarter Niederlassung soll die größte Deutschlands werden

Die „Scientology-Organisation" (SO) will in nächster Zeit eine massive Werbekampagne in Stuttgart durchführen. Dabei muss damit gerechnet werden, dass die Werber nicht immer offen auftreten, sondern auch unter „falscher Flagge", etwa mit angeblicher Drogenaufklärung, bei der Bevölkerung punkten wollen. Die verstärkten Aktivitäten dürften in Zusammenhang mit den Bestrebungen stehen, ein neues Scientology-Zentrum in der Landeshauptstadt zu etablieren und die größte SO-Niederlassung in Deutschland zu werden.

Warnung vor massiver Straßenwerbung
Erneut muss vor den Straßenaktionen der SO gewarnt werden. Scientology plant im Stadtgebiet Stuttgart in naher Zukunft eine massive Werbekampagne. Dabei ist in der Stuttgarter Innenstadt häufiger mit Straßenständen oder mit gelben bzw. roten Zeltpavillons zu rechnen, bei denen Scientologen offensiv an Passanten herantreten könnten. Die Werber geben sich der Erfahrung nach nicht immer gleich als Scientologen zu erkennen. Sie können auch mit dem Begriff „Dianetik" oder unter gänzlich anderer Bezeichnung auftreten, etwa mit vermeintlicher Drogenaufklärung unter dem Namen „Sag NEIN zu Drogen - sag JA zum Leben" oder auch mit der „Weg-zum-Glücklichsein"-Kampagne. Andere Scientology-Unterorganisationen geben sich als angebliche Menschenrechtsverfechter aus, etwa „Jugend für Menschenrechte" oder die „Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte" (KVPM). Den Erfahrungen zufolge verbirgt sich hinter „Hilfsangeboten" von Scientology grundsätzlich das Ziel, zu expandieren und neue Anhänger in unterschiedlichen Zielgruppen anzuwerben. Es muss daher einkalkuliert werden, dass es etwa bei einer angeblichen Anti-Drogen-Kampagne vor allem darum gehen könnte, neue Interessenten für Scientology zu gewinnen.
Neues SO-Zentrum geplant
Die ungewöhnlich intensive Straßenwerbung könnte mit den Bestrebungen der SO zusammenhängen, in Stuttgart ein neues Scientology-Zentrum, eine sogenannte „Ideale Org", zu etablieren. Die Stuttgarter SO-Niederlassung will mit der geplanten Werbekampagne natürlich Präsenz im Straßenbild zeigen, sie muss vermutlich aber auch interne Vorgaben erfüllen, um für das Vorhaben „Ideale Org" möglichst steigende Statistiken - in Scientology der Gradmesser schlechthin für Erfolg - vorweisen zu können. Derzeit ergibt sich der Eindruck, dass die Organisation in Stuttgart unter großem Druck steht und unter Einsatz aller Kräfte versucht, ihre Statistiken zu steigern.
Hierfür will sie unter ihrer Anhängerschaft auch zahlreiche neue Mitarbeiter rekrutieren. So wurde als Ziel propagiert, über mindestens 100 Mitarbeiter zu verfügen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen in den letzten Wochen und Monaten selbst Jugendliche - es handelt sich um Kinder von Scientologen - und Rentner als Mitarbeiter angeworben worden sein. Offenbar wurden auch Mitarbeiter aus den Scientology-Missionen in Baden-Württemberg abgezogen, um die angestrebte Mitarbeiterzahl zu erreichen. All das deutet darauf hin, dass die SO in Baden-Württemberg keineswegs expandiert, wie sie es nach innen und nach außen immer wieder darstellt. Zudem sind viele Scientologen trotz aller Überzeugung wohl nicht bereit, das Leben eines Scientology-Mitarbeiters zu führen, das häufig von großer Reglementierung, hoher Arbeitsbelastung und geringer Bezahlung geprägt ist. Darüber hinaus bleibt offen, ob die Zahl 100 überhaupt realen Erfordernissen entspricht. Es ergibt sich eher der Eindruck, dass die SO durch eine symbolische Zahl Expansion und Erfolg vorspiegeln will.
Scientology Stuttgart - größte Niederlassung in Deutschland?
In diesem Zusammenhang soll innerhalb der SO auch behauptet worden sein, dass die Stuttgarter Scientology-Niederlassung inzwischen die größte Deutschlands sei. Das mag im Hinblick auf die Mitarbeiterzahl, die allerdings wohl nur unter großer Mühe erreicht wurde, sogar zutreffen. Im Hinblick auf das gesamte Mitgliederpotenzial, das im Land bei etwa 600 Personen liegen dürfte, kann die Stuttgarter SO-Niederlassung deutschlandweit aber lediglich als vergleichsweise groß eingeschätzt werden. So hat die Hamburger SO-Niederlassung eine in etwa vergleichbare Größe, die Münchner Organisation dürfte ein noch etwas größeres Mitgliederpotenzial aufweisen. Insofern sind auch Propagandameldungen über Scientology in Stuttgart als „größte Org Deutschlands" fragwürdig.
Zweifellos will die hiesige SO durch eine massive Werbekampagne ihre Stagnation überwinden und wie in einer Art Schneeballsystem immer neue Mitglieder anwerben. Die Zivilgesellschaft kann aber durch Aufmerksamkeit auch diesen neuen Anlauf der SO, um ihre Ideologie zu verbreiten, ins Leere laufen lassen.