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Rechtsextremistische Szene beteiligt sich an „Aktion Schwarze Kreuze“

Rechtsextremismus     10 | 2015

Bundesweit begehen Rechtsextremisten seit dem vergangenen Jahr einen selbstinszenierten bundesweiten „Volkstrauertag“. Nach dem Willen des Ideengebers, eines rechtsextremistischen Musikers aus Berlin, soll jedes Jahr am 13. Juli der – deutschen – „Opfer von Ausländergewalt“ gedacht werden. Mit Beginn der Aktion 2014 wurden an mindestens 64 Orten, insbesondere in Ostdeutschland, schwarze Holzkreuze aufgestellt. In diesem Jahr konnten die Betreiber der Facebook-Seite, auf der die Aktionen dokumentiert wurden, über angeblich fast 300 Kreuze „in ganz Deutschland und anderen Ländern Europas“ vermelden. Auch in Baden-Württemberg wurden Kreuz-Aktionen festgestellt.

Schon am 9. Juli 2015 veröffentlichten die neonationalsozialistischen „Freien Kräfte Schwarzwald-Baar-Heuberg“ auf ihrer Homepage ein Video mit dem Titel „AKTION SCHWARZE KREUZE am 13.07. jedes Jahr Bundesweit“. Darin war eine Bildergalerie mit Kreuzen bei Ortstafeln zahlreicher Gemeinden in mehreren Bundesländern zu sehen. Wenige Tage später wurden Aktionen in Baden-Württemberg dokumentiert, wo Kreuze in St. Georgen, Villingen-Schwenningen und in Radolfzell angebracht worden waren.

Die Kreuze in St. Georgen waren mit kleinen Schildern versehen, die Aufschriften wie „Gemeinsam für Deutschland“, „Tag zum Trauern 13.07.2014 13.07.2015“ und „Gemeinsam gegen Ausländer Gewalt“ trugen.

Die insgesamt neun Holzkreuze in Radolfzell wurden bereits am späten Abend des 12. Juli 2015 festgestellt und von der Polizei wieder entfernt. Zuvor waren drei Personen, die jedoch unbekannt blieben, bei der Aufstellung eines Kreuzes beobachtet worden. Hinweise auf den Hintergrund der Aktion waren an diesen Kreuzen nicht angebracht, so dass keine öffentliche Resonanz erzielt wurde.

Auf der Facebook-Seite „A/s/k/d – Deutschen Opfern kein vergessen“, die dem „Volkstrauertag“ zugeordnet ist und die bundesweiten Aktivitäten fotografisch dokumentiert, findet sich auch eine Lichtbilderstrecke zu einer Kreuzaktion in Bruchsal. Die mit Grablichtern versehenen Kreuze dort waren mit Schildern ausgestattet, die „Volkstod stoppen“ forderten und den „alliierten Bombenterror“ anprangerten. Auf Zusatzschildern waren die Parolen „Multikulti tötet“ und themenbezogen „Deutschen Opfern kein Vergessen Deutsche Opfer Fremde Täter“ zu lesen. 

Die Aktivisten, welche die Kreuze aufstellten, sind nicht bekannt. Sie könnten aber, zumindest was die Städte St. Georgen und Villingen-Schwenningen betrifft, dem Neonazizirkel um die „Freien Kräfte Schwarzwald-Baar-Heuberg“ angehören.

Es ist nicht davon auszugehen, dass eine rechtsextremistische Massenbewegung an den fraglichen Tagen und Nächten Mitte Juli 2015 durch deutsche Ortschaften gezogen ist, um die Kreuze aufzustellen. Vielmehr dürfte für mehrere räumlich beieinanderliegende Aufstellorte dieselbe Kleingruppe von Aktivisten verantwortlich sein. Insgesamt konnten die Rechtsextremisten mit geringem Aufwand eine gewisse Außenwirkung auch über die enge Szene hinaus erzielen, zumal der rechtsextremistische Hintergrund nicht ohne weiteres erkennbar ist.

Häufig wurden die Kreuze einzeln oder in Gruppen an oder bei Ortseingangsschildern angebracht. Die Aufstellorte sind also nicht etwa Tatorte von angeblichen Verbrechen an Deutschen, sondern sollen bei Passanten und Autofahrern Wirkung erzielen. Die Kreuze ähneln in ihrer Größe normalen Grabkreuzen, sind aber grundsätzlich schwarz lackiert; die erwähnten Zusatzschilder benennen meist Sinn und Zweck der Aufstellung. Für die angebliche Zahl von 7.500 „durch Ausländer getötete[n] Deutsche[n] gibt es allerdings keinen belastbaren Beleg.