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Rechtsextremistische Aktionen zum 8. Mai in Baden-Württemberg

Rechtsextremismus     6 | 2014

Der Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1945 wurde in Baden-Württemberg mit kleineren Aktionen neonazistischer Aktivisten begangen. Das Landesamt für Verfassungsschutz hat Kenntnis von drei Gedenkfeiern, deren Teilnehmerzahl allerdings jeweils unter zehn lag.

In einem rechtsextremistischen Internet-Nachrichtenportal für Neonazis im südwestdeutschen Raum hatte zuvor ein „Ehrenkomitee 8. Mai“ zu einem „Ehrendienst“ an den Gräbern und Gedenksteinen aufgerufen. Darin war unter anderem zu lesen: „(...) vor nunmehr 69 Jahren, legten unsere tapferen Männer und Frauen der Deutschen Wehrmacht...die Waffen in ehrenhafter Haltung nieder. Ihr Opfermut und Kampfeswille waren (...) in die soldatische Geschichte Europas eingegangen, wie nie eine Erzählung zuvor und danach.. Dem Aufruf kamen Neonazis zum Beispiel in Rastatt, Esslingen und Sigmaringen nach.

Unter der Überschrift „Rastatt gedenkt der Opfer des 8. Mai 1945“ schilderte eine Website der „Nationalen Sozialisten Rastatt“ (NS Rastatt) die Zeremonie der Kranzniederlegung „für die vertriebenen und ermordeten Deutschen“ durch „einige Aktivisten aus dem Kreis Rastatt und Karlsruhe“. Am Kriegerdenkmal in Gernsbach/Kreis Rastatt seien Redebeiträge verlesen und eine Schweigeminute gehalten worden. Die Schleife am abgelegten Kranz, gestiftet von „NS Rastatt“, trug die Aufschrift „In Gedenken an die Helden unseres Volkes, die ihr Leben für ein besseres Deutschland ließen“. Die Polizei war vor Ort, die Teilnehmer sind bekannt.

Im Kreis Esslingen hat sich die Gedenkveranstaltung offenbar in kleinster Runde abgespielt. „Ehrfürchtig“ habe man der „Opfer“ des 8. Mai gedacht. Undeutliche Fotos auf der Internetseite der „Freien Nationalisten Esslingen“(FN Esslingen) zeigen eine Vierergruppe, die mit Kerzen in den Händen eine Art Mahnwache um eine kerzenbestückte Pflanzschale vor einem Denkmal abhält. Auf einem weiteren Foto ist ein vor dem Denkmal ausgespanntes großes Transparent der FN mit der Aufschrift „Tot sind nur jene, die vergessen werden!“ zu sehen.

In einem Waldgebiet bei Sigmaringen fand sich eine kleine Gruppe Rechtsextremisten ein, die mit Gebet und Gesang eine kurze Gedenkveranstaltung abhielt. Hierzu war mit den Worten „Vernichtung ist keine Befreiung (...)“ aufgerufen worden.

Die neonazistische Szene ist frei von jeder Reflexion über die Ursache des Zweiten Weltkriegs. Im Gegenteil wird, wie in dem bereits erwähnten Nachrichtenportal nachzulesen ist, von der „pervertierten Verdrehung der Geschichte“ geschrieben. Der NS-Staat wird verteidigt, Hitler werden ehrenhafte Motive unterstellt: „Adolf Hitler und die große Mehrheit aller Deutschen“, die „gegen das Versailler Diktat von der Kriegsschuldlüge antraten“, bekämen nun angeblich die „Unterstützung vieler Historiker“. Die „alliierte Geschichtsschreibung, über den zweiten Weltkrieg gegen Deutschland“ werde indes weiterhin von „Deutschen-Feinde[n] nachgeplappert.

Die linksextremistische Szene zeigte sich nach Kenntnisnahme des Internet-Eintrags, mit dem die Gedenkveranstaltung in Rastatt geschildert wurde, alarmiert. Unter der Überschrift „Wieder vermehrt Nazi-Aktivitäten im Raum Rastatt-Murgtal“ stellte sie in einem Artikel auf einem linksextremistischen Nachrichtenportal fest, dass „das Nazi-Problem im Landkreis Rastatt (...)nicht verschwunden ist.“ Eine Aktivistin einer „antifaschistischen Gruppe“ wird mit den Worten zitiert, man könne „es nicht hinnehmen, dass Nazis in Rastatt (...) ihr geschichtsrevisionistisches Weltbild in die Öffentlichkeit tragen“. Man brauche „eine starke und unabhängige antifaschistische Bewegung!“. „Nazi-Aktivitäten“ sollten gemeldet werden.