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Scientology-Organisation | "Office of Special Affairs" (OSA)

Die SO baute in den 60er Jahren einen eigenen Geheimdienst, das "Guardian Office" (GO) auf. Es wurde als „Ermittlungsabteilung" im Jahr 1966 gegründet. An der Spitze wurde der „Guardian" (Wächter) installiert. Der erste „Guardian" war Marie Sue HUBBARD, die dritte Ehefrau des SO-Gründers. Der Posten wurde schnell zu einer eigenen Organisation, dem GO ausgebaut. Da das GO in den 70er Jahren schwere Straftaten wie zum Beispiel Einbruch in Regierungsstellen und Diebstahl beging, sah sich die SO nach deren Aufdeckung gezwungen, es aufzulösen. Als Nachfolgeorganisation wurde das "Office of Special Affairs" (OSA) gegründet. Die Hauptaufgabe des OSA ist die Bekämpfung von Kritikern und ihre Abklärung mit geheimdienstlichen Mitteln. OSA-Direktiven und -Dokumente sowie bisher gewonnene Erkenntnisse von grundsätzlicher Aussagekraft über die Tätigkeit des OSA ergeben das Profil eines geheimen Nachrichtendienstes, der zu ernst zu nehmenden Aktionen in der Lage ist.

Netzwerk des OSA.

Das OSA unterscheidet zwischen offener und verdeckter Informationsbeschaffung. Zur Ersteren gehören die Erhebung von Vereins- oder Handelsregisterunterlagen oder eine systematische Medienauswertung. Im Jahre 1998 bekannt gewordene Dokumente aus der ersten Hälfte der 90er Jahre zeigen auf, dass Rundfunkinterviews teilweise wörtlich protokolliert und Presseartikel dergestalt ausgewertet wurden, dass die Erfassung dort genannter Personen und Institutionen listenmäßig erfolgte. Die Listen wurden zusammen mit den jeweiligen Berichten kopiert und als Mehrfertigung dem entsprechenden Dossier über die Person beziehungsweise Institution angeschlossen. Die Querverweislisten ("x-filing sheets") lassen den Schluss zu, dass das OSA in erheblichem Umfang Informationen über Kritiker und Gegner gesammelt hat.

Zur offenen Datensammlung gehörte auch der gezielte Besuch von Kritikerveranstaltungen. Teilweise wurden detaillierte Anweisungen gegeben, wie sich der einzelne Scientologe dabei verhalten soll. Anschließend werden Protokolle über den Veranstaltungsverlauf gefertigt.

Zur verdeckten Informationsbeschaffung gehört die Legendierung, wobei OSA-Angehörige wiederholt als "Journalisten" aufgetreten sind. In der ersten Hälfte der 90er Jahre erging eine Anweisung, durch Befragung einen SO-Kritiker auszuforschen, wobei sich die handelnde Person als ehemaliger Schüler der Zielperson ausgeben sollte. Eine andere Methode ist die "Mülleimeraktion", bei der im Abfall der Kritiker oder Gegner nach "belastendem Material" gesucht wird. Ein hochrangiger OSA-Funktionär räumte in einem Interview ein, dass die SO in den USA über ihre Anwälte "in hier üblicher Weise Privatdetektive anheuern" würde, "um Anschuldigungen gegen uns zu entkräften oder unsere Klagen zu untermauern". Seines Wissens geschehe dies aber nicht in Deutschland. Im Jahre 2001 wurde jedoch ein Dokument bekannt, demzufolge das OSA auch schon in Deutschland Kontakt zu einem Privatdetektiv gesucht hat.

Im Herbst 2000 besuchte ein prominenter Scientology-Kritiker Deutschland. Er wurde nach Erkenntnissen der Hamburger Verfassungsschutzbehörde von einem Observanten aus den USA verfolgt. Im Januar 2003 verfolgte ein Scientologe das Fahrzeug eines kirchlichen Sektenbeauftragten, in dem sich ein hochrangiger Scientology-Aussteiger befand. Nach Angaben des Sektenbeauftragten wurden die Fahrzeuginsassen von dem Scientologen auf der Autobahn massiv bedrängt und fotografiert. Der Betroffene rief die Polizei um Hilfe und stellte Strafanzeige. Die ganze Aktion dürfte in Zusammenhang mit einer Taktik stehen, die das OSA "harassment" (Verfolgung, Belästigung, Schikane) nennt und die der Zermürbung von Kritikern dient.