Sie sind hier: Startseite > Arbeitsfelder > Islamismus > Archiv > Archiv 2013 > Neil ibn RADHAN propagiert den bewaffneten Angriffskrieg und eine als islamisch verstandene „Sex-Sklaverei“

Neil ibn RADHAN propagiert den bewaffneten Angriffskrieg und eine als islamisch verstandene „Sex-Sklaverei“

Islamismus     12 | 2013

Am 19. August 2013 wurde auf der von Neil ibn RADHAN betriebenen Online-Koranschule ein Korankommentar festgestellt, in dem er die im Koran aufgeführten Passagen zum Jihad in einer aggressiv-kämpferischen und expansiven Art interpretiert. Nach ihm sind die in einem jihadistischen Angriffskrieg gemachten Kriegsgefangenen die legitimen Sklaven der Muslime. RADHAN unterstellt, dass diese keine Persönlichkeitsrechte besitzen. Deshalb dürften die Frauen unter ihnen den Muslimen ganz legal als „Sex-Sklavinnen“ zur Verfügung stehen.

Der salafistische Prediger Neil ibn RADHAN, Imam der vom „Bilal-Verein e.V.“ betriebenen „Bilal-Moschee“ in Heilbronn, betreibt mindestens seit dem Jahr 2007 auf einer Internetplattform eine Online-Koranschule. Auf dieser verbreitet er zumeist salafistische Positionen des saudi-arabischen Staatsislams. Hierzu zählen Grundlagenwerke der gesamtislamischen Geistesgeschichte wie Korankommentare, Einführungen in das islamische Recht sowie salafistische Schriften aus der Feder des saudi-arabischen Ideologiegründers Muhammad ibn Abd al-Wahhab.
 
Verfassungswidrige Positionen entstehen in Korankommentaren, in denen historische Aspekte des islamischen Rechts in die Neuzeit transportiert werden. Das betrifft diejenigen Passagen des Korans, in denen muslimische Kriegsführung und Sklaverei thematisiert werden (etwa Sure 2:190). Sklaverei war damals weltweit verbreitet, so wird sie u. a. auch im Alten Testament legitimiert (etwa 2. Mose/Exodus 21,2–11). Wenn derartige Passagen in heiligen Schriften unmittelbar als rechtliche Grundlage heutigen Handelns propagiert werden, entsteht verfassungsschutzrechtliche Relevanz. Dies ist bei RADHAN der Fall.
 
Die thematisierten Passagen gehören zur Literaturgattung des Korankommentars. Diese Gattung ist hierbei nicht erstarrt, sondern aus gesamtislamischer Sicht sehr lebendig. Selbst heute noch werden Kommentare aus Sicht verschiedener islamischer Perspektiven geschrieben. Das zugrundeliegende Werk stammt aus der Feder eines in der französischen Kolonialzeit aktiven algerischen Autors. Der als antiimperialistisch verstandene Kampf der Algerier wurde damals auch von der islamischen Theologie unterstützt.
 
Neil ibn RADHAN verwendet den algerischen Korankommentar als Grundlage für eine mehrere Dutzend Stunden umfassende, in deutscher Sprache gehaltene Vortragsreihe, die als Audiomitschnitt heruntergeladen werden kann. Der überwiegende Teil des Korankommentars vermittelt friedliche und verfassungskonforme Inhalte. Jedoch beschäftigen sich einige weniger zentrale Passagen auch mit dem kriegerischen Jihad.
 
RADHAN vertritt hier die kämpferische, imperialistische Position der mittelalterlichen Theologie, wenn er fordert: „Oh, die ihr glaubt, kämpft gegen diejenigen von den Ungläubigen, die in Eurer Nähe sind. Und sie sollen in Euch Härte vorfinden“ (21.11 f.). So sollen Muslime gegen alle als Ungläubige diffamierte Nichtmuslime kämpfen, die sich nicht militärisch unterwerfen und ihnen keine demütigende Kopfsteuer entrichten:
 
„entweder ihr zahlt uns die Jizya [Kopfsteuer] und dann werden wir eure Länder „regieren…“ Die zweite Möglichkeit ist, dass sie sich verweigern. Sie sagen, wir wollen unsere Religion behalten und nicht den Islam annehmen und keine Jizya bezahlen. Dann kämpfen wir gegen sie und Allah wird den Gläubigen zum Sieg verhelfen.“ (22.10–24.09) [Übernahme aus dem Original]
 
Zur Interpretation dieser Zeilen lässt sich Folgendes sagen: Während es im Westen liberale Muslime vermeiden, vom Jihad zu sprechen, unterscheiden moderatere Islamisten zumindest zwischen „Jihad mit dem Schwert“, der nicht praktiziert wird, und „Jihad mit der Zunge“ [Jihad al-Lisan], „Jihad mit dem Schreibstift“ [Jihad al-Qalam] oder „Jihad gegen die eigene Triebseele“ [Jihad an-Nafs]. Eine weitere Möglichkeit wäre es, den Jihad historisch einzubetten. Neil ibn RADHAN hingegen nutzt keine dieser argumentatorischen Möglichkeiten, welche selbst orthodoxen Muslimen zur Verfügung stehen. Er betont hingegen die zeitlich unbeschränkte Gültigkeit des kriegerischen Jihads mit all seinen expansionistischen Komponenten: Die Nichtmuslime sollen mit militärischen Mitteln unterworfen werden.
 
Die Wortwahl des islamischen Aktivisten ist hierbei die Sprache des Rassismus. Muslime werden als Spitze der menschlichen Hierarchie propagiert, wohingegen etwa Christen als „Kuffar“ [Ungläubige] bezeichnet werden. Andere Mitglieder der Einwanderungsgesellschaft, wie beispielsweise Hindus, werden sogar als „Götzenanbeter“ diffamiert. Bei der Bewertung dieser Interpretation fällt auch ins Gewicht, dass RADHAN kein Immigrant aus einem von kriegerischen Ereignissen betroffenen Land ist, in dem islamische Theologie am bewaffneten – und möglicherweise legitimen – Kampf um gesellschaftliche Ressourcen wie die Staatsmacht oder um Staatsgebiet beteiligt ist. RADHAN wurde in Deutschland geboren, sozialisiert und ist dort aufgewachsen.
 
Neil ibn RADHAN begrenzt sich bei seinen theologischen Ausführungen nicht auf die – für sich genommen – aggressive Jihadinterpretation. Er stellt im Folgenden in einer demagogischen Argumentation die muslimische Sklaverei der des Westens gegenüber. Auf anachronistische Weise vermittelt der Prediger ein Bild, nach dem es in westlichen Gesellschaften immer noch Sklaverei gibt. Diese westliche Sklaverei vergleicht er mit einem deformierten Ideal des mittelalterlichen, islamischen Sklavenrechts. Hierbei vermittelt RADHAN den Eindruck, als wäre dieses historisch relevante Detail des islamischen Rechtsverständnisses auch heute noch gültig:
 
„Im Islam ist es so, wenn ein kafir [Nichtmuslim] sich weigert, den Islam anzunehmen, und sich weigert, die Jizya [Kopfsteuer] zu bezahlen und dann auch noch den Islam bekämpft, dann hat er es nicht besser verdient, als dass er versklavt wird und schlimmer behandelt wird als ein Tier – denn das Tier kann frei rumlaufen, aber der Sklave ist ein Besitz seines Herrn. Der Sklave ist Besitz eines Muslims.“ (4.56–6.26)
 
Diese, selbst aus der Perspektive eines konservativen Islams in der westlichen Diaspora abstruse, Argumentation wird von RADHAN fortgeführt. Er vermittelt das Bild, dass Muslime Eigentumsrechte an weiblichen Kriegsgefangenen erlangen können. Aus seiner Perspektive sind erbeutete Frauen sexuelles Freiwild, an dem muslimische Männer ganz legal ihre sexuellen Bedürfnisse befriedigen dürfen. Er argumentiert mit Hilfe einer historisch zu verstehenden Überlieferung Muhammads auch gegen diejenigen Muslime, welche Vorbehalte gegen eine solch inhumane sexuelle Ausbeutung hegen:
 
„Und dann haben wir kennengelernt, dass ein Muslim verheiratete Frauen nicht heiraten darf und auch nicht mit ihnen verkehren darf, außer: Eine Ausnahme haben wir gesagt, wenn durch den Jihad Muslime Sklaven bekommen haben und da drunter Frauen sind – also Gefangene erst einmal – und der Führer der Muslime erklärt die Gefangene zu Sklaven: Männer und Frauen.“ (3:37–4:12)
 
Darüber hinaus geht RADHAN auf Argumente konservativer Muslime ein, welche die sexuelle Ausbeutung der als Sklavinnen diffamierten Frauen aus moralischen Gesichtspunkten vermeiden. Hier hält er eine pseudojuristische Argumentation parat, bei der er sich um eine prophetische Überlieferung bemüht:
 
„Also war es für sie halal [erlaubt], mit diesen Frauen als Sklavinnen zu verkehren. Auch wenn sie verheiratet waren. Dadurch dass sie den Krieg verloren haben und sie versklavt worden sind, ist ihre Ehe für ungültig erklärt worden.“ (8:08–10.28)