Rechtsextremistische Musik

Musik ist eines der wichtigsten Propagandamedien, über das entsprechende Inhalte in die rechtsextreme Szene transportiert werden. Auch einschlägig bekannte Bands aus Baden-Württemberg produzieren immer wieder Stücke, in denen sie ihre verfassungsfeindliche Gesinnung mehr oder weniger offen erkennen lassen. So gelten schon die Begriffe „Demokratie“, „Demokrat“ und „demokratisch“ für viele rechtsextremistische Skinheads – wie auch für weite Teile der übrigen rechtsextremistischen Szene – als regelrechte Schimpfwörter. Ein Beispiel ist das Lied „Radikaldemokraten“, das die Band „Act of Violence“ aus dem Raum Ulm 2017 auf ihrer CD „Alte Liebe rostet nicht“ veröffentlichte. Sein Refrain lautet gemäß der Textversion im Booklet, die der tatsächlich gesungenen Variante im Wesentlichen entspricht:
 
„Radikaldemokraten – Totengräber der Kultur.
Elite der Verräter, von Würde KEINE SPUR.
RADIKALDEMOKRATEN – SCHÖPFER DER PERVERSION.
DIE BRUT DER SPEICHELLECKER, SCHANDFLECK DER NATION.“

 
Viele Texte rechtsextremistischer Skinheadbands hetzen außerdem gegen andere szenetypische Feindbilder wie Ausländer, Juden, Israel, die USA, Homosexuelle oder „Linke“. Bisweilen rufen sie auch direkt oder indirekt zur Gewaltanwendung gegen die genannten Feindbilder auf. Solche Fälle belegen zweifelsfrei den gewaltbejahenden Charakter zumindest von Teilen dieser Musikszene.
 
Bei Bands aus Baden-Württemberg bewegen sich die meisten Texte jedoch unterhalb der Schwelle zum konkreten Gewaltaufruf – wohl nicht zuletzt, weil die Verfasser um die möglichen juristischen Folgen wissen. Solche Befürchtungen dürften die Ursachen dafür sein, dass in den letzten Jahren sehr viel häufiger Liedtexte anderer Machart nachweisbar sind: mit einer dumpfen, inhumanen Atmosphäre aus Gewaltbereitschaft und Gewaltverherrlichung, aus Bekenntnissen zu Kampf und Krieg, aus Hass, Wut, Zorn, Feindseligkeit, Rachephantasien, Verachtung sowie Mitleid- und Gnadenlosigkeit – jedoch ohne Aufrufe zu konkreten Gewalttaten, manchmal sogar ohne eindeutige Benennung der Objekte von Hass und Wut.
 
Auch liefern die CDs immer wieder Belege dafür, dass sich zumindest Teile der rechtsextremistischen Skinheadszene zum historischen Nationalsozialismus bekennen. Dies geschieht z. B. durch die Vertonung von Texten aus NS-Traditionsbeständen. Allerdings sind solche Bekenntnisse für Außenstehende nicht immer zu entschlüsseln, zuweilen werden sie offenbar bewusst verschleiert.


Informationen zur rechtsextremistischen Skinheadmusikszene finden Sie auch im aktuellen Verfassungsschutzbericht ab Seite 132.


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