Rechtsextremistische Musik

Musik ist eines der wichtigsten Propagandamedien, über das entsprechende Inhalte in die rechtsextreme Szene transportiert werden. Rechtsextremistische Bands auch aus Baden-Württemberg produzieren immer wieder Liedtexte, in denen sie ihre verfassungsfeindliche Gesinnung mehr oder weniger offen zu erkennen geben. Viele davon hetzen gegen szenetypische Feindbilder wie Ausländer, Juden, Israel, die USA, Homosexuelle oder „Linke“. Bisweilen wird dabei auch direkt oder indirekt zur Gewaltanwendung aufgerufen. In solchen Fällen steht der gewaltbejahende Charakter zumindest von Teilen der rechtsextremistischen Musik außer Frage.

Die meisten Liedtexte von rechtsextremistischen Bands aus Baden-Württemberg bewegen sich jedoch unterhalb der Schwelle zum konkreten Gewaltaufruf. Vermutlich liegt der Grund dafür nicht zuletzt darin, dass die Bands andernfalls juristische Folgen zu befürchten hätten. 

Solche Befürchtungen dürften auch die Ursache dafür sein, dass in den letzten Jahren sehr viel häufiger eine andere Art von Texten nachweisbar ist: Liedtexte mit einer dumpfen, inhumanen Atmosphäre aus Gewaltbereitschaft und Gewaltverherrlichung, aus Bekenntnissen zu Kampf und Krieg, aus Hass, Wut, Zorn, Feindseligkeit, Rachephantasien, Verachtung sowie Mitleid- und Gnadenlosigkeit, ohne dabei jedoch ohne Aufrufe zu konkreten Gewalttaten, manchmal sogar ohne eindeutige Benennung der Objekte von Hass und Wut. Ein Beispiel für ein solches Lied ist „Der Volkszorn“, 2013 von der Band „Kommando Skin“ aus dem Raum Stuttgart veröffentlicht. Sein vollständiger gesungener Text lautet nach akustischem Verständnis:

„Ich bin gewaltig, wahrhaftig und rein
Lasst mich euer Werkzeug sein
Ich bin die Wut, die Raserei
Folgt mir und werdet frei


[Refrain:]
Hattet ihr mich vergessen, erkennt ihr mich nicht
Ich kehre zurück,
gehe mit euch ein Stück,
wir halten gemeinsam Gericht

Ich bin der Volkszorn


Ich bin der Schild, ich bin das Schwert
Das sich der Tyrannei erwehrt
Ich bin der Sturm, mit dem ihr euch erhebt
Und zeigt, dass ihr noch lebt


[Refrain]
Ich bin der Mut, die Entschlossenheit
Ich gelobe euch treues Geleit
Ich bin die Hoffnung, ich bin das Licht
Das durch die Finsternis bricht

Ich bin der Volkszorn


Nichts hält mir stand, kein Wall, kein Palast
Ich bin der Aufstand, ich bin der Hass
Keine Rast, keine Halbherzigkeit
Ich geh mit euch den Weg in die Freiheit


[Refrain]
Ich bin der Volkszorn“.

Darüber hinaus liefern Liedtexte von rechtsextremen Bands immer wieder Belege dafür, dass sich zumindest Teile der Szene zum historischen Nationalsozialismus bekennen.

Auch stilistisch hat sich die Musik weiterentwickelt. Der klassische „R.A.C“ („Rock Against Communism“) ist zwar präsent und wird immer noch gerne gehört, jedoch gibt es keine Musikrichtung, die nicht von Rechtsextremisten adaptiert wird. 

Nicht alle Musikstile sind in der rechtsextremen Szene gleichermaßen beliebt und manche, beispielsweise Rap, durchaus umstritten. Dennoch ist auch Rechtsextremisten klar geworden, dass man mit einem breiteren Musikspektrum sehr viel mehr Menschen erreichen kann.

Mit Musik lassen sich, mehr oder weniger subtil, Botschaften und Ideologien vermitteln. Rechtsextreme Musik spricht insbesondere Jugendliche mit Zukunftsängsten (Ausbildung, Arbeitsplatz, Angst vor sozialem Abstieg), wirtschaftlichen und sozialen Problemen an. Darüber hinaus dient Musik, gerade in der Adoleszenz der Identitätsfindung. Hier ist rechtsextremistische Musik keine Ausnahme. Sie findet ihre ganz eigene Zielgruppe, schafft sowohl Gemeinschaftsgefühl innerhalb der rechten Szene als auch die Möglichkeit, sich von anderen gesellschaftlichen Gruppen abzugrenzen.


Informationen zur rechtsextremistischen Skinheadmusikszene finden Sie auch im aktuellen Verfassungsschutzbericht ab Seite 149.


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