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Medienfunktionär des „Islamischen Staats“ stirbt bei Kämpfen im Irak

Der aus Pakistan stammende und mehr als zehn Jahre in Mannheim lebende Usman ALTAF alias „Abu Jandal al-Almani“ starb offenkundig Mitte Januar bei Kämpfen südlich von Baiji in der Provinz Salah ad Din/Irak. ALTAF lebte zuletzt für kurze Zeit in Solingen. Nach mehreren gescheiterten Ausreiseversuchen gelang ihm Mitte 2014 trotz Passentzug die endgültige Ausreise in das Kampfgebiet in Syrien. Sein letztes Lebenszeichen von ALTAF stammte aus dem Irak: Mitte Dezember 2014 verschickte er über „WhatsApp“ eine Nachricht an einen Gesinnungsgenossen, den aus Bayern in die Türkei abgeschobenenen IS-Bewunderer Erhan AYDENIZ.

ALTAF betrieb von 2013 bis 2014 das „Shababul-Islam-Media-Projekt“ auf diversen Internetplattformen, z. B. bei Facebook und YouTube. Dessen Online-Produkte erfuhren eine breite Streuung innerhalb der militanten jihadistischen Szene und erfreuten sich dort großer Beliebtheit. Bereits im Februar 2012 war ALTAF bei einem „LIES!“-Infostand in Mannheim festgestellt worden. Es ist anzunehmen, dass er sich im Laufe der Jahre zunehmend in entsprechenden jihadistischen Umfeldern radikalisiert hatte.



„Shababul-Islam-Media“ war darauf spezialisiert, grundlegende Aussagen von wichtigen jihadistischen Einflusspersonen und Gelehrten ins Deutsche zu übersetzen und grafisch aufzubereiten. Darunter finden sich in großem Umfang die Schriften des Predigers Anwar AL-AWLAKI. Der am 30. September 2011 durch eine US-Drohne im Jemen getötete US-Bürger AL-AWLAKI stand zu seinen Lebzeiten mit einer ganzen Anzahl von späteren Attentätern in Kontakt. Für den regionalen Ableger der „al-Qaida“ im Jemen, so wie für andere Jihadisten weltweit war er auch nach seinem Tod ein spiritueller Mentor; seine Werke beeinflussen nach wie vor den Diskurs von Jihadisten.



Die Schriften von AL-AWLAKI spielten zuletzt bei den Attentaten von Paris im Januar 2015 eine offenkundig entscheidende Rolle. Die Gebrüder KOUACHI – die am 7. Januar das Attentat auf die „Charlie-Hebdo“-Redaktion verübten – bezogen sich dezidiert auf AL-AWLAKI. Seine Aussagen in der Rede „Der Staub wird sich niemals legen“ anlässlich des dänischen Karikaturenstreits aus dem Jahr 2007 bot den Attentätern die religiöse Legitimation für die Tötung all derjenigen die den Propheten beleidigen.
Der Bezug von ALTAF zum „Shababul-Islam-Media-Projekt“ und die Wirkung seiner AL-AWLAKI-Übersetzungen wurde schnell in sozialen Netzwerken herausgefunden.



Der Tod des ALTAF wird durch ein Totengedicht in den offiziellen IS-Medien gewürdigt – eine Ehre, die bislang noch keinem aus Deutschland stammenden Kämpfer in diesem Umfang zuteil wurde. Dies zeigt offenkundig die herausragende Stellung des Toten in der IS-Medienhierarchie.