Rechtsextremismus | Konzerte

Rechtsextremisten nutzen Konzerte mit „ihrer“ Musik, um Gleichgesinnte zu treffen, Meinungen auszutauschen, schlicht gemeinsam Musik zu hören und zu feiern.

Der Ursprung der Strategie, junge Leute über die Musik für die Politik zu gewinnen, liegt in Großbritannien. Dort gründete Ian Stuart Donaldson, der Sänger der neonazistischen britischen Band „Skrewdriver“, 1987 die „Blood-&-Honour“-Bewegung („Blut und Ehre“, B&H). Ihr Ziel ist es, Konzerte mit sogenannten „White-Power“-Bands zu organisieren, um auf diesem Weg den Gedanken einer „rassereinen“ Gesellschaft zu verbreiten.
Donaldson, der 1993 starb, formulierte einmal als Ziel der B&H-Bewegung:

„Musik ist das ideale Mittel, Jugendlichen den Nationalsozialismus näherzubringen, besser als dies in politischen Veranstaltungen gemacht werden kann, kann damit Ideologie transportiert werden.“

Rechtsextremistische Konzerte werden in der Regel von einzelnen Angehörigen der jeweiligen örtlichen Szene organisiert. Die Mobilisierung verläuft in den meisten Fällen über Telefonketten, per SMS, über Mailinglisten im Internet und Mundpropaganda. Die Teilnehmer erfahren in aller Regel nur einen Treffpunkt, von dem aus sie dann zum eigentlichen Veranstaltungsort weitergeleitet werden. Auch kurzfristig ist es so möglich, einen großen Personenkreis zu mobilisieren.

Die Zahl der rechtsextremistischen Konzerte in Baden-Württemberg lag
2018 bei fünf (2017: drei) und damit immer noch relativ niedrig.
Zwischen 1999 und 2013 hatte dieser Wert noch durchweg zwischen acht
(2000, 2012 und 2013) und 26 (2005) gelegen. Durchschnittlich kamen
etwa 120 Besucher, was einem Rückgang im Vergleich zu 2017 (ca. 150)
entspricht. 

Im Gegensatz zu Konzertveranstaltungen laufen rechtsextremistische Liederabende meist in deutlich kleinerem und ruhigerem Rahmen ab und entfalten deshalb kaum Außenwirkung. Das macht sie auch weniger anfällig für behördliche Veranstaltungsverbote (oder für Be- und Verhinderungsmaßnahmen politischer Gegner) als die in der Regel teilnehmerstärkeren und öffentlichkeitswirksameren Konzerte. Oft sind Liederabende das Rahmen- bzw. Begleitprogramm für andere politisch-ideologische Szeneveranstaltungen wie Vorträge, um deren Attraktivität zu erhöhen. Häufig sind oder waren die auftretenden Sänger/Liedermacher bereits in einschlägigen Bands aktiv. Manche Szenegrößen aber sind Neonazis ohne subkulturelle Gegenwart oder Vergangenheit. 2018 fanden in Baden-Württemberg insgesamt zwölf solcher Liederabende statt.

Rechtsextremistische Konzerte und Liederabende in Baden-Württemberg 2018 (Grafik zum Vergrößern anklicken).


Ausführliche Informationen zu rechtsextremistischer Musik finden Sie im aktuellen Verfassungsschutzbericht ab Seite 176.