Rechtsextremismus | Konzerte

Rechtsextremisten nutzen Konzerte mit „ihrer“ Musik, um Gleichgesinnte zu treffen, Meinungen auszutauschen, schlicht gemeinsam Musik zu hören und zu feiern.

Der Ursprung der Strategie, junge Leute über die Musik für die Politik zu gewinnen, liegt in Großbritannien. Dort gründete Ian Stuart Donaldson, der Sänger der neonazistischen britischen Band „Skrewdriver“, 1987 die „Blood-&-Honour“-Bewegung („Blut und Ehre“, B&H). Ihr Ziel ist es, Konzerte mit sogenannten „White-Power“-Bands zu organisieren, um auf diesem Weg den Gedanken einer „rassereinen“ Gesellschaft zu verbreiten.
Donaldson, der 1993 starb, formulierte einmal als Ziel der B&H-Bewegung:

„Musik ist das ideale Mittel, Jugendlichen den Nationalsozialismus näherzubringen, besser als dies in politischen Veranstaltungen gemacht werden kann, kann damit Ideologie transportiert werden.“

Rechtsextremistische Konzerte werden in der Regel von einzelnen Angehörigen der jeweiligen örtlichen Szene organisiert. Die Mobilisierung verläuft in den meisten Fällen über Telefonketten, per SMS, über Mailinglisten im Internet und Mundpropaganda. Die Teilnehmer erfahren in aller Regel nur einen Treffpunkt, von dem aus sie dann zum eigentlichen Veranstaltungsort weitergeleitet werden. Auch kurzfristig ist es so möglich, einen großen Personenkreis zu mobilisieren.

Die Zahl der rechtsextremistischen Skinheadkonzerte in Baden-Württemberg lag (wie schon 2014 und 2015) bei drei (2016: sieben) und damit bei einem äußerst niedrigen Wert. Zwischen 1999 und 2013 hatte dieser Wert noch durchweg zwischen acht (2000, 2012 und 2013) und 26 (2005) gelegen.

Durchschnittlich besuchten etwa 150 Personen die drei Konzerte des Jahres 2017. Dieser Anstieg im Vergleich zu 2016 (ca. 100) kam einzig durch das teilnehmerstärkste rechtsextremistische Skinheadkonzert des Jahres 2017 in Baden-Württemberg zustande: Zu diesem kamen am 7. Oktober bei Bad Wurzach-Seibranz/Kreis Ravensburg ca. 250 Besucher zusammen. Es wurde von der Sektion Memmingen der Skinhead-Kameradschaft „Voice of Anger“ aus Anlass ihres 15-jährigen Bestehens durchgeführt.

Rechtsextremistische Skinheadkonzerte in Baden-Württemberg 2017 (zum Vergrößern Bild anklicken).


Trotz der rückläufigen Tendenz spiegeln die Skinheadkonzerte die bundesweite Vernetzung der rechtsextremistischen Skinhead(musik)szene wider: An Konzerten in Baden-Württemberg beteiligen sich immer wieder Bands aus anderen Bundesländern und ausländische Gruppen, während einheimische Musiker oft auch außerhalb der Landesgrenzen auftreten. 2017 spielten bei Konzerten im Land auch Bands aus Bayern und Kanada. Am 29. Juli 2017 fand in Themar/Thüringen eine rechtsextremistische Musik- und Rednerveranstaltung mit knapp über 1.000 Teilnehmern statt, bei der neben anderen rechtsextremistischen Bands auch die beiden Bandprojekte „Phönix“ und „Faust“ auftraten. An letzteren waren – zumindest in der Vergangenheit – jeweils auch baden-württembergische Szenemusiker beteiligt.

Generell sind rechtsextremistische Skinheads aus Baden-Württemberg nicht allein auf das Veranstaltungsangebot im eigenen Bundesland angewiesen. Bereits seit vielen Jahren legen sie zum Teil weite Wegstrecken zurück, um Konzerte in anderen Bundesländern oder sogar im Ausland zu besuchen.


Ausführliche Informationen zur rechtsextremistischen Skinhead(musik)szene finden Sie im aktuellen Verfassungsschutzbericht ab Seite 132 (Abschnitt „Subkulturell geprägter Rechtsextremismus“).