Sie sind hier: Startseite > Arbeitsfelder > Rechtsextremismus > Identitäre Bewegung Deutschland

Rechtsextremismus | Identitäre Bewegung Deutschland

Die „Identitäre Bewegung Deutschland“ (IBD) ist eine sehr aktive Gruppierung, deren Aktionsformen und Positionen in erster Linie junge Erwachsene ansprechen. Sie fällt besonders mit ihren fremden- und islamfeindlichen Positionen auf. Ihre Anhänger nehmen für sich in Anspruch, angebliche lokale, regionale, nationale und europäische Identitäten oder Kulturen zu bewahren. Diese sind nach Ansicht der IBD in den letzten Jahren besonders durch die Migrationsbewegungen nach Europa und eine damit einhergehende „Islamisierung“ Europas gefährdet.

Die Ursprünge der „Identitären Bewegung“ sind in Frankreich zu finden, wo sich bereits seit den frühen 2000er Jahren unter den Namen „Bloc identitaire“ bzw. „Génération identitaire“ erste Gruppierungen formierten. In Deutschland trat die IBD im Oktober 2012 erstmals auf Facebook in Erscheinung, war also im Ursprung eher ein Internetphänomen. Später wurde sie immer stärker auch durch konkrete Aktionen als Personenzusammenschluss wahrnehmbar; in der Folgezeit entstanden Ortsgruppen, die inzwischen in übergeordneten Regionalgruppen zusammengefasst sind. Deren Zuschnitt scheint sich an vermeintlich oder tatsächlich historischen Staats- bzw. Regionalgrenzen zu orientieren.

Deutschlandweit hatte die „Identitäre Bewegung“ im Jahr 2016 etwa 400 Anhänger, in Baden-Württemberg waren es 2017 etwa 80.

Die Positionen der „Identitären Bewegung“ umfassen nicht alle zentralen Elemente rechtsextremer Ideologie. In ihren programmatischen Texten finden sich fremden- und insbesondere islamfeindliche Aussagen sowie verschwörungsideologische Ansätze, die auf den Grundannahmen des Ethnopluralismus fußen. Dieses Denkmodell geht von der Existenz einzelner Völker bzw. Ethnien aus, deren jeweilige kulturelle Eigenschaften durch die Vermischung der verschiedenen Völker bedroht sind. Verfechter ethnopluralistischer Positionen treten daher für eine strikte Trennung ein: Jedes Volk soll ausschließlich auf dem eigenen Territorium leben und auf diese Weise seine Identität bewahren. Migration nehmen sie grundsätzlich als Bedrohung wahr; in der Folge fordern sie unter dem Schlagwort „Remigration“ die Umkehrung der Migrationsbewegungen. Ein ethnisches Verständnis des Volksbegriffs und eine damit verbundene Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsteile steht im Widerspruch zum Prinzip der Achtung der Menschenwürde gemäß Art. 1 Abs. 1 GG.

Eine positive Bewertung des historischen Nationalsozialismus oder ultranationalistische Positionen, also zentrale Elemente der rechtsextremen Ideologie, finden sich in IBD-Programmschriften dagegen nicht. Ihre Ideologie mündet in eine fundamentale Ablehnung der Einwanderung – insbesondere von Muslimen – nach Deutschland und Europa. In zentralen IBD-Texten wird die aktuelle Zuwanderungssituation als Verschwörung der Medien und der politischen Parteien und Eliten gewertet. Letztere verfolgen nach Auffassung der IBD das Ziel, die angestammten Völker Europas vollständig durch außereuropäische Zuwanderer zu ersetzen und damit traditionelle europäische Kultur(en) zu zerstören. In diesem Zusammenhang spricht sie von einem planmäßigen „Großen Austausch“.

Ihre Ideologie verbreitet die „Identitäre Bewegung“ durch vielfältige öffentlichkeitswirksame Aktionen und die anschließende Berichterstattung im Internet.


Ausführliche Informationen zur „Identitären Bewegung“ und ihren Aktivitäten finden Sie im aktuellen Verfassungsschutzbericht ab Seite 176.