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IS-Video präsentiert Terrorverdächtigen Reda SEYAM als wichtigen Funktionär

Islamismus     6 | 2015

Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) kündigt in einem Propagandavideo  mit dem Titel „Die Bildung unter dem Schirm des Kalifats“, das vermutlich im Februar 2015 entstanden ist, die Schaffung eines neuen Bildungswesens in den von ihm eroberten Gebieten an. Der Bildungsausschuss des IS ruft in diesem Zusammenhang die Lehrer dazu auf, sich vom Bildungsplan der irakischen Regime zu distanzieren und sich zum neuen Bildungskonzept des IS zu bekennen. Wie das Video nahelegt, übt der ehemals in Baden-Württemberg lebende Islamist Reda SEYAM auf diesem Gebiet maßgeblichen Einfluss aus.

Der Deutsch-Ägypter SEYAM hat bis 2004 mehrere Jahre in Baden-Württemberg gelebt, zuletzt in Laichingen/Alb-Donau-Kreis. Er wird im Video in einer kurzen Sequenz bei einer Veranstaltung, vermutlich für Lehrer, in einer Moschee in Mossul gezeigt und als einer der Verantwortlichen des IS-Bildungssauschusses vorgestellt. Letzteres lässt vermuten, dass er offenkundig eine wichtige Stellung in der IS-Bildungshierarchie bekleidet.

Allerdings werden weder sein realer Name noch sein Kampfname eingeblendet. Dies ist insofern ungewöhnlich, da führende Funktionäre, insbesondere wenn sie aus dem Ausland stammen, bei Redebeiträgen praktisch immer namentlich genannt werden. Somit ist nicht zwingend der Beleg dafür erbracht, das SEYAM eine wirklich einflussreiche Stellung im Führungskader des IS einnimmt.

Das genannte Video des IS dient wie eine Vielzahl ähnlicher Propaganda-
veröffentlichungen dazu, den IS als gutorganisiertes und funktionierendes pseudostaatliches Konstrukt zu präsentieren. So wurden in der Vergangen- heit mehrere Videos veröffentlicht, welche die Umstrukturierung des Justiz- und Verwaltungswesens in den eroberten Gebieten dokumentieren. Die vom IS neu eingeführten behördlichen und politischen Maßnahmen dienen an erster Stelle dazu, seinen Machtanspruch über die eingenommenen Gebiete zu untermauern und die dortige Bevölkerung von den neuen „Staats-
strukturen“ sowie der mit ihnen verbundenen Einführung der Scharia zu überzeugen. In den letzten Monaten kursierten unbestätigte Gerüchte über die Stellung von Reda SEYAM als angeblicher „Kulturminister“ des IS und über seinen Tod in Mossul im Dezember 2014. 

SEYAM , der in Deutschland zuletzt mit seiner zweiten Ehefrau und seinen sieben Kindern in Berlin gelebt hatte, verschwand Mitte 2012 mit unbekannten Ziel und tauchte, nach angeblichen Aufenthalten in Bosnien, Saudi-Arabien und Indonesien, Monate später als angeblicher Kameramann für den katarischen Sender al-Jazeera in Syrien wieder in Erscheinung. Danach verlor sich erneut seine Spur bis zum Auftritt in besagtem Video im Februar 2015. 

Der 1960 in Ägypten geborene Reda SEYAM schaut auf eine umfassende „Karriere“ in jihadistischen Zusammenhängen zurück. Bereits1994 begab er sich mit seiner damaligen, aus Deutschland stammenden ersten Ehefrau nach Bosnien; dort produzierte er erste Propagandavideos, die den Kampf der „Mujahidin“ glorifizierten. Er wurde 2002 verdächtigt, einer der Hintermänner des Sprengstoffattentats auf eine hauptsächlich von ausländischen Touristen besuchte Diskothek in Kuta auf Bali gewesen zu sein, bei dem 202 Menschen starben. In diesem Zusammenhang wurde er in Indonesien von der CIA befragt. Das BKA überführte ihn daraufhin 2003 nach Deutschland. Hier musste er sich allerdings nie für seine Aktivitäten im Ausland verantworten.
Er gehörte im weiteren Verlauf zu den Besuchern des Neu-Ulmer „Multikulturhauses“ (MKH), eines Hotspots der islamistischen Szene in der Region, das am 28. Dezember 2005 von der bayerischen Staatsregierung geschlossen wurde. SEYAM lebte ab 2004 jahrelang in Berlin und produzierte dort Propagandavideos für Anhänger des Salafismus. Während dieser Zeit pflegte er auch den Kontakt zu vielen bekannten Vertretern der islamistischen Szene.