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IGMG veranstaltet „Tag der Brüderlichkeit und Solidarität“

Islamismus     6 | 2013

Am 19. Mai 2013 führte die „Islamische Gemeinschaft Milli Görüs e. V.“ (IGMG) in Hasselt/Belgien [Veranstaltungsort waren die „Grenslandhallen“ (auch „Ethias Arena“ genannt) in Hasselt. Maximale Kapazität dieser Halle: 21.600 Personen] ihren „Tag der Brüderlichkeit und Solidarität“ („Kardeslik ve Dayanisma Günü“) durch. Nach Angaben der IGMG besuchten rund 20.000 Personen die Veranstaltung. Die letzte Großveranstaltung dieser Art war im Mai 2008 ebenfalls in Hasselt abgehalten worden. Eine Teilnahme von Politikern aus der Türkei war im Vorfeld nicht offiziell angekündigt worden.

In der Rückschau zeigte sich, dass sich unter den teilnehmenden Ehrengästen sowohl Politiker der „Saadet Partisi“ („Partei der Glückseligkeit“, SP) als auch der Regierungspartei AKP befanden; daneben waren auch hochrangige türkische Diplomaten anwesend. Sowohl die AKP als auch die SP waren 2001 als zwei widerstreitende Flügel aus der zuvor verbotenen „Fazilet Partisi“ („Tugendpartei“, FP) hervorgegangen.

Die Vorsitzenden der teilnehmenden IGMG-Regionalverbände wurden zu Beginn der Veranstaltung einzeln vorgestellt. Dabei wurden die Vorsitzenden der Regionalverbände Hamburg und Bremen insofern herausgehoben, als sie als diejenigen gefeiert wurden, die in den beiden Stadtstaaten „Vorreiter beim Vertragsschluss des Staates mit den Muslimen“ [in Hamburg wurde im November 2012, in Bremen im Januar 2013 ein Staatsvertrag zwischen dem jeweiligen Senat und den dort ansässigen muslimischen Religionsgemeinschaften geschlossen] gewesen seien.

Die Teilnehmer der Veranstaltung waren zumeist in organisierter Form aus allen europäischen Ländern angereist, in denen die „Milli Görüs“ vertreten ist. Laut einem Facebook-Eintrag stammten 339 Teilnehmer allein aus dem Regionalverband Schwaben, zu dem u. a. die Ortsvereine Ravensburg, Ulm, Blaubeuren, Heidenheim, Wangen i. A., Biberach und Friedrichshafen gehören. Diese Jugendlichen präsentierten sich auf einem Kurzvideo nach der Ankunft an der Veranstaltungshalle selbstbewusst mit einer Art wechselndem Sprechgesang: „Wer ist da?“ – „Der Regionalverband Schwaben ist da!“, und skandierten anschließend auf Türkisch „Wir sind die Generation der Hoffnung dieser Welt!“.

Zu den Rednern gehörten neben dem IGMG-Generalvorsitzenden Kemal ERGÜN und Generalsekretär Oguz ÜCÜNCÜ auch der SP-Generalvorsitzende Mustafa KAMALAK und der stellvertretende türkische Ministerpräsident Bekir Bozdag, der dem „Präsidium für Auslandstürken“ vorsteht. KAMALAK beschwor in einer rund 15-minütigen Rede, die mehrfach von den Rufen „Glaubenskämpfer Kamalak“ („Mücahit Kamalak“) und „Gott ist groß“ („Allahu ekber“) unterbrochen wurde, die Auffassung, dass es sich bei „Milli Görüs“ um die „Mission“ (dava) der Wahrheit [hak; auch: des Rechts, Gottes] handle und bei ihren Anhängern um die „unerschrockenen Opferwilligen“ und die Garanten der Zukunft der gesamten Menschheit. „Ihr Milli-Görüs-Soldaten“, so KAMALAK im Verlauf seiner Rede, „natürlich wissen wir um die Schwierigkeiten, denen ihr euch in Europa ausgesetzt seht. Das ist nicht euer Fehler. Immer wurden der Mission des Rechts Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Seid versichert, dass diejenigen, die diese Hindernisse hinstellen, schlecht daran tun.“ Bei denjenigen, die heutzutage die Welt in Brand setzten, handle es sich nicht um die Anhänger der „Milli Görüs“, so KAMALAK weiter; weder habe die „Milli Görüs“ den Zweiten Weltkrieg noch die heutigen Kriege auf der Welt verursacht. Seine Ausführungen gipfelten in den Worten „Ohne Islam gibt es keine Glückseligkeit“ – und damit in dem unausgesprochenen Auftrag an die Anhänger, sich selbst wie auch das eigene Umfeld im Sinne der Religion zu wandeln.

Der Auftritt eines AKP-Politikers, in diesem Fall des stellvertretenden Minister-präsidenten Bozdag, bei einer Veranstaltung der IGMG ist ein bisher einmaliger Vorgang. In IGMG-Kreisen, so zeigten im Nachhinein verschiedene Internetbeiträge, löste dieser Umstand unterschiedliche, zum Teil auch ablehnende Reaktionen aus. So wurde in manchen Beiträgen stark kritisiert, dass der AKP in Kreisen der IGMG eine Plattform zur Selbstdarstellung geboten wurde. Bozdag seinerseits ergriff in seinem ausführlichen Redebeitrag die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass die „‚Milli-Görüs‘-Organisation einen Staatspräsidenten, einen Ministerpräsidenten, Minister, Abgeordnete, Politiker und Wissenschaftler hervorgebracht“ habe. Zu Anfang seiner Rede gedachte er des ideellen Vaters der „Milli-Görüs“-Mission, Necmettin ERBAKAN. Bozdag lobte den Beitrag der türkischstämmigen Landsleute am wirtschaftlichen Erfolg in den europäischen Ländern. Sodann äußerte er selbstbewusst, die Ära der Integration in Europa sei nunmehr beendet; es sei an der Zeit, über gleichberechtigte Teilhabe zu sprechen.

Zum Ende dieses Teils der Veranstaltung und vor Beginn des Rahmenprogramms grüßten der AKP-Politiker Bozdag, der SP-Politiker KAMALAK und der IGMG-Generalvorsitzende ERGÜN Hand in Hand die Menge und wurden von ihr begeistert gefeiert.