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Glossar | Islamismus

A

A.H. (Anno Hegirae)
Steht für die Ära des islamischen Kalenders. Dabei werden die Mondjahre seit der Auswanderung Muhammads von Mekka nach Medina (Hidjra), die 622 nach der christlichen Zeitrechung stattgefunden haben soll, gezählt. Das Mondjahr ist mit nur 354 Tagen über 10 Tage kürzer als unser Sonnenjahr. Die folgende Formel ermöglicht eine Annäherung: das islamische Datum wird mit 0,97 multipliziert und dann wird 622 addiert. Für die genaue Datumsbestimmung existieren jedoch kompliziertere Umrechnungstabellen.

Ausländerextremismus
Der Ausländerextremismus stellt keinen eigenen Typus des Extremismus dar, sondern ist ein Sammelbegriff für extremistische Bestrebungen von Ausländerorganisationen. Es kann sich dabei der Sache nach um linksextremistische, rechtsextremistische, islamistische und andere Bestrebungen handeln.

F

Fatwa
Islamisches Rechtsgutachten beziehungsweise eine Handlungsanweisung.

Fundamentalismus
Fundamentalismus rat erstmals als eine Variante protestantischer Frömmigkeit in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Erscheinung. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden damit umfassende oder teilweise antimoderne Strömungen bezeichnet. In der europäischen Publizistik wird dieser Begriff im Hinblick auf islamistische Bewegungen verwandt und meist undifferenziert von "Integrismus" oder "Fundamentalismus" gesprochen.
Basis fundamentalistischen Denkens ist ein geschlossenes System von Überzeugungen, das keiner Kritik zugänglich ist. Abweichende Meinungen oder alternative Entwürfe werden als - meist böswillige - Negierung der Wahrheit denunziert. Diese ausschließliche Tendenz hat zumeist eine negative Haltung hinsichtlich der Menschenrechte (z. B. Religionsfreiheit), des Pluralismus und demokratischer Prinzipien zur Folge. Toleranz wird nicht als Ausfluß eines humanistischen Gebotes gedeutet, sondern in altertümlicher Weise eingeschränkt gewährt.

H

Hadith
Überlieferung bezüglich des Tuns, Sagens oder Duldens des Propheten

I

Islamismus
Bezeichnung für ein Phänomen innerhalb des politischen Spektrums in der islamischen Welt des 20. Jahrhunderts. Vertreter des Islamismus verstehen sich selbst als Mitglieder einer "islamischen Bewegung". Inhaltlich bezeichnet der Begriff Islamismus einen Rückgriff auf einen ideal verstandenen Urislam (7. Jahrhundert) unter einer sehr freizügigen Interpretation grundlegender Texte wie Koran und prophetischer Tradition (hadith).
Der nicht nur religiös, sondern vor allem politisch gedeutete universale Ansatz des Islamismus trägt starke totalitäre Züge. Der Mensch erhält seine Würde nicht durch sein Mensch-Sein, sondern durch Zugehörigkeit zur "wahren" Religion und deren Gemeinschaft. Islamistische Entwürfe sind antidemokratisch, da in der Überzeugung ihrer Verfechter der Mensch nur in göttlichem Auftrag ein bedingt freies Subjekt sein kann. De facto kommt nur Gott Souveränität zu.
Islamismus wendet sich zwar gegen die vom Westen ausgehende Moderne, möchte aber die Ergebnisse dieser Moderne vor allem in der Technik nicht entbehren. Diese sollen, unter Verzicht auf die verpönten geistigen Grundlagen, in eine "islamische Ordnung" integriert werden. Insoweit diese Ordnung von islamistischen Denkern skizziert wurde, trägt sie Züge, die an die totalitären Staaten im Europa der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erinnern.
Auch die theologisch begründete Skepsis gegenüber Juden vertiefte sich im Laufe der Auseinandersetzung um Palästina mehr und mehr zum Antijudentum, das seine Vorurteile und Vorbilder im europäischen Antisemitismus entlehnt. Islamistisches Denken zielt ab auf Separierung und Diskriminierung, was von Befürwortern in Europa apologetisch meist als "Identitätswahrung" interpretiert wird.

J

Jihad
Das Wort Jihad bedeutet wörtlich "Anstrengung", "Bemühung" oder "Ringen" bezüglich der Religion.

K

Kalifat
Von Arabisch „khalifa": „Nachfolger, Stellvertreter". Hiermit ist der Nachfolger beziehungsweise Stellvertreter des Propheten Muhammad gemeint. Die Institution selbst heißt auf Arabisch „khilafa". Sie umfasst die Leitung der islamischen Gemeinde. Über die Eigenschaften, Befugnisse und Wege der Amtseinsetzung bestehen bei Sunniten und Schiiten unterschiedliche Auffassungen.

M

Mudjahidin (Singular: Mudjahid)
Wörtlich „Kämpfer". Dieser Begriff wird meist mit Bezug auf die Formel „auf dem Weg Gottes" verwendet. Als Mudjahidin bezeichnen sich im engeren Sinn Muslime, die in islamischen Krisengebieten wie Afghanistan, Kaschmir, Tschetschenien, Bosnien-Herzegowina und Irak auf der Seite ihrer Glaubensbrüder kämpfen.

U

Ulama
Studierte Theologen und Rechtsgelehrte.

Z

Zakat
Die Pflicht, Almosen an die Armen zu verteilen. Eine der fünf Grundpflichten jedes Muslims, je nach seiner finanziellen Situation.