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Linksextremismus | Glossar

A

Anarchismus
Anarchisten streben eine „herrschaftsfreie“ Gesellschaftsform ohne Staat an. Darin lebt jedes Individuum in freier Übereinkunft mit anderen, losgelöst von staatlichen und gesellschaftlichen Normen.

Antifaschismus
Der Begriff bezeichnet allgemein die moralisch-ethische Ablehnung des „Faschismus“ bzw. des Rechtsextremismus. Linksextremisten instrumentalisieren ihn zur Diffamierung politischer Gegner, zur Rechtfertigung eigener Strategien und Aktionsformen und letztlich zur Durchsetzung einer sozialistischen bzw. kommunistischen Gesellschaftsordnung.

Autonome
Autonome wollen nicht „funktionieren“, sondern selbstbestimmt und herrschaftsfrei – d. h. autonom – leben. Sie haben kein einheitliches ideologisches Konzept. Vielmehr folgen sie verschwommenen anarchistischen, bisweilen auch nihilistischen Vorstellungen. Ihre Gemeinsamkeit ist der Hass gegen Staat und Gesellschaft. Sie lehnen formelle Organisationen und von „außen aufgezwungene“ Gesetze und Regeln ab. Autonome zählen zum gewaltbereiten Spektrum und sind für etwa 80 bis 90 Prozent der linksextremistischen Gewalttaten verantwortlich.

E

Entrismus
Taktisches Vorgehen von Trotzkisten zur Unterwanderung „linker“ und linksextremistischer Parteien, Organisationen und Verbände. Ziel ist die verdeckte Einflussnahme auf die gesellschaftliche und politische Willensbildung unter Ausnutzung fremder Strukturen.

K

Kapitalismus
Gemeinhin wird Kapitalismus als Begriff gleichbedeutend mit der Wirtschaftsform der sozialen Marktwirtschaft verwendet. Für Linksextremisten ist diese gekennzeichnet durch das Privateigentum an Produktionsmitteln und damit durch die Spaltung der Gesellschaft in Besitzende und Nichtbesitzende. Karl Marx und Friedrich Engels beschreiben dieses System als eine Gesellschaft der „Ausbeutung“ und „Entfremdung“.

Kommunismus
Der Begriff Kommunismus wird in verschiedenen Bedeutungen verwendet. So kann darunter im weitesten Sinne jede Vorstellung bzw. Theorie von einer Gesellschaft verstanden werden, die durch absolute Gleichheit der Individuen und daher auch durch gleichgeschaltete Lebensführung gekennzeichnet ist; ausgeschlossen ist hierbei ein Privateigentum an Produktionsmitteln. Im engeren politischen Sinne wird darunter die von Marx und Engels begründete Ideologie bzw. Theorie der klassenlosen Gesellschaft verstanden.

L

Linksextremismus
Linksextremistische Bestrebungen sind darauf gerichtet, die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen. An deren Stelle soll eine totalitäre sozialistische bzw. kommunistische Gesellschaft oder eine aus ihrer Sicht herrschaftsfreie Gesellschaft – die Anarchie – errichtet werden. Das politische Handeln von Linksextremisten wird durch revolutionär-marxistische oder anarchistische Ideologien bestimmt. Bei einem Teil der Gruppierungen umfasst es auch militante Aktionsformen

M

Maoismus
Maoismus ist die chinesische Ausprägung des Marxismus-Leninismus und geht auf die Schriften des chinesischen Revolutionärs Mao Tse-tung (1893–1976) zurück. Die bekannteste Schrift ist die sogenannte „Mao-Bibel“, auch „Rotes Buch“ genannt (deutscher Originaltitel: „Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung“). Im Unterschied zum Marxismus-Leninismus ist nach maoistischer Anschauung der Bauer und nicht der Arbeiter tragendes Subjekt der kommunistischen Revolution.

Marxismus
Gesellschafts-, Wirtschafts- und Staatstheorie, die Mitte des 19. Jahrhunderts von Karl Marx (1818–1883) und Friedrich Engels (1820–1895) entwickelt wurde. Nach marxistischem Verständnis wird der Kapitalismus wegen der für ihn typischen „Widersprüche“ zwangsläufig durch eine „Diktatur des Proletariats“ und letztlich eine klassenlose Gesellschaft abgelöst. Grundlegend für den Marxismus sind „Das Kapital“ von Marx und das „Kommunistische Manifest“ (eigentlich „Manifest der Kommunistischen Partei“). Seit seiner Entstehung hat der Marxismus viele Abwandlungen und Weiterentwicklungen erfahren.

Marxismus-Leninismus
Bezeichnung für die Ideologie der „Kommunistischen Partei der Sowjetunion“ (KPdSU) die aus Lehren von Marx und Engels, deren Weiterentwicklung durch Lenin (eigentlich Wladimir Iljitsch Uljanow, 1870–1924), aber auch aus Beiträgen von Josef Stalin (1878–1953) entstanden ist. Der Marxismus-Leninismus nimmt für sich in Anspruch, ein logisch geschlossenes, wissenschaftliches System zu sein. Zugleich ist er die theoretische Basis und Zielvorgabe für den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft unter Führung der kommunistischen Partei, für den internationalen Kampf des Proletariats und die revolutionäre Veränderung der Welt.

P

Proletariat
Im Marxismus wird die „Arbeiterklasse“, die als Klasse der Besitzlosen ihre Arbeitskraft als einzige mögliche Erwerbsquelle verkaufen muss, als Proletariat bezeichnet. Aus marxistischer Sicht steht sie im unversöhnlichen Gegensatz zum Kapitalisten.

S

Schwarzer Block
Demonstrationstaktik von Gruppen und Einzelpersonen, die – bezogen auf linksextremistische Zusammenhänge – der autonomen Szene zuzurechnen sind. Sie vermitteln durch die einheitliche schwarze Bekleidung und das Tragen von Sonnenbrillen, Tüchern und Mützen sowie dem geschlossenen Auftreten als Block ein homogenes Erscheinungsbild und signalisieren Militanzbereitschaft.
Auch Rechtsextremisten bedienen sich dieser Taktik.

Sozialismus
Für Linksextremisten die Vorstufe einer kommunistischen Gesellschaft, die durch die Überwindung der kapitalistischen Staats- und Gesellschaftsordnung erreicht werden soll.

Sozialismus, demokratischer
Der „demokratische Sozialismus“ verfolgt die Etablierung sozialistischer Werte und Strukturen im Rahmen der „bürgerlich-demokratischen“ Gesellschaft; dies soll durch Reformen geschehen.

Stalinismus
Als Stalinismus werden die totalitäre Herrschaftspraxis von Josef Stalin (1878–1953) und die von ihm ausgehende Prägung des Marxismus und Leninismus bezeichnet. Der Stalinismus zielt nicht auf eine Weltrevolution ab, sondern auf die sowjetische Vormachtstellung im internationalen Kommunismus. Kennzeichnend für Stalins Diktatur waren eine ideologische Erstarrung und die Verengung des Marxismus-Leninismus auf totalitäre Machtpolitik und Personenkult, Abschaffung der bürgerlichen Rechte und Freiheiten, allumfassende Herrschaft der kommunistischen Partei, Terror gegen weite Bevölkerungskreise, „stalinistische Säuberungen“ mit der Ermordung von vermeintlichen und tatsächlichen politischen Gegnern, Oppositionellen und ganzen Bevölkerungsgruppen sowie die Ausrichtung der kommunistischen Weltbewegung auf bzw. ihre Unterordnung unter die außenpolitischen Interessen der Sowjetunion.

T

Trotzkismus
Eine internationale marxistisch-leninistische Strömung, die – ungeachtet ihrer organisatorischen Zersplitterung – auf Leo Trotzki (1879–1940) zurückgeht. Sie steht in Opposition zu Stalins in den 1920er Jahren entwickelten Ansichten, kann allerdings kaum als eine in sich geschlossene Lehre bezeichnet werden. Zu den wesentlichen trotzkistischen Elementen gehören die Theorie der „permanenten Revolution“ und die damit verbundene Kritik an der „bürokratischen Entartung“ der Sowjetunion, wie sie seit der Herrschaft Stalins eingetreten sei, ferner der Glaube an die Weltrevolution (im Unterschied zu Stalins „Sozialismus in einem Lande“), das Ziel der Errichtung einer „Diktatur des Proletariats“ in Form einer Rätedemokratie und das Festhalten am proletarischen Internationalismus.

Z

Zentralismus, demokratischer
Der Begriff „demokratischer Zentralismus“ bezeichnet als Organisationsform die Machtkonzentration auf der Führungsebene und ist ein Kennzeichen klassisch-kommunistischer Parteien. Deren politische Willensbildung erfolgt durch die Leitung und muss von der Basis konsequent umgesetzt werden. Straffe Hierarchien unterstützen die zentral gesteuerte Befehlskette. Auf dem zweiten Kongress der „Kommunistischen Internationalen“ 1920 wurde – unter Teilnahme Lenins – der Zentralismus als Organisationsprinzip angenommen; er ist damit für alle „kommunistischen Parteien“ verbindlich.