Sie sind hier: Startseite > Arbeitsfelder > Spionageabwehr > Archiv  > Archiv 2014 > Das LfV Baden-Württemberg auf dem 6. Stuttgarter Sicherheitskongress

Das LfV Baden-Württemberg auf dem 6. Stuttgarter Sicherheitskongress

Spionageabwehr     12 | 2014

Der 6. Stuttgarter Sicherheitskongress der IHK Region Stuttgart (in Kooperation mit dem Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie e. V. und der Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft) drehte sich in diesem Jahr ganz um die Themen Wirtschaftsspionage/Konkurrenzausspähung, Know-how-Schutz und IT-Sicherheit. Das Wirtschaftsschutzteam des Landesamts für Verfassungsschutz und Kollegen des Bundesamts stellten in der begleitenden Fachausstellung an einem Gemeinschaftsstand ihre Angebotspalette vor.

Der Kongress war darauf ausgerichtet, Unternehmen praxisnah zu unterstützen und ihre bestehenden Sicherheitskonzepte der aktuellen Bedrohungslage anzupassen sowie weiterzuentwickeln. Zielgruppe waren vor allem regionale Unternehmen aller Branchen, die sich für Unternehmenssicherheit und Informationsschutz interessieren. Die rund 250 Teilnehmer konnten sich in Expertenvorträgen umfassend über Wirtschafts- und Konkurrenzausspähung, Risikomanagement, Prävention und Abwehrmöglichkeiten von Spionageangriffen informieren. Anschließend diskutierten sie angeregt die angebotenen Fachthemen. Insgesamt konnten alle Beteiligten einen Erkenntnisgewinn hinsichtlich der Optimierungsmöglichkeiten für die Unternehmenssicherheit in den eigenen Betrieben ziehen. Begleitend fand darüber hinaus eine Fachausstellung statt, die ebenfalls zur Wissensvermittlung beitrug. An dieser Ausstellung beteiligten sich das Wirtschaftsschutzteam des Landesamts und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) mit einem Gemeinschaftsstand.

Besondere Bedeutung hatte der Impulsvortrag „Wirtschaftsspionage im digitalen Zeitalter und ihre Abwehrmöglichkeiten“ von BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen. Dessen Kernaussagen betrafen die spezielle Anfälligkeit der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) für Wirtschaftsspionage. Im Gegensatz zu den deutschen Großkonzernen, die zum Beispiel beim Thema IT-Sicherheit gut aufgestellt seien, würden sich viele KMU kaum oder gar nicht auf Hackerangriffe einstellen, die auf ihre Firmengeheimnisse zielten. KMU besäßen oft überhaupt kein oder nur ein unzureichendes Sicherheitskonzept. Vielfach hätten sie für sich noch keine Kriterien entwickelt, welche Daten besonders schützenswert seien und in welchen Bereichen kein erhöhter Sicherheitsaufwand notwendig sei. Den partiell ungenügend präparierten mittelständischen Unternehmen stünden laut Maaßen in der Regel deutlich mächtigere Angreifer in Form ausländischer Geheimdienste oder der organisierten Kriminalität gegenüber. Er bezeichnete dies als einen „asymmetrischen Konflikt“. Aufgrund der zentralen Rolle des Mittelstands in der deutschen Wirtschaftslandschaft biete der Verfassungsschutz diesem besondere Unterstützung bei der Entwicklung von Informationsschutzkonzepten und Beratung zum Thema Wirtschaftsschutz an.

Im Gegenzug sei der Verfassungsschutz dringend auf Verdachtshinweise der Firmen angewiesen. Damit spielte er auf das geplante IT-Sicherheitsgesetz des Bundes an, das voraussichtlich 2015 verabschiedet wird und verbindliche Meldepflichten für Cyberattacken auf Unternehmen vorsieht. Je mehr (Verdachts-)Fälle analysiert und ausgewertet werden können, umso bedarfsorientierter und zielgerichteter können Abwehrempfehlungen ausgesprochen werden.

Weiterhin äußerte sich Maaßen ausführlich zur NSA-Spähaffäre. Den entscheidenden Akteur, den ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, betrachte er als Innentäter und somit als Geheimnisverräter. Maaßen machte deutlich, dass aus Snowdens Enthüllungen grundlegende Konsequenzen auch für die Arbeit der Verfassungsschutzbehörden zu ziehen seien. Obgleich es noch keine Belege für US-Wirtschaftsspionagefälle in Deutschland gebe, müsse der Verfassungsschutz noch intensiver auf seinen „Rundumblick“ achten. Das bedeute, dass neben den „üblichen Verdächtigen“ zukünftig auch entsprechende Aktivitäten anderer Nachrichtendienste verstärkt beobachtet werden müssten.

Neue Herausforderungen

Die NSA-Spähaffäre habe ebenso aufgezeigt, dass die Spionageabwehr vor neuen Herausforderungen stehe. Zwar böten die technischen Maßnahmen für modern ausgestattete fremde Nachrichtendienste sehr gute Möglichkeiten, enorme Massen an Informationen zu sammeln, ohne ein großes Entdeckungsrisiko in Kauf nehmen zu müssen. Um gegenüber diesen neuen Herausforderungen – immer besseren Spionagemöglichkeiten und den daraus erwachsenden Problemen – konsequent auftreten zu können, müsse jedoch die Abwehrarbeit auch auf dem Gebiet der Detektion, Analyse und Abwehr elektronischer Angriffe besser aufgestellt werden. Es sei notwendig, die Weiterbildung des Personals und die Rekrutierung von IT-Fachkräften voranzubringen und die vorhandene Technik weiter auszubauen.

Bei allen Befürchtungen hinsichtlich externer Datendiebe dürften laut Maaßen auch die eigenen Mitarbeiter als eventuelle Täter nicht unterschätzt werden. Der Faktor Mensch bilde hinsichtlich Nachrichtenabfluss immer noch eine entscheidende Einflussgröße.

Der Präsident der IHK Region Stuttgart, Georg Fichtner, wies in seinen Erwiderungen darauf hin, dass das Gefahrenpotenzial der Wirtschaftsspionage in den hiesigen Vorzeigebranchen wie der Automobil- und Maschinenbau besonders ausgeprägt sei. Ähnliches gelte auch für den Finanzsektor. Die Angreifer würden sich vor allem für Technologien und Fertigungsprozesse, aber auch für Kalkulationsdaten und Angebotsunterlagen interessieren. Seitens der IHK Region Stuttgart wurden die Ausführungen von BfV-Präsident Maaßen dahingehend ergänzt, dass der Schulterschluss aller Beteiligten des Wirtschaftslebens unabdingbar sei, um besonders den kleinen und mittleren Unternehmen den notwendigen Schutz und die Entwicklung alltagstauglicher Lösungen gegen Wirtschaftsspionage und Konkurrenzausspähung zu ermöglichen.

Das Kongressprogramm wurde durch eine Fachausstellung mit vierzehn Ausstellern ergänzt, darunter Sicherheitsbehörden, Weiterbildungs- und Forschungseinrichtungen sowie Beratungsdienstleistern. Präsentiert wurden unter anderem Versicherungslösungen, Software für den IT-Schutz und Zertifikatslehrgänge zum Thema Sicherheit.

Am Gemeinschaftsstand des Verfassungsschutzes konnten sich die Kongressteilnehmer über die Arbeit des Wirtschaftsschutzes informieren, insbesondere über dessen Leistungsangebot. Sie wurden darauf hingewiesen, dass der Verfassungsschutz individuell zugeschnittene Beratungen, Vorträge etc. anbietet. Das Informations- und Gesprächsangebot wurde von den Standbesuchern rege angenommen.

Weitere Informationen finden Sie auch auf folgenden Internetseiten: Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart: www.stuttgart.ihk24.de Landesamt für Verfassungsschutz: www.verfassungsschutz-bw.de Sicherheitsforum Baden-Württemberg: www.sicherheitsforum-bw.de