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PKK | Abdullah ÖCALAN

Abdullah ÖCALAN wurde 1948 als ältestes von sechs Kindern einer armen Bauernfamilie in Südostanatolien geboren. Als Student an der Fakultät für Politikwissenschaft in Ankara erlebte er die intensive Phase der revolutionären Jugendbewegung von 1968 in der Türkei und sympathisierte nachdrücklich mit deren Ideen. An seiner  Universität diskutierte die Studentenbewegung in dieser Phase intensiv die nationale Frage. Die Bestimmungsgrößen der politischen und gesellschaftlichen Gemengelage begünstigten die Verfestigung militanter extremistischer Zirkel. Relativ rasch entwickelte sich die kurdische Frage zu einem Themenpunkt in der revolutionären studentischen Bewegung.

Abdullah ÖCALAN

Einen Wendepunkt in ÖCALANS persönlichem Werdegang markierte die Tötung von Mahir Cayan, einer Symbolfigur der türkischen Linken, durch türkische Sicherheitskräfte im Frühjahr 1972. Alsbald wurde er innerhalb seines Zirkels von marxistischen Oppositionellen zur treibenden Kraft und zu einem der führenden Köpfe bei der Organisation studentischer Boykottaktionen an der Universität Ankara. Aus dieser Zeit stammt auch die respektvolle Anrede ÖCALANs als „Apo“ (= Onkel; auch Abkürzung des Vornamens Abdullah). Zusammen mit vielen anderen Mitstreitern wurde er schließlich verhaftet und musste sechs Monate im Militärgefängnis Mamak verbringen. Im Oktober 1972 kam er im Rahmen einer Amnestie vorzeitig frei und beteiligte sich danach maßgeblich am Neuaufbau einer Studentenorganisation in Ankara.

Nach eingehenden politischen Analysen verfasste er 1975 zusammen mit einem kleinen Kreis seiner Wegbegleiter eine theoretische Schrift („Manifest“), in der er die wichtigsten Ziele und Aufgaben einer Revolution in Kurdistan niederlegte. Ab 1976 begann für diese Gruppe mit dem Aufbau einer Parteiorganisation eine neue Phase. Im November 1978 konstituierte sich die Bewegung schließlich als „Arbeiterpartei Kurdistans“ (PKK), die in der Folgezeit rasch eine weitere Anhängerschaft in der kurdischen Bevölkerung fand.

Kurz vor dem erneuten türkischen Militärputsch vom 12. September 1980 zog sich ÖCALAN zur Neuorganisation seiner angeschlagenen Vereinigung nach Syrien zurück. Mit Duldung offizieller Stellen gründete er in der syrisch kontrollierten Bekaa-Ebene im Libanon zwei Akademien zur politischen und militärischen Ausbildung seiner Kader und Guerillakämpfer. Nach substanziellen Drohungen der Türkei gegenüber Syrien musste ÖCALAN Anfang Oktober 1998 seine Zufluchtsstätte verlassen. Seine erfolglose Suche nach einem sicheren Exilland endete am 15. Februar 1999 in Nairobi/Kenia, wo ihn türkische Sicherheitskräfte nach dem Verlassen der griechischen Botschaft festnahmen. Anschließend wurde er in die Türkei verbracht.

Am 31. Mai 1999 wurde in der Türkei vor dem Staatssicherheitsgericht Ankara der Prozess gegen ÖCALAN eröffnet, der erstinstanzlich am 29. Juni 1999 mit der Verurteilung zum Tode wegen Hochverrats endete. Das Urteil wurde in allen Instanzen bestätigt. Nachdem das türkische Parlament im August 2002 unter anderem die grundsätzliche Abschaffung der Todesstrafe beschlossen hatte, wurde ÖCALANs Todesurteil in eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne Begnadigungsmöglichkeit umgewandelt. Bereits seit seiner Verbringung in die Türkei 1999 ist er auf der Gefängnisinsel Imrali im Marmarameer inhaftiert; bis 2009 war er dort der einzige Insasse. Während seiner Haft entwickelte er für seine Organisation ein neues Konzept: die sogenannte Friedensstrategie. Im September 1999 ließ er dann verkünden, dass der bewaffnete Kampf, der 15 Jahre gedauert und tausende Menschenleben gefordert habe, beendet sei. Stattdessen solle auf politischem Weg und ohne Gewaltanwendung das Kurdenproblem „demokratisch“ gelöst werden.

Nach wie vor wird um ÖCALAN ein immenser Personenkult betrieben, und er gilt weiterhin als zentrale Führungsfigur innerhalb der PKK. Bei Solidaritätsaktionen der PKK-Anhänger werden vor allem die Haftbedingungen und sein sich verschlechternder Gesundheitszustand thematisiert.

Ab Ende des Jahres 2012 verhandelte die türkische Regierung erstmals offiziell mit dem inhaftierten Kurdenführer und der PKK.