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ADÜTDF-Musikveranstaltung erregt öffentliches Interesse

Ausländerextremismus     3 | 2013

Am 19. Januar 2013 organisierte die Leitung des Gebiets Baden-Württemberg 1 (BW1) der extrem nationalistischen „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e. V.“ (ADÜTDF) in Ebersbach an der Fils eine Musikveranstaltung, an der ca. 800 Personen teilnahmen. Im Vorfeld hatte dieses Ereignis für großes mediales Interesse gesorgt; außer zerstochenen Reifen an den Autos mehrerer Veranstaltungsteilnehmer wurden jedoch keine unfriedlichen Zwischenfälle verzeichnet.

Das öffentliche Interesse an dieser Musikveranstaltung, die unter dem Motto „Einheit im Ideal – Wir haben ein gemeinsames Ideal, wir haben eine gemeinsame Leidenschaft, wir sind eine große Familie“ stand, hatte sich im Vorfeld zusehends gesteigert. Der Grund dafür war, dass es sich beim Organisator um die Sektion BW1 (Großraum Stuttgart) der ADÜTDF handelte, eines Sammelbeckens extrem nationalistischer Personen mit türkischem Migrationshintergrund. Das war beispielsweise für die Junge Union ein Grund, das Verbot dieser Veranstaltung zu fordern. Eine antifaschistische Gruppe aus Göppingen warnte ebenfalls vor der Durchführung.

Die Veranstaltung fand jedoch planmäßig in der privaten Veranstaltungshalle Diamant in Ebersbach an der Fils/Kreis Göppingen statt. In einem Zeitungsinterview äußerte Mustafa TOK, ein Mitglied des BW1-Vorstands, Unverständnis über den Medienwirbel und sagte, dass die Teilnehmer lediglich ihre türkische Identität erhalten und so leben wollten, wie es sich gehöre. „Wir verabscheuen Rassismus und Totalitarismus, wir lehnen jede Form des Extremismus ab“, wird TOK zitiert.

Zu Beginn der Veranstaltung hielt der Vorsitzende des Gebiets BW1, Özkan YESILAY, eine Rede. Darin sagte er u. a., dass in Bezug auf das Kulturfest in der vorangegangenen Woche unrealistische und mit Vorurteilen behaftete Nachrichten verbreitet worden seien. Es sei behauptet worden, dass die Veranstaltung gegen den Gedanken der Integration gerichtet sei und dass sie die verfassungsmäßige Ordnung Deutschlands gefährde. Der ebenfalls anwesende Generalvorsitzende der ADÜTDF, Sentürk DOGRUYOL, äußerte sich in seiner Rede in ähnlicher Weise.

Wie angekündigt trat im Hauptprogramm Ahmet SAFAK auf. Bei ihm handelt es sich um einen Sänger aus dem Künstlerpool der ADÜTDF, der in diesem politischen Milieu äußerst beliebt ist. SAFAK ist ein bekennender Nationalist und steht der „Partei der Nationalistischen Bewegung“ (MHP) in der Türkei sehr nahe. Dementsprechend geht es in seinen Liedern hauptsächlich um die Heroisierung türkischer Soldaten, die im Kampf gegen die „Arbeiterpartei Kurdistans“ (PKK) gefallen sind, sowie um die Glorifizierung der Türkei. In seinen älteren Liedern, die immer noch gerne gehört werden, ruft er dazu auf, „in die Berge“ zu gehen, also aktiv die PKK zu bekämpfen. Während seines Auftritts schwenkten einige Personen Fahnen mit drei Halbmonden auf rotem Hintergrund, dem Parteilogo der MHP, und zeigten den Wolfsgruß, eben-falls ein Symbol der türkischen nationalistischen Bewegung.

Nach dem Ende der Veranstaltung stellten mehrere Konzertbesucher an ihren Fahrzeugen zerstochene Reifen fest. Einige der Geschädigten erstatteten noch vor Ort bei den diensthabenden Polizeibeamten Anzeige. Des Weiteren wurden bereits vor Veranstaltungsbeginn an der Gebäudemauer des Veranstaltungsortes die Parolen „Verflucht sei der Faschismus, Tod dem Faschismus“ entdeckt. Die Organisatoren verdeckten daraufhin diese Farbschmierereien mit eigenen Plakaten. Weitere unfriedliche Zwischenfälle, beispielsweise in Form einer Gegenveranstaltung, blieben aus.