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30. Todestag von Scientology-Gründer L. Ron HUBBARD (Teil 2)​

Scientology-Organisation     2 | 2016

Machtkampf
 
In dieser Zeit trat ein junger Scientologe aus dem Umfeld HUBBARDs in Erscheinung, der die Zügel der Macht übernehmen sollte: David MISCAVIGE, der als Zwölfjähriger durch seine Eltern zu Scientology gekommen sein soll und im Umfeld HUBBARDs tätig war. Der Auslöser beziehungsweise die Gelegenheit, um an die Spitze zu gelangen, war für ihn der „Schneewittchen“-Skandal. Zwischen 1980 und 1983 übernahm MISCAVIGE Scientology, wobei ehemalige Scientologen über eine Art Handstreich und einen intriganten Machtkampf berichteten. MISCAVIGE habe mit seinen Gefolgsleuten alte HUBBARD-Getreue mit teils rüden Methoden aus der Verantwortung gedrängt, auch die Familie HUBBARDs sei ausgebootet worden. Natürlich stritt die SO all das ab und behauptete, die Machtübernahme sei einvernehmlich geschehen. Ein Konflikt erscheint trotzdem glaubwürdig. Die SO-Führung war zu HUBBARDs Zeiten auch eine Art „Familienbetrieb“ gewesen, HUBBARDs Ehefrau und die Tochter Diana hatten seinerzeit bedeutende Positionen inne. Seit Beginn der Ära MISCAVIGE spielten diese Personen keine erkennbare Rolle mehr.

Natürlich stritt die SO all das ab und behauptete, die Machtübernahme sei einvernehmlich geschehen. Ein Konflikt erscheint trotzdem glaubwürdig. Die SO-Führung war zu HUBBARDs Zeiten auch eine Art „Familienbetrieb“ gewesen, HUBBARDs Ehefrau und die Tochter Diana hatten seinerzeit bedeutende Positionen inne. Seit Beginn der Ära MISCAVIGE spielten diese Personen keine erkennbare Rolle mehr.

1982 fand eine sogenannte Missionholder-Konferenz mit zahlreichen SO-Funktionären statt, in deren Verlauf MISCAVIGE – wie das Protokoll der Tagung eindrucksvoll belegt – im Stil eines Diktators auftrat und die neue Linie vorgab. Danach war die Machtübernahme weitgehend abgeschlossen. Der Umbruch zeigte auch Wirkung an der Basis: Viele Scientologen aus der Gründergeneration verließen die SO und gründeten teilweise Splittergruppen.

HUBBARDs Tod

Seine letzten Lebensjahre soll L. Ron HUBBARD zurückgezogen auf einer Ranch nahe dem Ort Creston in Kalifornien/USA verbracht haben. Er starb im Alter von 74 Jahren am 24. Januar 1986 in einem Wohnmobil auf dem Gelände der Ranch, die bis heute Eigentum der SO sein soll. Als Todesursache wurde ein Schlaganfall angegeben [Sterbeurkunde: www.xenu.net/archive/hubbardcoroner/hubbard_death_certificate.jpg]. Eine Autopsie hatte Hubbard noch in seinen letzen Lebenstagen per Verfügung ausgeschlossen und hierbei „religiöse Gründe“ geltend gemacht. Sein Leichnam soll einen Tag nach seinem Tod verbrannt und die Asche ins Meer gestreut worden sein.

Vielleicht will die SO dem Todestag HUBBARDs deshalb keine besondere öffentliche Bedeutung beimessen, weil die näheren Umstände seines Todes – die den meisten Scientologen nicht bekannt sein dürften – die Grundfeste der scientologischen Lehre erschüttern könnten. Ein ehemaliger Scientologe äußerte, HUBBARD sei an seinem Lebensende ein gebrochener Mann gewesen. Die Hintergrundrecherche einer kalifornischen Zeitung aus dem Jahr 2009 berichtete nicht nur über HUBBARDs Schlaganfall, der bereits unmittelbar nach seinem Tod publik geworden war, sondern auch über seine schlechte körperliche Verfassung zum Todeszeitpunkt [„New Times”, „L. Ron Hubbard’s last refuge“ vom 28. Mai 2009, www.newtimesslo.com/2628/l-ron-hubbards-last-refuge/]. All das widerspricht dem scientologischen Propagandabild des vermeintlich stets erfolgreichen Scientology-Übermenschen, der als „Operating Thetan“ nahezu allmächtige Fähigkeiten haben soll und nach SO-Vorstellung nicht krank werden kann.

Was von HUBBARD blieb

Überzeugten Scientologen gilt HUBBARD als größtes Genie aller Zeiten. Für sie ist es von größter Wichtigkeit, „on source“, d. h. am „Ursprung“ beziehungsweise an der „Quelle“ von HUBBARDs Wissen zu sein. Nur so führt, nach SO-Auffassung,seine „Technologie“ zum Erfolg.

Diese Einstellung führt dazu, dass seine Verfahren, Sozial- und Psychotechniken, Führungsanweisungen und Schriften wortgetreu umgesetzt werden sollen. Interpretationen oder Abweichungen sind streng untersagt. Die „Technologie“ ist in Scientology unabhängig vom Erscheinungsdatum gültig und gilt als unfehlbar. HUBBARDs Stellenwert in der Organisation wird auch daran deutlich, dass bis heute Scientologen bei Veranstaltungen kollektiv seinem Portrait huldigen und applaudieren [zum Beispiel www.youtube.com/watch?v=H-C-wupe76E&feature=related]. Auch wird in jeder Scientology-„Org“ ein Büro eigens für ihn eingerichtet: Nach den Vorstellungen der Organisation hat HUBBARD seinen Körper verlassen, um sich ohne diesen seiner Forschungstätigkeit widmen zu können, und wird eines Tages wiederkommen.

Das Urteil der nichtscientologischen Nachwelt fällt deutlich negativer aus. Zwar war HUBBARD sicherlich ein kreativer Mensch mit Organisationstalent; ansonsten hätte er kaum aus Versatzstücken unterschiedlichster Disziplinen ein zunächst kompakt wirkendes „improve-yourself“-Angebot schaffen können, das bis heute über eine eigene, weltweite Organisation unter dem eingetragenen Warenzeichen „Scientology“ vermarktet wird. Doch HUBBARD hatte auch andere Seiten. Einer seiner Söhne kam zu dem bitteren Urteil, sein Vater habe es verstanden, Menschen zu zerstören [„Clearwater Sun”, „National Image of Suncoast Clouded by Sect“, 30. Januar 1983]. Vermeintliche und tatsächliche Gegner verfolgte HUBBARD mit Rachsucht, was seine Schriften zur Behandlung von Kritikern belegen . Viele seiner Führungsanweisungen offenbaren Zynismus und Menschenverachtung.

Da HUBBARDs Anweisungen in der SO letztlich Gesetz sind, hat das Folgen. Verschiedene Kritiker berichten bis heute über die Versuche von Scientology, sie mit gerichtlichen Klagen und allerlei Schikanen mundtot zu machen. 1984 kam ein Gericht in den USA zu dem Ergebnis: „Die Organisation ist eindeutig schizophren und paranoid, und diese bizarre Kombination scheint ein Spiegelbild ihres Gründers L. Ron Hubbard zu sein [Los Angeles Superior Court, zitiert in: www.factnet.org/Scientology/crtquot.htm (Arbeitsübersetzung)]. Zwar wird ein vergleichbares Vorgehen wie seinerzeit des „Guardian Office“ heutzutage nicht mehr bekannt, dennoch ist man in der auf Expansion getrimmten SO immer noch davon überzeugt, den „Feind“ kompromisslos bekämpfen zu müssen.

Woran einzelne Scientologen glauben mögen, ist allein ihre persönliche Angelegenheit. Überaus problematisch ist aber der kritiklose Umgang mit HUBBARDs Schriften in Bezug auf die darin geschaffenen Feindbilder sowie auf ihre antidemokratische und politisch-extremistische Ausrichtung. L. Ron HUBBARD war nicht der Erste, der von der Schaffung eines neuen Menschen und einer neuen, scheinbar idealen Gesellschaft träumte. Er erlag, wie noch heute viele Scientologen, einer Art „totalitärer Versuchung“: Mit Dianetik und Scientology erhob HUBBARD den Anspruch, nichts weniger als den perfekten Menschen („Clear) und schließlich den Übermenschen („Operierender Thetan“) zu schaffen. Wenn nur genügend dieser neuen Menschen erschaffen würden, wäre nach seiner Vorstellung auch die Errichtung einer nahezu perfekten, konfliktfreien Gesellschaft möglich. Dies thematisierte HUBBARD ausführlicher unter anderem in seinem Standardwerk „Dianetik“.

Was aber sollte mit all denen geschehen, die sich dem scientologischen Weg verweigern? HUBBARD empfahl, diese Menschen auszusondern – oder, wie er es ausdrückte, zu „isolieren“ – und „abseits von der Gesellschaft auf Dauer in Quarantäne zu halten“. Diese Menschen sollten keine bürgerlichen Rechte haben. [zum Beispiel in: L. Ron HUBBARD, Die Wissenschaft des Überlebens, Kopenhagen, 2007, S. 151 ff]. All das ist in Scientology nach wie vor geltende Lehre. Nach HUBBARDs Tod ist Scientology ideologisch erstarrt und beruft sich bis heute auf den weltanschaulichen und organisatorischen Sichtweisen ihres Gründers.