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17. ADÜTDF-Jugendseminar in Geislingen

Ausländerextremismus     6 | 2015

Am 7. Februar 2015 fand das 17. Jugendseminar des Gebiets BW1
(„Bölge 1“) der extrem nationalistischen „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e. V.“ (ADÜTDF) statt. Veranstaltungsort waren die Vereinsräumlichkeiten des „Geislingen Ülkü Ocagi – Türkischer Idealisten- und Kulturverein Geislingen e. V.“ Als Thema wurden die ersten vier Grundelemente der „Neun-Lichter-Doktrin“ des Alparslan TÜRKES behandelt. Bilder der Veranstaltung waren auf der Facebook-Seite der BW1-Gebietsleitung abrufbar.

Für einen Teil der extrem nationalistischen Bevölkerungsgruppe mit türkischem Migrationshintergrund ist die 1978 gegründete ADÜTDF ein Sammelbecken innerhalb der „Ülkücü-Bewegung“ („Idealisten“). Sie gilt als inoffizielle Vertretung der türkischen MHP („Milliyetci Hareket Partisi“/„Partei der Nationalistischen Bewegung“) in Deutschland. In der Organisations-
struktur der ADÜTDF ist Deutschland in mehrere „Bölge“ („Gebiete“) unterteilt, von denen drei in Baden-Württemberg liegen (BW1: Großraum Stuttgart; BW2: südöstlicher Teil; BW3: westlicher Teil). Unter diesen drei „Bölge“ fällt das Gebiet der BW1 durch seine besonders kontinuierliche Aktivität auf. Der breiten Öffentlichkeit sind die Mitglieder der ADÜTDF vor allem unter der Bezeichnung „Graue Wölfe“ bekannt. 

MHP-Gründer Alparslan TÜRKES, ehrenvoll auch „Basbug“ („Führer“) genannt, hat sein Gedankengut in der 1965 erstmals veröffentlichten  „Neun-Lichter-Doktrin“ für seine Anhänger festgehalten. Als „Neun Lichter“ werden die Grundtugenden seiner Bewegung bezeichnet: Nationalismus, Idealismus, Moralismus, Wissenschaftlichkeit, Gemeinschaftlichkeit, Förderung der Landwirtschaft, Liberalismus und Individualismus sowie Entwicklung und Volksverbundenheit. Die Doktrin gilt sowohl für seine Anhänger in der Türkei als auch in Deutschland weiter als Leitwerk und programmatische Basis. 

In dem Jugendseminar des Bölge BW1 wurde das Augenmerk auf die ersten vier Prinzipien gelegt. Unter dem ersten Prinzip „Nationalismus“ ist nach TÜRKES zu verstehen, dass alle Geschehnisse unter dem türkischen Aspekt zu sehen sind und dass jede Aktion der türkischen Nation nützlich sein soll. Das zweite Prinzip „Idealismus“ ist dabei untrennbar mit dem Nationalismus verbunden: 

„Wenn ein Mensch ein Mensch sein möchte, wenn er der Menschheit dienen möchte, muss er zuerst seiner eigenen Nation dienen, seine eigene Nation erhöhen und sich darum bemühen, seine eigenen Nation glücklich zu machen.“ 

Die übersteigerte Auslegung der Prinzipien macht den problematischen Charakter der ADÜTDF deutlich: Sie ist antidemokratisch und in hohem Maße integrationshemmend ausgerichtet. Die Veranstaltung in Geislingen zeigt, dass auch innerhalb der Jugendarbeit der ADÜTDF die „Neun-Lichter-Doktrin“ eine große Rolle spielt und bei einer solchen Veranstaltung eine gezielte Verbreitung der Ideologie unter den Anhängern angestrebt wird.