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„Ist das Leben nur ein Spiel?“ – Missionierungsaktivitäten der österreichischen Organisation „Iman“

Islamismus     11 | 2018

Die österreichische salafistische Organisation „Iman“ war im Juli 2018 in Ba-den-Württemberg aktiv. Mit ihrem Konzept, welches das Streben nach einer Islamisierung des direkten sozialen Umfelds und ein intellektuelles Auftreten beinhaltet, ist „Iman“ als durchaus ernstzunehmender Akteur der salafistischen Szene zu werten. Zugleich wird deutlich, dass die Organisation sich mit dieser Strategie von früheren Ausprägungen salafistischer „Da’wa“-Arbeit absetzt.

Im Juli 2018 führte „Iman“ („Glaube“) erstmals Aktivitäten in Baden-Württemberg durch. In einer Moschee im Raum Stuttgart stellten Vertreter von „Iman“ zunächst das Buch „Jesus. Mensch. Gesandter. Messias“ vor, das von der britischen salafistischen Organisation „Islamic Education and Research Academy“ („iERA“) herausgegeben wird. Das Buch enthält eine salafistische Darstellung von Jesus, wobei vor allem die Unterschiede zur jüdischen und christlichen Tradition dargelegt werden. Anschließend wurde, ebenfalls im Raum Stuttgart, ein ganztätiger Workshop durchgeführt, der als Multiplikatorenveranstaltung für „Iman“ angesehen werden kann.

Betätigungsfelder und Methodik

Die in Wien ansässige Organisation wurde nach eigenen Angaben 2014 gegründet und soll weltweit aktiv sein. Ihre Mission beschreibt sie als „Aufklärungsarbeit über den Islam“. Dazu organisiert sie Infostände in belebten Einkaufsstraßen und versucht dort, mit Nicht-Muslimen ins Gespräch zu kommen. Solche Gespräche werden zuweilen per Video dokumentiert und auf den Social-Media-Accounts von „Iman“ eingestellt. In diesen Videos ist ersichtlich, dass die „Iman“-Aktivisten häufig mit einem Slogan in Kontakt mit den Nicht-Muslimen starten: „Ist das Leben nur ein Spiel?“ Der sich daraus ergebende Dialog wird stark durch die Art der Gesprächsführung der „Iman“-Vertreter geprägt. Deren Argumentationen hinterlassen häufig einen durchaus intellektuellen Eindruck; das zeigt sich auch am genutzten Vokabular, das den Gesprächspartnern mitunter erklärt werden muss.

Ein zweites großes Betätigungsfeld von „Iman“ ist es, Muslime in genau dieser Art der Gesprächsführung mit Nicht-Muslimen zu trainieren. Auch der besagte Workshop in Stuttgart zielte darauf ab. Auf ihrem Facebook-Account gibt „Iman“ an, „über 30 Teilnehmer“ beim Training in Stuttgart betreut zu haben. Der Eintrag verweist darüber hinaus auf die Methode, die in solchen Workshops vermittelt wird: „GOPAS“ wird als effektive Struktur gepriesen, um Nicht-Muslimen den Islam näher zu bringen. Die Abkürzung steht für einen Gesprächsleitfaden, der über die Themen Gott, Offenbarung, Prophetentum, Akhira (Jenseits) zum Aussprechen der Schahada (Glaubensbekenntnis) durch den Nicht-Muslim und damit zu seiner Konversion führen könne. Das alles wird unter dem Label eines vermeintlich altruistischen Ansinnens verkauft, wie einem Video zu entnehmen ist:

„Wir wissen alle, wo diese Menschen am Ende rauskommen, wenn sie ohne den Islam sterben und das sollte einen als Muslim nicht kalt lassen. Man sollte sich um die Menschen bemühen.“

Ferner organisiert „Iman“ Umra-Reisen nach Saudi-Arabien; bei der Umra handelt es sich um die kleine Pilgerfahrt nach Mekka. Die Organisation preist diese Umra-Reisen als Bildungsreisen an. Dazu wurden Werbevideos erstellt, die zeigen, was den Reisenden über „Iman“ in Saudi-Arabien geboten wird: Neben dem Besuch von zentralen Orten und saudischen Institutionen sowie Unterrichtseinheiten soll sie ein umfangreiches Programm mit Ausflügen (Kamelritte), traditionellem Essen und Getränken und Freizeitangeboten (Schwimmen und Sport) erwarten.

Personal

Zentrale Akteure bei „Iman“ sind die Österreicher Sertac ODABAS und Amir EL SHAMY; beide waren zuvor in Deutschland nicht bekannt. ODABAS gibt auf seiner Homepage an, das „Dawah Team IMAN“ seit 2014 zu leiten. Das Ziel der Organisa-tion beschreibt er als Suche nach Berührungspunkten mit Nicht-Muslimen, „(…) um im persuasiven Diskurs die Botschaft des Islam auf empathische und friedliche Weise zu verkünden.“ Auch EL SHAMY hat eine eigene Internetseite. Aus dieser geht hervor, dass er 1990 in Wien geboren ist. Ein interessanter Aspekt ist seine parteipo-litische Vergangenheit: Der Politikwissenschaftler, der nach eigenen Angaben aktuell an seiner Promotion arbeitet, soll bereits mit 19 Jahren in die Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) eingetreten sein. Mit 21 Jahren gehörte er dem Wiener Landesvorstand der Sozialistischen Jugend Österreichs an. Laut seiner Homepage ist EL SHAMY seit 2016 „in der Aufklärungskampagne im Islam“ aktiv. Damit liefen sein parteipolitisches und das salafistische Engagement offensichtlich zeitweise parallel. Erst Monate nachdem er im Januar 2017 Generalsekretär bei „Iman“ wurde, trat EL SHAMY aus der SPÖ aus. Sowohl EL SHAMY als auch ODABAS waren bei den Veranstaltungen in Baden-Württemberg anwesend.

Vernetzung in Europa

Für die Einschätzung von „Iman“ ist auch ein Blick auf die Kooperationspartner und Netzwerkkontakte wichtig. Eine zentrale Rolle nimmt hierbei die oben genannte Organisation „iERA“ ein, die 2009 von dem britischen Salafisten Abdur Raheem GREEN gegründet wurde. Auch bei GREEN gab es immer wieder Verbindungen nach Baden-Württemberg: Sein Missionierungsbuch „Der Mann in der roten Unterhose“ lag in verschiedenen Moscheen im Land aus. „Iman“ selbst bezieht sich selbst immer wieder auf die „iERA“. Aus den entsprechenden Beiträgen geht hervor, dass die von „Iman“ praktizierte und verbreitete „GOPAS“-Methode auf einer Methode beruht, die GREEN konzipiert hat und die als „GORAP“ bekannt ist. EL SHAMY wurde selbst als „Outreach Specialist“ zu einem Workshop der „iERA“ nach London geschickt, weswegen von persönlichen Kontakten zwischen beiden Organisationen auszugehen ist. Dafür sprechen überdies die Veranstaltungen, die „Iman“ zur Vorstellung und Verbreitung des „iERA“-Buches „Jesus. Mensch. Gesandter. Messias“ in Österreich und Deutschland durchführt.

Auch zu deutschen Akteuren der salafistischen Szene gibt es engere Beziehungen. In einem Werbevideo von „Iman“ interviewt ODABAS den deutschen Salafisten Marcel KRASS, der ausführlich auf die Ursprünge und Vorzüge der „GOPAS“-Methode eingeht.

Die Kontakte verdeutlichen, dass „Iman“ international vernetzt ist. Zugleich deutet ein Blick auf die Social-Media-Accounts auf ein durchaus ernstzunehmendes Online-Publikum hin: „Iman TV“, der YouTube-Kanal der Organisation, hat über 27.000 Abonnenten, die dort eingestellten Videos wurden über 3,5 Millionen Mal aufgerufen. Auf Facebook (ca. 14.700 Abonnenten) und Twitter (359 Follower) ist die Reichweite offenbar geringer. Dabei scheint „Iman“ auch einen gewissen Exklusivitätsanspruch zu verfolgen – nicht jeder wird in den engeren Kreis aufgenommen und nicht jeder darf an Veranstaltungen teilnehmen. So ist auf einem Werbevideo für eine Bildungsreise nach Saudi-Arabien zum Beispiel der Aufruf „Bewirb dich jetzt!“ zu lesen.
Dazu passt die im Interview mit Marcel KRASS genannte Zielgruppe der „GOPAS“-Methode: „Das ist für Freunde, für Studenten, es ist speziell für Leute gedacht, die halt in einem Umfeld sind wie der Schule beispielsweise, die mit ihren Mitschülern ins Gespräch kommen.“ Möglicherweise dienen die Infostände und Gespräche mit Nicht-Muslimen auf der Straße sowie deren Dokumentation und Abrufbarkeit im Internet zur Werbung möglicher Multiplikatoren. In der eigentlichen „Da’wa“-Arbeit scheint die Organisation jedoch eher das soziale Umfeld in den Fokus zu nehmen. „Iman“ scheint es nicht auf laute und öffentlichkeitswirksame Kampagnen anzulegen, sondern setzt auf eine schleichende und unauffällige Salafisierung von Nachbarn, Mitschülern und Kollegen.