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Scientology: Sinkende Mitgliederzahlen und wachsende Probleme

Scientology-Organisation      12 | 2017

Die „Scientology-Organisation“ (SO) hat seit Beginn der Beobachtung durch den Verfassungschutz im Jahr 1997 in Bund und Land jeweils rund ein Drittel ihrer Mitglieder verloren. Sie versucht, dies mit stereotypen Behauptungen über eine angebliche Expansion zu übertünchen.

Scientology, die „am schnellsten wachsende Religion im 21. Jahrhundert“ [Internetseite der „Scientology Kirche Deutschland“, abgerufen am 4. Oktober 2017]? Diese immer wieder stereotyp von der SO erhobene Behauptung stammt, was ihren Wahrheitsgehalt angeht, aus einer anderen Zeit. Ende der 1980er bis in die erste Hälfte der 1990er Jahre erlebte die SO eine Phase des Wachstums und konnte zeitweise zahlreiche neue Mitglieder werben. Damals waren vielen Menschen weder der Begriff „Scientology“ noch deren Gefahrenpotentiale bekannt. Doch das hat sich geändert.

Seit geraumer Zeit wird die SO mit wachsenden Problemen und einem schleichenden Mitgliederrückgang konfrontiert, der inzwischen ein gravierendes Ausmaß angenommen hat. Die SO hat in Bund und Land seit Beginn der Beobachtung im Jahr 1997 in der Bilanz rund ein Drittel ihrer Mitglieder verloren. Verfügte sie in den späten 1990er Jahren in Deutschland noch über etwa 5.000 bis 6.000 Mitglieder, sind es inzwischen noch etwa 3.000 bis 4.000. In Baden-Württemberg gab es Ende der 1990er Jahre rund 1.200 Scientologen. Im Lauf der ersten Hälfte des Jahres 2016 ist ihre Zahl nunmehr auf unter 900 gesunken.

Die Organisation verzeichnet in Baden-Württemberg trotz hohen Aufwands bei der Werbung seit geraumer Zeit keinen Zuwachs mehr. Der schleichende Mitgliederschwund hat im Wesentlichen drei Gründe:

 Die Entwicklung des Internets mit seinen umfassenden Informationsmöglichkeiten ist zu einem erheblichen Problem für die SO geworden.
 In der Bevölkerung trifft die Organisation in der Regel auf Ablehnung.
 Enttäuschte Anhänger ziehen sich zunehmend von der SO zurück.

Dauerhafte Neuzugänge sind inzwischen meistens junge Scientologen. Sie werden über ihre Eltern an die Organisation herangeführt. Folglich wird die Anhängerschaft in Baden-Württemberg mittlerweile von langjährigen Scientology-Mitgliedern und deren Töchtern und Söhnen geprägt.

Dem Mitgliederstamm droht wohl nicht nur in Baden-Württemberg langfristig die Überalterung, wenn es der Organisation nicht gelingen sollte, in größerem Umfang junge Anhänger von außen anzuwerben. Rund 60 Prozent der SO-Mitglieder im Land waren Stand 2015 50 Jahre oder älter, nur etwa 15 Prozent dagegen unter 30 Jahre. Die SO scheint dieses Problem erkannt zu haben: Es fällt auf, wie sehr ihre Werbung auf die junge Generation abzielt. Besondere Aufmerksamkeit erfordert daher auch in Zukunft der Jugendschutz, damit diese Werbemaßnahmen wirkungslos bleiben.